Hafen Cuxhaven: Lotsenversetzer "Medem" getauft
CUXHAVEN. Mit lautem Knall zersprang die am Bug befestigte Sektflasche in tausend Scherben. Die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesverkehrsminister, Daniela Kluckert (FDP), machte als Patin bei ihrer ersten Schiffstaufe einen perfekten Job.
Mit diesem symbolischen Akt des seemännischen Segens ist das Lotsenversetzschiff "Medem" am Mittwoch im Alten Fischereihafen mit mehreren Gästen nun auch offiziell in Dienst gestellt worden. Es wird bereits seit Februar im Seelotsrevier Elbe vor Cuxhaven eingesetzt.
Das Schiff wurde im Auftrag des Bundes auf der schwedischen werft N. Sundin Docksta Varvet für den Cuxhavener Bereich gebaut. Betreiber ist der Lotsbetriebsverein. Darüber hinaus übernimmt das Schiff im Rahmen einer Kooperation des Bundes mit dem Hafenbetreiber Niedersachsen Ports auch den Versetzdienst der Lotsen im Hafengebiet Cuxhaven. Das knapp 17 Meter lange Schiff ist eine Weiterentwicklung von sechs baugleichen Lotsenversetzschiffen für die Ostsee, die ebenfalls von der schwedischen Werft konstruiert worden sind.
Kosten betrugen etwa 2,5 Millionen Euro
Finanziert wurde das Schiff durch die Lotsabgabe, die von jedem Schiff, das die Elbe befährt, entrichtet werden muss. Die Kosten betrugen etwa 2,5 Millionen Euro. Technisch ist das Schiff hochmodern ausgerüstet. Es ist für zwei Besatzungsmitglieder und sieben Lotsen ausgelegt. Vor allem ist es an das Revier angepasst, bis zu 20 Knoten schnell und wendig. Anspruchsvolle Versetz- und Ausholmanöver zum Übersteigen des Lotsen während der Fahrt, auf Reede oder an der Pier sind gefahrlos möglich. Und es bietet in den kurzen und steilen Wellen des Tidegewässers Elbe Kentersicherheit und leistet eine schnelle Anfahrt. Angesichts des stetig wachsenden Hafens, immer größer werdender Schiffe und rund 7000 Lotsenversetzungen pro Jahr sei die Leistungsfähigkeit von entscheidender Bedeutung, so Marco Gessinger, Geschäftsführer des Lotsbetriebsvereins Außenstelle Cuxhaven. Diese Anforderungen habe die "Medem" bereits vom ersten Tag an erfüllt.
Als Leiter der Abteilung Schifffahrt der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS) sagte Dr. Marcus Erdmann: "Das Lotsenversetzschiff wird die Arbeitsbedingungen der rund 300 Lotsen an der Elbe und den Versetzdienst auch im Hafenbereich von Cuxhaven noch sicherer machen."
"Die Wirtschaft braucht uns"
Ben Lodemann, Ältermann der Lotsenbrüderschaft Elbe, machte aber auch auf Schwachstellen im Lotswesen aufmerksam. Das Lotsenstationsschiff "Hanse", seit 2000 im Dienst müsse bis zum Ende dieses Jahrzehnts durch einen Neubau abgelöst werden. Überfällig sei hingegen der Ersatz für die Lotsentender "Döse" und "Duhnen". Angesichts langer Bauzeiten dürfe nicht mehr viel Zeit verstreichen. "Wir fahren jedes Jahr zwei bis drei Mal um den Globus", sagte Lodemann. Die Schiffe seien bis zum Anschlag in Betrieb. "Die Kollegen zaubern, um die Schiffe am Laufen zu halten." Die Lotsenschaft tue ihr Möglichstes, um die Verkehrsader Elbe am Laufen zu halten. Lodemann: "Die Wirtschaft braucht uns. Helfen Sie uns, das Versetzsystem aufrecht zu erhalten. Wir können ja nicht zu den Schiffen schwimmen."
"Lebensader unserer Stadt"
Vor den Gästen aus Politik, Verwaltung und Schifffahrt sagte Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer: "Die Lotsenbrüderschaft spielt für die Lebensader unserer Stadt, die Elbe, eine bedeutende Rolle. Sie sorgen für die Sicherheit des Transportweges Wasser. Cuxhaven wird als Hafenstandort sowie als Zentrum für die Offshore- und Wasserstofftechnologie immer bedeutsamer werden. Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, brauchen wir den Lückenschluss mit den Liegeplätzen 5 bis 7. Wenn eine nachhaltige Energieversorgung mit erneuerbaren Energien gelingen soll, geht das nur mit Cuxhaven."