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Hinter der Fassade der Helios-Klinik Cuxhaven soll es Hinweisen an unsere Zeitung zufolge brodeln: Ein Grund ist offenbar die von der Konzernzentrale ausgegebene Devise zur Einsparung ärztlicher Stellen. Fotos: Reese-Winne
Hinter der Fassade der Helios-Klinik Cuxhaven soll es Hinweisen an unsere Zeitung zufolge brodeln: Ein Grund ist offenbar die von der Konzernzentrale ausgegebene Devise zur Einsparung ärztlicher Stellen. Fotos: Reese-Winne
Krankenhaus

Helios Cuxhaven: Gleich drei Chefärzte auf einmal weg

von Maren Reese-Winne | 20.08.2021 Zuletzt aktualisiert: 13.07.2022 01:50 Uhr

CUXHAVEN. Sparen um jeden Preis: Als Ausverkauf mit ungewissem Ausgang bewerten Beobachterinnen und Beobachter Vorgänge in der Helios-Klinik Cuxhaven.

Die von der Konzernzentrale bundesweit ausgegebene Devise, ärztliche Stellen abzubauen, werde von der örtlichen Geschäftsführung so eifrig vorangetrieben und übererfüllt, dass funktionierende Strukturen geopfert würden oder längst geopfert worden seien, heißt es. Die gegenüber unserer Redaktion geäußerte Einschätzung, dass die Chirurgie am Boden liege, will die Klinikleitung nicht teilen: sie sehe keine Versorgungsengpässe.

Das personelle Durcheinander soll schon seit geraumer Zeit für Unruhe sorgen. Derzeit stehen Chefarztwechsel in allein drei Abteilungen an: Auf Nachfragen unserer Redaktion bestätigte die Geschäftsführung die Trennung vom erst im Dezember 2019 in Cuxhaven angetretenen Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Si Tuan Truong.

Ab Oktober in Papenburg

Dieser soll sich schon seit Wochen nicht mehr in der Cuxhavener Klinik befinden. Auf der Homepage des Marienhospitals in Papenburg wird er hingegen bereits als neuer Chefarzt ab Oktober begrüßt.

Vakant ist außerdem die Stelle des Chefarztes der Kardiologie, weil der bisherige Stelleninhaber Dr. Thomas Müller in den ambulanten Sektor wechselt.

Retzlaff überraschend weg

Zuletzt wurde bekannt, dass im August auch der Chefarzt der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie Jörg Retzlaff die Helios-Klinik Cuxhaven verlässt. Seine Abteilung hatte er zuletzt als Doppelspitze zusammen mit derselben Abteilung in der Helios-Klinik Wesermarsch (Nordenham) geleitet. Auch als Chefarzt der Allgemeinen operativen und konservativen Orthopädie des Helios-Seehospitals Sahlenburg wird er noch geführt.

Gerüchten zufolge erstreckt sich die Unruhe ("Klima der Angst") nicht nur auf die Chefarztposten; sowohl auf der Oberarzt- als auch auf der Assistenzarztebene soll es Kündigungen und Entlassungen gegeben haben. Angeblich werde nach Kündigungsgründen regelrecht gesucht; Kritik werde nicht toleriert.

Andererseits seien Kündigungen provoziert worden, weil Akteure die durch die knappe personelle Ausstattung entstandenen Engpässe nicht mehr hätten mittragen können.

"Nicht systematisch"

Dass, wie uns zugetragen wurde, erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte im Haus gezielt darauf angesprochen werden, ob sie nicht ihre Tätigkeit hier beenden wollen, bestätigt die Kliniksprecherin Katharina Recht auf Anfrage unseres Medienhauses so nicht. Sie sagt: "Systematisch ist dies nicht erfolgt." In Einzelfällen könne es jedoch zu Trennungsgesprächen kommen.

Aus unterschiedlichen Quellen ist auch zu hören, dass die Ausbildung ärztlichen Personals fast zum Erliegen gekommen sei; zum einen fehle es inzwischen an Ausbilderinnen und Ausbildern, zum anderen sollen Assistenzärztinnen und -ärzte so in die Bereitschaftsdienste eingespannt sein, dass ihnen keine OP-Dienste mehr möglich seien. Die Helios-Klinik Cuxhaven bestreitet derartige Engpässe; die Ausbildung sei durch Vertretungsregeln sehr wohl gesichert.

Häufige Chefarztwechsel ziehen sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte des Hauses; zuletzt hatte unsere Zeitung im Oktober vergangenen Jahres über die überraschende Kündigung der langjährigen Chefärztin der Allgemein- und Viszeralchirurgie Dr. Maria Vollerthun sowie den Weggang des Chefarztes der Klinik für Intensiv-, Notfall-, und Palliativmedizin sowie des Leiters Notaufnahme Manuel Burkert berichtet. Auch damals hatte die Geschäftsführung bis zur Nachfrage unserer Redaktion auf eine aktive Information der Öffentlichkeit verzichtet.

Den aktuellen Sparkurs hat der zu Fresenius gehörende Helios-Konzern seinen 89 Kliniken in Deutschland in diesem Jahr zwar aktiv vorgegeben, allerdings erscheint Beobachtern der Bogen in Cuxhaven deutlich überspannt - mit unbekanntem Ziel und Ausgang.

Kurzfristiger Effekt

Kräftige Gewinne müsse das Haus demnach im vergangenen Jahr allein durch die staatlichen Zuschüsse für freigehaltene Betten in der Corona-Pandemie gemacht haben. Radikale Einsparungen im ärztlichen Bereich könnten allenfalls einen kurzfristigen Effekt erzielen; die Leistungsfähigkeit werde dabei aber langfristig an die Grenzen gebracht: ohne Personal keine Behandlungen, so die Befürchtung.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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