Hausärzte: Kleiner Niederlassungsboom in Cuxhaven
DÖSE. Am 1. September hat Christopher Holland, Facharzt für Innere Medizin, seine Hausarztpraxis im Heinrich-Grube-Weg 44 in Döse eröffnet - und er liegt damit im Trend.
Seit Mai habe es in der Stadt Cuxhaven fünf neue Niederlassungen mit dem Schwerpunkt hausärztliche Versorgung gegeben, erklärt Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Stade der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, im Gespräch mit unserer Zeitung.
Ein Teil der Befürchtungen, die die Versorgungslage noch vor einem halben Jahr ausgelöst habe, sei somit aktuell ausgeräumt. Dieser durchaus bemerkenswerte Strukturwandel zeige, dass Cuxhaven als Standort punkten könne. 80 Prozent der neu Niedergelassenen kämen ursprünglich aus dieser Region, so Schmitz.
Einer davon ist Dr. Andreas Gerdts, Facharzt für Allgemeinmedizin, Kurarzt und Rettungsmediziner, der als angestellter Arzt in Teilzeit der zweite Mann in der Hausarztpraxis C. Holland ist. Über seinen Schritt zurück nach Cuxhaven sagt er: "Ich will damit auch meine Heimatstadt unterstützen."
1989 hatte er sich erstmalig in Cuxhaven niedergelassen, damals in der Praxis von Dr. Gertraute von Jürgensonn Hinter der Kirche in Döse. Nach zehn Jahren stieg er in eine große Landarztpraxis in Bad Bederkesa ein, wohnte aber weiter in Cuxhaven und arbeitete von 2013 bis zum September 2019 zusätzlich in Teilzeit als angestellter Allgemeinmediziner im Helios-MVZ (Medizinisches Versorgungszentrum) in der Wagnerstraße.
Christopher Holland ist in diesem Jahr in den Norden zurückgekehrt. Seine Ehefrau Katarzyna Holland leitet seit Januar dieses Jahres als Chefärztin die Fachabteilung für Geriatrie in der Helios-Klinik Cuxhaven. Nach vielen Jahren im Osten Deutschlands, unter anderem in Sachsen (Aue) und in Thüringen (Worbis) zog es das Ehepaar - den aus Wedel bei Hamburg stammenden Christopher Holland und die aus Polen stammende Ehefrau Katarzyna, die in Hamburg studiert hat - wieder an die geliebte Küste zurück.
Den Schritt gewagt
Christopher Holland entschloss sich, sich nach vielen Jahren Krankenhaustätigkeit in einer eigenen Praxis niederzulassen, was nun geschehen ist. Dr. Gerdts ist neben seiner Praxis an einigen Tagen pro Woche in Döse tätig. Beide freuen sich über den gelungenen Start. Die Patienten seien dankbar für die hausärztliche Versorgung samt Hausbesuchen und Corona-Testungen. Das sei gerade in Cuxhaven mit seiner demografischen Entwicklung und angesichts vieler Neubürger auch unabdingbar, finden die Ärzte.
Stadt und Landkreis haben für diese Praxisgründung einen Zuschuss aus dem Topf zur "Förderung der Niederlassung von Hausärzten im Landkreis Cuxhaven" gewährt. "Eine Maßnahme, um eine Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse auch im ländlichen Raum zu erreichen", erklärt Kai Sawischlewski (Stadt Cuxhaven) von der gemeinsamen Agentur für Wirtschaftsförderung.
Somit steht Cuxhaven aktuell bei den Hausärztinnen und Hausärzten bei einem Versorgungsgrad von 109 Prozent - nach Jahren, in denen sich viele Cuxhavenerinnen und Cuxhavener den Kopf darüber zerbrachen, ob sie auch künftig einen Hausarzt oder eine Hausärztin haben würden. Dieser Stand sollte im Interesse der Bevölkerung unbedingt gehalten werden, so Kai Sawischlewski, wohl wissend, dass es sich immer um eine Momentaufnahme handelt.
Blick auf den Bedarf
Die Bedarfsplanung für die Niederlassung von Haus- und Fachärzten beziehungsweise -ärztinnen ist ein kompliziertes Werk, berücksichtigt werden darin unter anderem Gemeindegrößen und Bewohnerschaft, Entfernungen, steigende Lebenserwartung, Bedarf an Fachrichtungen und das Alter der Medizinerinnen und Mediziner und Ziel ist es, das Angebot so zu steuern, dass den Bürgerinnen und Bürgern aller Regionen ein möglichst gleichmäßiger Zugang zur ambulanten Versorgung offen steht.
Den Plan stellen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen, die Landesverbänden der Krankenkassen und die Ersatzkassen auf. Für den Landkreis Cuxhaven sind darin vier Hausärztliche Planungsbereiche (HPB) festgelegt.
Neben den HPBs für den Südkreis sowie für das Geestland und die Wurster Nordseeküste sind das der HPB Cuxhaven (Stadt Cuxhaven, Ihlienworth, Neuenkirchen, Nordleda, Odisheim, Osterbruch, Stadt Otterndorf, Steinau, Wanna; insgesamt 63 370 Einwohner) und der HPB Hemmoor (Armstorf, Belum, Bülkau, Cadenberge, Hechthausen, Stadt Hemmoor, Hollnseth, Lamstedt, Mittelstenahe, Neuhaus/Oste, Oberndorf, Osten, Stinstedt, Wingst; 31 584 Einwohner).
Bundeseinheitlich gilt, dass es pro 1609 Einwohner einen Hausarzt/eine Hausärztin geben soll. Für Cuxhaven ist diese Zahl angesichts der älteren Bevölkerung auf 1543 reduziert worden; ein Hausarzt hat also statistisch gesehen 66 Einwohner weniger zu versorgen. Diese Quote wird alle zwei Jahre - auch für andere Arztgruppen - neu berechnet.