Gleichberechtigung in der Bundeswehr? Das sagen Soldatinnen aus Nordholz
NORDHOLZ. Bei den Marinefliegern in Nordholz sind 8,5 Prozent Frauen: Zum Weltfrauentag schildern Soldatinnen ihre Gründe, zur Bundeswehr zu gehen und ihre beruflichen Erfahrungen.
Seit 21 Jahren gibt es Frauen in allen Verwendungen bei der Bundeswehr. Aktuell dienen in der Deutschen Marine nur rund 10,5 Prozent Frauen, in Nordholz 8,5 Prozent. Zum Weltfrauentag sprechen Soldatinnen bei den Marinefliegern in Nordholz über die Gleichberechtigung in der Bundeswehr.
Studium für Luft- und Raumfahrttechnik
Kapitänleutnant Laura Eichhorn begann ihre Bundeswehrkarriere 2013 mit einem Offizierslehrgang. Sie absolvierte ein Studium für Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität der Bundeswehr in München, danach begann ihre fliegerische Ausbildung. Die Marine hat ihr eine Ausbildung zur Hubschrauberpilotin angeboten. Darum ist Laura Eichhorn seit 2021 bei den Marinefliegern.
Selbstverständlich, dass Frauen dienen
Auf die Frage, ob es Besonderheiten für den Dienst als Frau gibt, antwortet sie: "Dass diese Frage noch gestellt wird, ist ein Indiz, dass es noch nicht für jeden selbstverständlich zu sein scheint, dass Frauen dienen. Es wäre wünschenswert, wenn in alle Kreise vorgedrungen wäre, dass es keinen Unterschied machen sollte." Noch ist die Ausrüstung aber immer noch am "durchschnittlichen Mann" orientiert, für "durchschnittliche Frauen" ist es schwierig, passende Ausrüstung zu bekommen. Hinderlich ist es, wenn im Hubschrauber die Sitzverstellung nicht so machbar ist, dass die Controls erreicht werden können oder das Mindestgewicht für einen Piloten 70 Kilogramm beträgt. Kapitänleutnant Laura Eichhorn sagt: "Ich bin stolz darauf, Fliegerkombi zu tragen, da ich mir diese Berechtigung hart erarbeitet habe."
Wartung und Instandhaltung des Sea King
Obermaat d.R. Franziska Müller, Angestellte in Nordholz, hat ab 2001 bei der Bundeswehr eine zivile Lehre als Industriemechanikerin absolviert. Danach ging sie 2005 zur Marine als Fluggerätmechanikerin, zunächst nach Kiel und ab 2012 nach Nordholz, als beide Standorte zusammengelegt wurden. 2013 wurde sie Angestellte des Bundes. Als Fluggerätemechaniker-Meisterin ist sie verantwortlich für die Wartung und Instandhaltung des Sea King. "Mit den SAR-Einsätzen retten wir Menschen aus Notsituationen und sind stolz darauf. Wenn die zivilen Hubschrauber wegen der Wetterbedingungen nicht mehr fliegen können, fliegen die Marineflieger, auch bei Windstärke 12." Viele männliche Kameraden hätten gegenüber Franziska Müller als Vorgesetzter zunächst Vorurteile gehabt. Durch ihr Fachwissen hat sie sich Respekt erworben.
Gut in den Dienst eingegliedert und akzeptiert
Oberfeldwebel Lea Apel (24) ist Notfallsanitäterin in der San-Staffel Eins und seit 2016 bei der Bundeswehr. Zu ihren Aufgaben zählt die Absicherung im Rahmen der Flugunfallbereitschaft und die Ausbildung der Soldaten in Erster Hilfe. "Ich habe schon als Kind von einer Uniform geträumt und mich für die Bundeswehr entschieden." Oberfeldwebel Apel schätzt den respektvollen Umgang und die Einsatzbereitschaft der männlichen Kameraden, die die weiblichen Kameradinnen unterstützen. Frauen seien gut in den Dienst eingegliedert und akzeptiert, sagt sie. Und: "Meine Familie und mein Mann stehen hinter mir. Sie unterstützen mich und akzeptieren meine Entscheidungen."
"Leisten können, was ein Mann kann"
Hauptbootsmann Franka Rother war von 2007 bis 2017 Fluggerätemechaniker-Meisterin am Bordhubschrauber Sea Lynx Mk88A als Fluggerätemechanikerin. Hier war sie im Flugdienst und der Störbehebung tätig. Zwischen 2011 und 2016 war sie mehrfach mit Bordwartungsgruppen auf Fregatten eingesetzt. Seit 2017 ist sie im Stab der Technischen Gruppe. Als Ausbildungssteuerer plant, koordiniert und überwacht sie, zusammen mit zwei weiteren Kameraden, die Aus- und Weiterbildung der Technischen Gruppe des Marinefliegergeschwader 5. "Grundsätzlich unterscheidet sich der Dienst, ob als Mann oder als Frau, bei Bundeswehr nicht. Sportlich gesehen, muss eine Frau auch das leisten können, was ein Mann kann."
"Stolz auf meine Uniform"
Rother kommt aus Rostock und ist gelernte Ingenieur-Assistentin. "Ich bin schon immer gerne zur See gefahren, habe Spaß an der Technik, bin gerne unterwegs und wollte etwas Neues erleben. Was lag da näher, als alle meine Interessen zu kombinieren und zur Marine zu gehen? Ich bin stolz darauf bei der Bundeswehr zu sein und ich bin auch stolz auf meine Uniform und trage sie gerne, um zu zeigen, dass wir Soldaten in die Mitte der Gesellschaft gehören. Ich würde mir mehr Rückhalt in der Gesellschaft wünschen. Ich glaube die Bundeswehr ist nicht so angesehen, wie sie es sein sollte. Die Bundeswehr ist in vielen Bereichen tätig, das hat die Corona-Pandemie gezeigt und auch das Hochwasser im Ahrtal."
Einblicke in andere Berufe wie Pilot und Techniker
Obermaat Julia Kelm (22) ist seit Oktober 2020 bei der Bundeswehr und heute als Fotografin beim Presse- und Informationszentrum tätig. "Wenn andere Marine hören, denken sie an Boote, Schiffe und Meer. Die Marineflieger sind Exoten und einzigartig, weil wir die einzigen Marineflieger sind, die es gibt." Das Besondere an ihrem Job ist, dass man bei der Bundeswehr eine Ausbildung zur Fotografin machen kann. Sie erhält viele Einblicke in andere Berufe wie Pilot, Techniker, Stabsdienst, Versorgung oder auch Logistik. Julia Kelm wünscht sich mehr Frauen für die Bundeswehr. "Ich finde es gut, dass Frauen die gleichen Berufe wie Männer ausüben können. Gleichberechtigung wird großgeschrieben, in der Besoldung, der Ausübung und den Aufstiegsmöglichkeiten."
Girls Day
Um mehr Frauen zu gewinnen, führen die Marineflieger in Nordholz am 28. April einen "Girls Day" durch. Interessierte Schülerinnen können sich unter www.girls-day.de/@/Show/bundeswehr.59/ein-tag-bei-den-marinefliegern.1 informieren.
Von Vera Wojack
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