Wie die Parteien den Einzelhandel in Cuxhaven beleben wollen
CUXHAVEN. "Wie halten Sie‘s mit dem Einzelhandel?" Die CNV-Redaktion hat den im Wahlkampf befindlichen Cuxhavener Parteien auf den Zahn gefühlt.
Die ideale Einkaufsstadt ist mit ein paar Sätzen beschrieben: Der Mix an Geschäften soll stimmen, Verweilmöglichkeiten dürfen nicht fehlen und die "City" muss nicht nur gut zu erreichen sein, sondern auch zu einem ausgedehnteren Bummel einladen. Das alles wünschen sich viele Cuxhavenerinnen und Cuxhavener. Wie die Politik - den Urnengang im September vor Augen - auf solche Forderungen reagiert, beleuchtet die CN/NEZ-Redaktion in einer ersten Folge einer Themenserie zur Kommunalwahl.
CDU will "Cuxhavener Gabel" neu denken
In einem von Ratsfraktionschef Thiemo Röhler und den Ratsleuten Enak Ferlemann, Christiane Buck und Herbert Kihm vorgestellten Kommunalwahlprogramm spricht sich die Cuxhavener CDU dafür aus, die Einzelhandelsstandorte in der Stadt über einen Ausbau des Stadtmarketings zu stärken. Zusätzliche Anreize für einen Innenstadtbesuch könnten nach Auffassung der Union "neue und innovative Veranstaltungen" bilden. Ein von Bürgerseite immer wieder thematisiertes Leerstandsproblem nimmt die CDU in Hinblick auf die daraus resultierenden negativen Auswirkungen für die Bestandsgeschäfte ernst. Sie verlangt nach einem aktiven Leerstandsmanagement und will die sogenannte "Cuxhavener Gabel" (Schloss - Norder - Lotsenviertel - Alte Liebe - Fischmeile) "neu denken" und durch den dort vorhandenen Einzelhandel um Angebote aus dem Bereich Gastronomie und Kultur bereichern.
FDP will den Wochenmarkt in die "City" holen
Unter dem Stichwort Attraktivitätssteigerung bemühen sich die Cuxhavener Liberalen und deren Chef-Wahlkämpfer Günter Wichert um eine Verlegung des Cuxhavener Wochenmarktes von seinem derzeitigen Standort an der Beethovenallee ins Stadtzentrum. Marktstände sollen rings um die Hermine sowie in die Bahnhofs- und die Kapitän-Alexander-Straße hinein einen Platz finden. Die FDP plädiert ferner dafür, an Markttagen auf die Erhebung von Parkgebühren zu verzichten und Freifahrten im öffentlichen Nahverkehr anzubieten.
SPD warnt vor Kannibalisierungseffekten
"Wir wollen keine Kannibalisierung!": Gunnar Wegener und Oliver Ebken bilden die Ratsfraktionsspitze der SPD und erteilen der Idee, den Wochenmarkt auf den "Butt" zu holen, eine klare Absage. Statt einer Stärkung gehe von einem solchen Schritt eine Schwächung der Innenstadt aus - bedingt unter anderem durch ein Parkproblem im Zentrum oder durch weitere Wege, die vor allem ältere Menschen aus den Wohnquartieren rings um den Wochenmarktplatz belasten würden. Im Bereich Nordersteinstraße könnten Cafés und kleinere Gastronomieangebote für mehr Vielfalt sorgen. Letztere könnten aber nur überleben, wenn (in diesem Punkt ist die SPD bei der FDP) Behörden wie zum Beispiel das Jugendamt in der Innenstadt bleiben und auch wochentags als Frequenzbringer fungieren. Wenn es darum geht, "Einkaufserlebnisse" zu schaffen, sehen Wegener und Ebken auch die Kaufmannschaft in der Pflicht - Stichwort: Einrichtung von Verweilmöglichkeiten und Spielecken. Laut SPD müssen Einzelhändler (unter anderem bei den Öffnungszeiten) an einem Strang ziehen. Kooperationsgeist wünschen sich die Sozialdemokraten auch bei saisonalen Events: Dem Weihnachtsmarkt am Schloss durch Konkurrenzveranstaltungen auf dem "Butt" das Wasser abzugraben, macht aus ihrer Sicht keinen Sinn. "Im Real-Gebäude darf es keinen Leerstand geben", machen sie außerdem deutlich.
