Helgoland-Schiff "Atlantis": Der "Weiße Schwan" wird verschrottet
CUXHAVEN. Die Geschichte des "weißen Schwans", der "Atlantis" von Cassen Eils, endet jetzt auf dem schwimmenden Friedhof.
Zwischen ihrem einsamen Ausschlachten an einem Strand in der Türkei und dem Stapellauf 1972 in der Bremer Rolandwerft liegen 48 Jahre Seefahrtsgeschichte.
Voriges Wochenende wurde die 78 Meter lange "Atlantis" im Hafen von Peramai ins Schlepp genommen und auf ihre letzte Reise geschickt. Jetzt liegt sie in einer Abwrackwerft in der Hafenstadt Aliaga an der türkischen Ägäisküste.
Platz für 1000 Personen
Fast jeder Cuxhavener kennt sie oder hat mit ihr schon einmal die Reise nach Helgoland gewagt. Das einstige Flaggschiff der Reederei Cassen Eils war mehr als 40 Jahre im Helgoland-Verkehr im Einsatz. Nahezu 1000 Personen fanden an Bord des traditionellen Seebäderschiffs Platz.
Stapellauf 1972
Nach dem Stapellauf 1972 wurde das Schiff, das von der HADAG bei der Bremer Rolandwerft bestellt worden war, 1982 an ein Konsortium verkauft. Der Zusammenschluss von Unternehmen bestand aus der Reederei Cassen Eils und Reederei Seetouristik. Durch die Übernahme kam es zu der ersten Namensänderung, sodass aus der "Helgoland" die "First Lady" wurde.
Cuxhaven-Helgoland im Winter
Im Herbst 1983 veräußerte die Reederei Seetouristik ihren Anteil an Cassen Eils. Das neu erworbene Flaggschiff wurde daraufhin vielseitig eingesetzt.
In der Saison 1994 entschloss sich der Reeder, die "First Lady" komplett in den Helgoland-Verkehr zu integrieren, im Sommer die Route Büsum-Helgoland und in den kalten Wintermonaten Cuxhaven-Helgoland.
Letzte Fahrt 2015
Nach zwei Jahren in Charter bei der Reederei Warrings auf der Route Bremerhaven-Helgoland bekam das Seebäderschiff nach der Jahrtausendwende den Namen "Atlantis" und kehrte auf die Linie Büsum-Helgoland zurück.
Nach der Außerdienststellung der "Wappen von Hamburg" 2006 übernahm die "Atlantis" die Strecke Cuxhaven-Helgoland und trotzte bis zu ihrer letzten Fahrt am 15. Dezember 2015 Wind und Wellen auf der Nordsee.
Umbaupläne scheitern
Im Sommer 2016 wurde das Schiff an Russel Ventures, ein niederländisches Unternehmen mit Sitz auf den Seychellen, verkauft. Von Ridderkerk bei Rotterdam ging die Reise im Frühjahr des folgenden Jahres weiter mit Kurs auf den Hafen von Kissamos auf Kreta. Kissamos Cruises, planten einen umfangreichen Umbau, der allerdings nie stattgefunden hat.
Rettungsmission "Typhon"
Doch nicht alles wird verschrottet: Bei einem Gespräch zwischen Ewald Bebber, Kapitän bei der Reederei Cassen Eils, und dem ehemaligem Zahlmeister der "Atlantis", Hans Werner Dreyer, entstand die Idee, eine Rückholaktion für die "Stimme der Atlantis" zu initiieren.
Wie bereits bei der "Wappen von Hamburg" sollte der Signalton des Typhons nicht in Vergessenheit geraten. Die benötigten rund 4000 Euro wurden durch eine ins Leben gerufene Spendenaktion schnell erreicht. Engagierte Freunde der "Atlantis" helfen mit ihren Spenden, das Typhon zu retten.
Dank dieses Engagements wird der prägnante Signalton der "Atlantis" auch in Zukunft bei besonderen Anlässen auf der Insel zu hören sein.
Datenblatt
Flagge: Deutschland
Schiffsnamen:
Helgoland (1998-2000)
First Lady (1983-1998)
Helgoland (1972-1983)
Heimathafen: Cuxhaven
Länge: 75,69 Meter
Breite: 12 Meter
Tiefgang: max. 3,25 Meter
Besatzung: 8
Maschinenleistung: 4.600 PS
Höchstgeschwindigkeit: 18 Knoten
Zugelassene Passagierzahl: 1000
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