Alexis Papathanassis ist neuer designierter Rektor der Hochschule. Der Wirtschaftswissenschaftler will unter anderem einen stärkeren Akzent auf Forschung legen. Trotz neuer Studiengänge sollen klassische Ingenieurstudiengänge aber nicht abgehängt werden. Foto: Scheschonka
Alexis Papathanassis ist neuer designierter Rektor der Hochschule. Der Wirtschaftswissenschaftler will unter anderem einen stärkeren Akzent auf Forschung legen. Trotz neuer Studiengänge sollen klassische Ingenieurstudiengänge aber nicht abgehängt werden. Foto: Scheschonka
Forschung im Visier

Hochschule Bremerhaven: Neuer designierter Rektor im Interview

08.11.2020

BREMERHAVEN. Alexis Papathanassis ist neuer designierter Rektor der Hochschule Bremerhaven. Der Wirtschaftswissenschaftler will unter anderem einen stärkeren Akzent auf Forschung legen.

Als er vor 15 Jahren als Professor für Cruise Tourism Management an die Hochschule Bremerhaven gekommen ist, wurde er als "außergewöhnlich dynamisch" bezeichnet, als jemand, der den Studiengang "innovativ gestalten" kann. Gestalten will Professor Alexis Papathanassis nun eine ganze Hochschule. Er ist neuer designierter Rektor. Weshalb er auf Kontinuität und Innovationskraft der Hochschulmitarbeiter setzt und welchen Lieblingsort der überzeugte Wahl-Bremerhavener seinen Studenten empfehlen würde, erzählt er in einem Gespräch mit Ursel Kikker.

Haben Sie Ihre Entscheidung schon ein wenig bereut? Gerade jetzt, wenn es um den Wiederaufbau des Tourismus und speziell der Kreuzfahrtbranche geht, ist Ihr Forschungsgebiet doch super spannend.

Als Rektor muss ich meine Forschung zurückstellen, das ist mir klar. Doch die Kreuzfahrtbranche kommt in den nächsten Jahren auch ohne mich aus.

Sie haben bei Ihrer Bewerbung einige irritiert, weil Sie weiter Lehre bieten wollen.

Lehre ist ein wesentlicher Teil meines Jobs, und ich liebe es. Ich denke aber nur an zwei Semesterwochenstunden, maximal vier. Eine Verbindung zum Lehrbetrieb - dem 'operativen Geschäft‘ - und zu den Studierenden zu haben, ist mir wichtig und hilft mir sicher als Rektor. Ich glaube, es hat auch einen symbolischen Wert. Wir sind eine Fachhochschule aus Leidenschaft, Lehre ist uns wichtig.

Was war Ihre Motivation, sich um die Rektorenstelle zu bewerben?

Die Hochschule befindet sich in einem Wandel, und zugleich ändert sich die Bildungslandschaft gerade ganz generell. Das alte Rektorat hat viel auf den Weg gebracht, das möchte ich weiterentwickeln. Ich glaube, dass gerade jetzt Kontinuität für die Projekte, die wir angefangen haben, wichtig ist. Ich bin 45, bin leidenschaftlich gerne an der Hochschule und in Bremerhaven. Ich habe vor, noch einige Jahre hierzubleiben und meinen Beitrag zu leisten, dass die Hochschule sich weiter positiv entwickelt. Ich werde auch ein neues Team für die Konrektoren-Ämter vorschlagen.

Die Hochschule soll auf bis zu 5000 Studenten wachsen. Sie tragen das erarbeitete Konzept für den Hochschulausbau mit. Was ist Ihnen dabei wichtig?

Wir brauchen eine gute interne Zusammenarbeit. In der Hochschule gibt es viele gute Ideen. Ich möchte eine Atmosphäre schaffen, wo diese Ideen wachsen können, sie dann systematisch kanalisieren und implementieren. Wenn wir viele kleine Schritte in eine Richtung gehen, werden wir sehr weit kommen. Wir sehen gerade jetzt in der Pandemie-Phase, welches Potenzial die Hochschule hat. Ich bin sehr beeindruckt, mit wie viel Motivation, Initiative, Arbeit und Erfolg insbesondere unser Krisenstab, die Infrastrukturgruppen, unser Rechenzentrum, aber auch viele andere versucht haben, das Beste aus dieser Lage zu machen. Wir haben auch schon in der Vergangenheit unsere Stärken bewiesen. Die Hochschule ist immer gewachsen. Wir haben sowohl innovative als auch sehr erfolgreiche Studiengänge aufgebaut. Die Hochschule kann das, wir können das!

Sie haben eben die Spaltung innerhalb der Hochschule angesprochen, die bei der verlängerten Rektoren-Wahl deutlich wurde. Wie wollen Sie ihr begegnen?

Ich würde lieber von Diskussionsbedarf sprechen, nicht von Spaltung, und der spricht auch für die starke Identifikation mit der Hochschule. Wir brennen alle für die Hochschule und wir wollen alle das Beste. Entscheidungen müssen diskutiert werden, und ich halte es für gesund, solche Debatten zu führen.

Wollen Sie auch einen stärkeren Akzent auf Forschung legen?

Wir stehen für angewandte Wissenschaften. Unsere primäre Aufgabe ist natürlich Lehre. Wir sind Fachhochschule aus Überzeugung. Das waren wir und das bleiben wir. Allerdings ist auch die Forschung wichtig und sie wird immer wichtiger. Sie fließt in die Lehre ein, sodass auch die Studierenden am Puls der Zeit sind. Außerdem ist es ein wesentlicher Punkt für die Motivation der Kolleginnen und Kollegen. Wir haben gute Erfahrungen mit forschungsbasierter Lehre. Ich denke, die Mischung macht's.

Als neue Studiengänge sollen zunächst "Physician Assistant" kommen, dann Soziale Arbeit. Haben Sie nicht das Gefühl, dass sich vielleicht die klassischen Ingenieurstudiengänge abgehängt fühlen?

Nein. Neue Studienangebote bekommen natürlich viel Aufmerksamkeit, aber auch innerhalb der Fachbereiche wird eine Menge Arbeit geleistet, um bestehende Studiengänge zu modernisieren. Eine intensive Weiterentwicklung findet auch dort statt.

Sie wohnen am Lohmanndeich. Als Lieblingsort haben Sie mal das Schaufenster Fischereihafen zum Fischessen empfohlen. Was empfehlen Sie Ihren Studenten noch?

Auch jetzt während der Pandemie-Phase finde ich Bremerhaven wunderschön. Man kann super schöne Spaziergänge machen, ich genieße das jedes Mal. Man ist immer in Wassernähe - und zwei Schritte, dann ist man am Strand. Der ist klein, aber toll. Ich fühle mich hier in Bremerhaven sehr wohl.

Aber tauchen können Sie hier nicht. Sie tauchen und segeln gerne. Kommen Sie noch dazu?

Nein, im Moment nicht. Vielleicht im Urlaub. Ich reise sehr gerne. Ich finde, die Welt ist schön, und man sollte so viel davon mitnehmen wie möglich.

Zur Person

Prof. Alexis Papathanassis (45) stammt von der Insel Rhodos/Griechenland.

Er erhielt 2005 den Ruf auf die Professur Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaftsinformatik, Touristik/Seetouristik an der Hochschule Bremerhaven. Zuletzt engagierte er sich als Dekan im Fachbereich Management und Informationssysteme. Er wechselte aus der Wirtschaft vom TUI-Konzern, wo er als Business Development Manager tätig war. Der Wirtschaftswissenschaftler ist Vater von zwei Kindern und lebt in Bremerhaven.

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