Grönländer verpacken ihre Shrimps bald in Cuxhaven
CUXHAVEN. 8000 Tonnen Eismeerkrabben pro Jahr: Royal Greenland, Weltmarktführer für Nordatlantik-Fisch, investiert vier Millionen Euro in die neue Betriebsstätte in der Präsident-Herwig-Straße und schafft 50 neue Arbeitsplätze.
Um Synergieeffekte zu nutzen, verlegt das Unternehmen seinen Betrieb von Aalborg in Dänemark im Laufe des Jahres nach Cuxhaven. Ende 2019 soll der Umbau der rund 7000 Quadratmeter großen Halle an der Präsident-Herwig-Straße 6 bis 8 abgeschlossen sein, die bis vor zehn Jahren von der Firma Preisler & Schneider genutzt wurde. Für vier Millionen Euro lässt Royal Greenland die Halle jetzt umbauen und mit neuen Produktionsanlagen ausstatten. Die Produktion von Shrimps soll noch in diesem Jahr beginnen.
Bis dahin gibt es aber noch eine Menge zu tun. Die große Halle, in der einmal Fisch in Dosen produziert wurde, muss komplett entkernt und umgebaut werden. Wegen des Aufwands und des Zeitdrucks entschieden sich Eigentümer NiedersachsenPorts und Royal Greenland zu einem ungewöhnlichen Weg bei der Finanzierung, wie NPorts-Geschäftsführer Holger Banik aus Oldenburg bei einem Ortstermin am Dienstag mit der Geschäftsleitung von Royal Greenland betonte. Anders als üblich finanziert das Unternehmen die Umbaukosten vor, die später mit der Miete verrechnet werden. Zuvor hatte NPorts die Liegenschaft europaweit angeboten. Der Mietvertrag läuft über 15 Jahre.
Nach der Pleite des Versuchsballons "Krabbenschälzentrum", übernahmen die Grönländer auch die zuvor modernisierten Räume an der Neufelder Straße und eröffneten dort ein Verpackungswerk für Fischprodukte (Insider sprechen von "Ziplock-Werk"). Dort werden Fischfilets und Muschelfleisch in wieder verschließbare Plastikbeutel verpackt. An den beiden Standorten werden bislang jährlich rund 3000 Tonnen Filets und Muscheln produziert und verpackt.
Seit einem Jahr denken Konzernleitung und örtliches Management über die Verlagerung der Produktion von Dänemark nach Cuxhaven nach und knapp zehn Monate haben die Gespräche mit dem Vermieter über das bislang überwiegend ungenutzte Gebäude gedauert. Inzwischen sind die Arbeiten angelaufen, mit denen die Baufirma Lüdke beauftragt wurde.
Holger Banik und der neue Leiter der Cuxhavener NPorts-Niederlassung Knut Kokkelink freuen sich über die positive Entwicklung. Mit der Investition von Royal Greenland gewinne auch der Fischereistandort Cuxhaven insgesamt an Gewicht. Das Unternehmen nutze den Vorteil der kurzen Wege und die Nähe zu den Kunden.
Royal Greenland
Royal Greenland A/S ist ein grönländisches Staatsunternehmen mit Sitz in der Hauptstadt Nuuk. Mit einem Umsatz von rund 750 Millionen Euro und rund 2700 Mitarbeitern ist Royal Greenland der weltweit größte Lieferant von Fisch und Meeresfrüchten aus dem Nordatlantik. Zum Konzern gehören 40 Fabriken und eine eigene Fischereiflotte mit 40 Schiffen und Kuttern. Außerdem arbeiten mehr als 2000 selbstständige Fischer für das Unternehmen. Royal Greenland hat eigene Vertriebsgesellschaften in den meisten europäischen Märkten, Japan, China und den USA. Vermarktet werden in der Hauptsache Eismeergarnelen, Schwarzer Heilbutt, Kabeljau und Seehasenrogen.
Fischstandort
Die Fischwirtschaft spielt in Cuxhaven nach wie vor eine wichtige Rolle. Rund 40 Betriebe und Dienstleister arbeiten und produzieren am Ort und nutzen die Vorteile des zweitgrößten Fischereihafens Deutschlands. Großes Know-how und Kompetenzen in Sachen Fisch sind über Jahrzehnte gewachsen. Die Zahl der Beschäftigten wird von Hafenbetreiber Niedersachsen Ports mit rund 1400 angegeben.
Trotz aller Schwierigkeiten ist die Zahl der eigentlichen Fischereibetriebe seit Jahren einigermaßen stabil geblieben. Mit der Kutterfisch-Zentrale und der Deutschen Fischfang Union sind die letzten deutschen Reedereien in Cuxhaven ansässig. Einziger Nachteil: Der relativ weite Weg zum Verbraucher.