Gibt es in Cuxhaven demnächst eine neue Badelagune nach Büsumer Vorbild?
CUXHAVEN. Es gibt viel zu tun, doch wo sind die dringlichsten Baustellen? Das ergründet der neue Cuxhavener Kurdirektor Olaf Raffel zurzeit in zahlreichen Gesprächen mit Funktionsträgern aus verschiedenen Bereichen Cuxhavens.
Einige Arbeitsschwerpunkte hat der 51-Jährige nach den ersten vier Monaten in der neuen Aufgabe bereits identifiziert. Einer ist die Digitalisierung auch der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH, um die Angebote künftig zielgerichteter an den Gast bringen zu können.
Radverkehr, W-Lan, Tourismus
Eine bessere Verkehrsanbindung zwischen Bahnhof und den Kurteilen, Verbesserung des Radverkehrs, W-Lan an den Stränden, digitale Besucherlenkung, nachhaltige Tourismusangebote, und ein Stadtmarketing im Schulterschluss mit allen Akteuren sind einige der Arbeitsfelder, die der neue Geschäftsführer der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH als vorrangig ausgemacht hat.
Angesprochen auf den Bauhafen an der Kugelbake stimmt Raffel der Idee zu, daraus eine tideunabhängige Badelandschaft zu machen. Das könne er sich längerfristig sehr gut vorstellen, zumal er diesbezüglich auf positive Erfahrungen aus seinem bisherigen Wirkungskreis Büsum zurückgreifen könne. Als Geschäftsführer der Tourismus Marketing Service Büsum GmbH habe er an dem damaligen Leitprojekt der 5000-Seelen-Gemeinde mitgewirkt. Eine groß angelegte Baumaßnahme zur Deichverstärkung bot 2010 bis 2012 Gelegenheit, die sogenannte Perlebucht zu einem Bade- und Wassersportparadies mit einer 100 000 Quadratmeter großen Binnenwasserfläche hinter dem Deich umzugestalten.
Traum für Cuxhaven-Urlauber
Zwei Jahre dauerten die Bauarbeiten, die Raffel als Operation am offenen Herzen bezeichnet, weil sie auch den touristischen Kernbereich am Kutterhafen betraf. Ein Großteil der Stammgäste konnte in den Bereich der Lagune umgeleitet werden, weshalb die Gästezahl während der Deichbauarbeiten insgesamt nur leicht auf knapp 1,3 Millionen zurück ging. Im Bereich der Lagune war zuvor eine attraktive Dünenlandschaft mit einem vielfältigen Wassersportangebot entstanden, das genutzt werden kann, gerade wenn am seeseitigen Strand Ebbe herrscht. Etwas, wovon der Cuxhaven-Urlauber träumt, wenn die Hochwasserzeit das Baden am Nachmittag nicht zulässt.
Die Investitionen in eine großzügige, über zwei Kilometer lange Promenade, in Wetterhütten, Picknick-Sitzgruppen, Grillplätze, Ballsportfelder, Strandkorbsaunen, digitale Displays und vieles mehr haben die "Familienlagune Perlebucht" in Büsum zu einer Attraktion mit großer Strahlkraft gemacht, die sich entgegen anfänglicher Bedenken von Betreibern aus dem touristischen Kernbereich rund um den Hafen zu einem Vorteil für alle Beteiligten entwickelt habe.
Private Investoren zogen nach
Allerdings, so Raffel, habe man sich in dieser Phase auf das Wesentliche konzentrieren und andere Projekte aufgeben müssen, wozu das privat betriebene Sturmflut-Erlebniszentrum "Blanker Hans" gehörte. Die mit großen Hoffnungen für eine Verlängerung der Saison verbundene Einrichtung musste wegen Unwirtschaftlichkeit 2015 nach zehn Jahren Betrieb aufgegeben werden.
Büsum habe sich seit der 1980er Jahre toll entwickelt, vom Fischerdorf über einen bekannten Kurort hin zu einem Familienbad (Nordseeheilbad) mit über 1,8 Millionen Übernachtungen jährlich. Öffentliche Investitionen in die touristische Infrastruktur hätten private Investitionen in großem Umfang nach sich gezogen. Über zehn Jahre hat Raffel in Büsum als Kurdirektor gewirkt und damit einen wesentlichen Anteil an der positiven Entwicklung.
Sein neues Wirkungsfeld in Cuxhaven ist allerdings weitaus vielfältiger, was einerseits große Chancen in sich birgt, aber auch die Gefahr, sich zu verzetteln. Deshalb will Raffel zunächst einmal die Haupthandlungsfelder herausarbeiten und dann versuchen, mit den zahlreichen Akteuren aus dem touristischen Bereich Zukunftsstrategien zu entwickeln, die möglichst alle mittragen. Die Vielfalt der Angebote sei dabei eine Stärke Cuxhavens, aber gleichzeitig eine Herausforderung, wenn es darum geht, sich zum Beispiel beim Stadtmarketing notwendigerweise auf bestimmte Themen zu fokussieren.
Zehn Prozent neue Gäste
"Erfolgreich werden wir nur sein, wenn wir Strategien entwickeln, in die alle einzahlen", sagt Raffel und bezieht in diese Aussage auch die Cuxhavener Bürger ein, die nur auf den ersten Blick nicht viel mit dem Tourismus zu tun hätten. Selbst in der Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass Cuxhaven mehr kann als andere Destinationen und vom Trend zum Deutschlandurlaub in besonderer Weise profitiert. "Zehn Prozent der Gäste waren das erste Mal in Cuxhaven. Das ist eine sehr hohe Zahl", wertet Raffel. Damit sei die große Chance verbunden, auch für die nächsten Jahre neue Gästegruppen anzusprechen und zu halten.