Dr. Lüder Herzog, Chefarzt in der Notaufnahme der Helios-Klinik Cuxhaven, im Schockraum, in dem schwer verletzte und Erkrankte Patientinnen und Patenten erstversorgt werden. Aber auch bei geringeren Beschwerden will der Chefarzt helfen uns wünscht sich dafür möglichst kurze Wartezeiten. Fotos: Reese-Winne
Dr. Lüder Herzog, Chefarzt in der Notaufnahme der Helios-Klinik Cuxhaven, im Schockraum, in dem schwer verletzte und Erkrankte Patientinnen und Patenten erstversorgt werden. Aber auch bei geringeren Beschwerden will der Chefarzt helfen uns wünscht sich dafür möglichst kurze Wartezeiten. Fotos: Reese-Winne
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Helios-Klinik Cuxhaven: Chefarzt der Notaufnahme liebt auch keine Wartezeiten

von Maren Reese-Winne | 31.08.2022

CUXHAVEN. Wer hier sitzt, sitzt meistens lange. Das weiß Dr. Lüder Herzog, Chefarzt der Notaufnahme in  der Helios-Klinik Cuxhaven. Rund 25.000 Personen im Jahr suchen hier Hilfe - und es werden immer mehr. 

Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Zahl der hier versorgten Menschen bereits um 20 Prozent gestiegen. Das hat greifbare Ursachen, mit denen sich Dr. Lüder Herzog täglich beschäftigt. Nach seiner Einschätzung ist die Einrichtung in der Helios-Klinik Cuxhaven von überragender Bedeutung für die Region.

Erfahrenen Mann geholt

Die Beschwerden über Wartezeiten und Abläufe in der Notaufnahme, die genau genommen "Zentrale Interdisziplinäre Notaufnahme" (ZINA) heißt, haben den im November vergangenen Jahres angetretenen Krankenhausgeschäftsführer Thomas Hempel bewogen, den erfahrenen Chirurgen und Unfallchirurgen aus Essen an die Küste zu holen.

Dr. Lüder Herzog beschäftigt sich als Chefarzt ausschließlich mit den Vorgängen in der Zentralen Notaufnahme. Dies ist das erste Mal, dass eine solche Stelle in Cuxhaven geschaffen worden ist und auch eine Reaktion auf die bundesweit vorgesehene Aufwertung der Notaufnahmen - die sämtlichst durch Überlastung gebeutelt sind, wie Dr. Lüder Herzog weiß.

Auf Akzeptanz setzen

Der 57-Jährige startete damit, sich einen Überblick über regionale und hausinterne Konstellationen zu verschaffen. Er wollte dem hohen Krankenstand nachspüren und Problemen nachgehen. Seinen Führungsstil bezeichnet er als "grundsätzlich familiär": "Ich bin empathisch und offen, denn die meisten sind länger hier als ich. Ich tue gut daran, ihnen zuzuhören." Für ihn sei das - abgesehen von der Fachlichkeit - die Grundvoraussetzung für Akzeptanz und eine offene Kommunikation.

Personal wird aufgestockt

Das Ziel einer stabilen personellen Ausstattung sieht der Chefarzt auf einem guten Weg. Die Zahl des Pflegepersonals habe sich schon erhöht und solle weiter auf gut 20 aufgestockt werden. Für das Ärzteteam seien ebenfalls Einstellungen geplant. Den Stamm der Vollzeitkräfte möchte Herzog um zahlreiche Teilzeitkräfte ergänzen, was den Vorstellungen vieler möglicher Kandidatinnen und Kandidaten entgegenkomme. Hinzu kämen die Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus - Fachärztinnen und Fachärzte der einzelnen Kliniken sowie solche auf dem Weg zur Facharztprüfung in Allgemeinmedizin oder zu verschiedenen Zusatzqualifikationen.

Abläufe verbessern

Aber auch in der Organisation und bei der räumlichen Ausstattung könne noch vieles besser werden, räumt Herzog ein. Die Abläufe im Schockraum (in dem Schwerverletzte sowie schwer internistisch erkrankte Patienten erstversorgt werden) hat er schon optimiert. Die Leitung der Patientenströme sei noch nicht optimal, Arbeits- und Behandlungsplätze nicht gut angeordnet, das Notrufsystem müsse aktualisiert und das zentrale Monitoring ausgebaut werden.

Keine zwei Wochen dauerte es, bis sein Büro sowie das der pflegerischen Leitung mitten ins Geschehen - neben den Schockraum - verlegt waren. Auch die Umsetzung der weiteren baulichen Maßnahmen (dazu hat sich gerade eine hausinterne Arbeitsgruppe gebildet) will Geschäftsführer Thomas Hempel nicht auf die lange Bank schieben. Diese hätten auch mit dem schon lange geplanten zweiten Bauabschnitt nichts zu tun, versichert er.

Weitere fachliche Ausbildung

Zur weiteren fachlichen Ausbildung und Unterstützung der Mitarbeitenden hat der neue Chef einen Kurs für Polytraumamanagement und ein Deeskalationstraining für die Pflegekräfte - die sich häufig aggressiven Übergriffen ausgesetzt fühlten - angeschoben. 

Als unschätzbar wertvoll für Transparenz und Planbarkeit stuft Pflegedirektor Bernd Hartig außerdem die neu etablierten täglichen abteilungsinternen und -übergreifenden Besprechungen ein, in denen unter anderem der Weg der Patientinnen und Patienten auf die Stationen abgestimmt wird. Der im Übrigen dank eines hervorragenden Bettenmanagements sehr gut laufe, wie Dr. Herzog betont. Für ihn bildeten eine gute Organisation und transparente Abläufe auch eine Voraussetzung, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, versichert er. Er wünschte sich für die Patientinnen und Patienten am liebsten überhaupt keine Wartezeiten. Unter den derzeitigen Bedingungen sei aber noch weiter damit zu rechnen.      

Vernetzung vertiefen

Er setzt außerdem nach dem Prinzip "hingehen und angucken" auf Vernetzung mit Rettungsdiensten, Feuerwehr, Leitstellen und weiteren Beteiligten, hat sich dieser Tage im Arbeitskreis häusliche Gewalt vorgestellt (weil die Notaufnahme zusammen mit der Klinik für Gynäkologie eine zentrale Rolle bei der Beweissicherung nach gewalttätigen und sexuellen Übergriffen spielt) und mit der Polizei gesprochen.

Zur Person

Dr. Lüder Herzog ist Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin und verfügt u. a. über Erfahrungen als Leitender Notarzt, Schiffsarzt und ATLS-Instruktor (Schockraumversorgung schwerstverletzter Patienten). Zuletzt war der gebürtige Essener (mit Familie aus Bremen, der er seinen norddeutschen Vornamen verdankt) stellvertretender Leiter der Zentralen Notaufnahme am Alfried-Krupp-Krankenhaus Essen-Rüttenscheid.

Herzog ist Vater mehrerer Kinder, geschieden und wohnt in Altenwalde. Den Arbeitsweg von dort aus legte er wechselweise zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück.

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Maren Reese-Winne

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