Grüne: Leben und Arbeiten
Im Namen der Cuxhavener Grünen weist Elke Roskosch-Buntemeyer (Ortsvorstand) darauf hin, dass zu einer lebenswerten Innenstadt, "in der sich Menschen gerne aufhalten, sich begegnen und treffen", mehr gehört als nur der Einzelhandel. "Wir Grüne wissen um die Bedeutung der Funktionen von Innenstädten. Leben, Wohnen, Arbeiten, Verwaltung, Kultur, Gastronomie, Bildung und vieles mehr muss den Einzelhandel in der Innenstadt sinnvoll ergänzen", heißt es in einer Stellungnahme der Grünen. Mit der "Norder" und dem Lotsenviertel gebe es attraktive Quartiere; "einfache und bewährte Konzepte" zu deren Stärkung (etwa die Stärkung des Fuß- und Radverkehrs) sind für die Grünen obligatorisch. Darüber hinaus seien die Nutzung von Apps & Co. sowie die Bündelung von Interessen und Kräften Ansatzpunkte, die von den Grünen unterstützt werden.
"Die Cuxhavener" denken auch an die Jugend
Die Wählergemeinschaft "Die Cuxhavener" hält es für unabdingbar, den "Aufenthaltswert" in der Innenstadt zu verbessern. Um so wichtiger ist das nach den Worten des Ratsfraktionsvorsitzenden Rüdiger Kurmann, wenn es um die Zielgruppe der jungen Menschen geht. Für sie sei der Aufenthaltswert in der "City" bis dato eher gering. "Die Bauverwaltung muss großzügig sein, wenn es darum geht, nicht erhaltenswerte ältere Bauten zu ersetzen und Baulücken zu schließen", so Kurmann weiter. Immer wieder habe es Investoren gegeben, die sich um die Realisation von Wohnbebauung, etwa im Dachgeschoss, bemüht hätten. "Das bringt Menschen in die Innenstadt", argumentieren "Die Cuxhavener". Bei Aus- oder Umbauten im Bestand darf nach ihrer Auffassung das Ziel, einen Lebensmittelvollversorger zurück in die Innenstadt zu holen, nicht außer Acht gelassen werden. "Damit man den täglichen Einkauf mit einem Schaufensterbummel verbinden kann." "Die Cuxhavener" gehen davon aus, dass das Konzept im Alten Fischereihafen (AFH) dazu führt, dass auch mehr in der Innenstadt gebummelt wird.
AfD: Auf Attraktivität achten
Ähnlich denkt in letztgenanntem Punkt die AfD-Ratsfraktion. Fraktionsvorsitzender Anton Werner Grunert rügt deshalb die "CDU-Verhinderungspolitik" in Sachen AFH und empfiehlt, innenstadtübergreifend auf Attraktivität des Angebots achten und Trading-down-Effekten entgegenzuwirken. Die AfD will mehr verkaufsoffene Sonntage und mehr Veranstaltungen auf dem "Butt". Sie setzt sich für Sauberkeit und Ordnung ein und findet, dass sich die Wirtschaftsförderung auf ihre Kernaufgabe Standort-Marketing konzentrieren muss, "statt weitere Subventionsblasen aufzublasen".
Linke für Leerstandsabgabe
Die Partei Die Linke in Cuxhaven fordert, eine Leerstandsabgabe für Objekte, die länger als ein Jahr brachliegen, einzuführen. Nach den Worten ihres Sprechers Ulrich Schröder gibt es in der Innenstadt nicht genügend Bänke zum Verweilen, es fehle außerdem an Fahrradständern. Ladestationen für E-Bikes und Handys anzubieten, ist nach Auffassung der Linken, die sich eine Teil-Überdachung der "Norder" und eine Begrünung des "Butts" vorstellen kann, überfällig. Die Linke setzt sich außerdem für mehr Außengastronomie und ein Lebensmittelangebot im urbanen Umfeld (als Alternative zu den Centern an der Peripherie) ein.