Helios Cuxhaven: Versorgung soll sichergestellt sein
CUXHAVEN. Was bedeuten die vielen Wechsel und die vakanten Chefarztpositionen für die Versorgung der Bevölkerung? Wir haben bei der Helios-Klinik Cuxhaven nachgefragt.
In ihren Antworten vermeldet die Klinik, dass eine Chefarztstelle - die in der Frauenheilkunde - bereits wieder belegt sei.
Der bisherige Chefarzt Dr. Si Tuan Truong hatte seit Ende 2019 viele OP-Verfahren und medizinische Leistungen, zum Beispiel in der gynäkologischen Onkologie (Krebsmedizin) oder der Inkontinenz-Therapie, nach langem Dornröschenschlaf erst wieder etabliert und um Vertrauen bei den Patientinnen sowie den niedergelassenen Frauenärztinnen und -ärzten geworben. Und nun?
Kieback kommt
"Die Nachbesetzung der Chefarztposition in der Gynäkologie und Geburtshilfe kann nahtlos erfolgen. Die Helios-Klinik Cuxhaven hat dafür Prof. Dr. med. Dirk Kieback gewinnen können", vermeldet Kliniksprecherin Katharina Recht und spricht von einem "sehr renommierten Mediziner mit langjährigen, auch internationalen Erfahrungen", der am 1. Oktober 2021 komme.
Prof. Dr. Kieback (Jahrgang 1955) war Recherchen unserer Zeitung zufolge in den vergangenen zehn Jahren an Kliniken in Riesa, Marl, Schleswig und Flensburg tätig, wo er auch seit 2020 Ärztlicher Direktor war. In Juli dieses Jahres meldete die Flensburger Lokalpresse seinen unerwarteten Wechsel in den Ruhestand. Aktuell ist er bei den Helios-Weißeritz-Kliniken (nahe Dresden) als Interims-Chefarzt aufgeführt.
Oberärztin geht in Praxis
Wie viele Oberarztstellen bei seiner Ankunft in Cuxhaven besetzt sein werden, ist eher ungewiss. Eine Ärztin wird, wie Katharina Recht bestätigt, die Klinik zum 31. Dezember verlassen, um sich in einer Praxis niederzulassen. Sie bleibe aber voraussichtlich dem Haus in kleinerem Umfang erhalten. Ein weiterer Oberarzt habe die Klinik verlassen, sei jedoch aktuell auf eigenen Wunsch hierher zurückgekehrt.
Dass der Kreißsaal bereits mehrfach von der Versorgung abgemeldet gewesen sei, bestreitet die Klinik. Dies sei lediglich einmal im Juni dieses Jahres für etwa sechs Stunden der Fall gewesen; ausgelöst durch plötzliche Krankheitsfälle in der Urlaubszeit der Hebammen.
Rückenwind für Geburtshilfe
Die Geburtshilfe und Pädiatrie sollten sogar noch an Bedeutung gewinnen:
Nach 563 Geburten im Jahr 2020 seien in der Helios-Klinik bis Juni 2021 bereits 289 Entbindungen gezählt worden, sodass zum Ende des Jahres sogar über 600 Geburten erreicht werden könnten, so die Sprecherin. Durch gezielte Angebote für Schwangere wie Elternschule, Vorbereitungskurse oder Kinderwagencafé solle dieser positive Trend gefördert werden. Zum 1. September 2021 sollten weitere Hebammen eingestellt werden und oberstes Ziel sei es, die Abteilungen der Gynäkologie und Geburtshilfe "mit der außerordentlichen Expertise von Prof. Kieback" sowie die Kinderklinik weiter auszubauen und zukunftsweisend sowie bedarfsgerecht für die Bevölkerung des Landkreises Cuxhaven aufzustellen", heißt es seitens der Helios-Klinik.
In der Unfallchirurgie keine Dreierspitze mehr
Und wie geht es in der Unfallchirurgie weiter? Jörg Retzlaff war am 1. Februar 2018 als Chefarzt der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie in Cuxhaven sowie als Chefarzt der Allgemeinen operativen und konservativen Orthopädie des Helios-Seehospitals Sahlenburg angetreten, später kam die identische Position in Nordenham hinzu. Nun soll Retzlaff ab sofort nur noch Chefarzt in Nordenham sein.
Mehrere solcher Dreier- bzw. Doppelspitzen sind in den vergangenen Jahren etabliert worden; nicht zuletzt in der Geschäftsführung. Georg Thiessen ist wie schon Vorgängerin Annika Wolter Geschäftsführer aller drei Kliniken; Dr. Orhan Kahraman (Allgemein- und Viszeralchirurgie) und Dr. Carsten Raufhake (Anästhesie und Schmerztherapie) sind Chefärzte in Cuxhaven und Nordenham.
An diesen standortübergreifenden Zentren werde festgehalten, heißt es auf Anfrage. In der Unfallchirurgie sei jedoch ein bedarfsgerechtes Arbeitsmodell für Jörg Retzlaff entwickelt worden, welches die "Potenziale der Klinik in Nordenham ausschöpfe": "Herr Retzlaff wird dort die Reorganisation der Notaufnahme sowie die berufsgenossenschaftliche Versorgung verantworten", so Katharina Recht. Die Klinikleitung arbeite an einer Nachbesetzung dieser Chefarztposition in Cuxhaven. Die traumatologische Grundversorgung sei durch Vertretungen gesichert. Außerdem sei es erfreulicherweise gelungen, den Oberarzt Dr. Helmut Bolten im Rahmen eines "bedarfsgerechten Teilzeitmodells" aktuell wieder an die Klinik zu binden.
Verlorene Oberärzte ersetzt
Unruhe hatte es auch in der Allgemein- und Viszeralchirurgie nach dem Weggang zweier erfahrener Oberärzte (in einem Fall gewiss nicht freiwillig, d. Red.) gegeben. Beide Positionen seien nachbesetzt, so die Klinikleitung, die auch bestreitet, dass sie zeitweilig Bereiche der Chirurgie von der Notfallversorgung abmelden musste. Man sei ausdrücklich zu keinem Zeitpunkt von der Notfallversorgung abgemeldet gewesen. Auch den Leitstellen des Landkreises und der Stadt Cuxhaven haben diesen Hinweis nicht bestätigt.
Die Frage, ob in der Kardiologie das Herzkatheterlabor noch 24 Stunden lang besetzt ist (wichtig für Herzinfarkt-Patientinnen und -Patienten), hat die Sprecherin so beantwortet: "Die Helios- Klinik Cuxhaven ist zuversichtlich, schnellstmöglich die Chefarztposition von Dr. Müller neu zu besetzen. Im Rahmen dessen wird ebenfalls aktuell eine dauerhafte Lösung für die 24 Stunden- Besetzung des Herzkatheterlabors geschaffen."
Die Suche nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern für die Kardiologie und die Unfallchirurgie schritten gut voran, die die Klinik.