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So konnten ihn die Zuschauer am Montag erleben: Constantin Schreiber als Nachrichten-Sprecher der "Tagesschau". Der gebürtige Cuxhavener freut sich auf den neuen Job. Foto: NDR
So konnten ihn die Zuschauer am Montag erleben: Constantin Schreiber als Nachrichten-Sprecher der "Tagesschau". Der gebürtige Cuxhavener freut sich auf den neuen Job. Foto: NDR
Nachfolger von Jan Hofer

Im Interview: Gebürtiger Cuxhavener ist neuer Tagesschau-Sprecher

07.01.2021 Zuletzt aktualisiert: 05.07.2022 20:15 Uhr

CUXHAVEN/HAMBURG. Am vergangenen Montag war Constantin Schreiber erstmals in der 20-Uhr-Ausgabe der "Tagesschau" live im Deutschen Fernsehen zu sehen.

Der gebürtige Cuxhavener tritt die Nachfolge von Jan Hofer an, der Ende vergangenen Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Schreiber, studierter Jurist, erfahrener Nachrichten-Journalist und Bestseller-Autor, berichtet im Interview mit Andreas Schoener, wie er sich auf diese neue Aufgabe vorbereitet, wie er die Rolle der sogenannten sozialen Medien in der heutigen Zeit bewertet und was er sich für das neue Jahr wünscht.

So lange liegt Weihnachten noch nicht zurück. Herr Schreiber - wie haben Sie denn das Fest verbracht? Waren Sie bei Ihren Eltern in Cuxhaven?

Wir waren nicht in Cuxhaven. Meine Mutter ist Ende 70, mein Vater über 80 Jahre alt - da haben meine Frau und ich nach langem Überlegen beschlossen, in Hamburg zu bleiben. Sicher ist sicher. Wir haben getrennt gefeiert, waren aber über WhatsApp, Facetime und Zoom miteinander verbunden. Meine Eltern haben sich in der Corona-Krise viel mit digitaler Kommunikation beschäftigt und sind da erstaunlich gut aufgestellt. Das war also kein Problem. Ich bin echt stolz auf sie, dass sie das so gut hinbekommen.

Als jemand, der in Cuxhaven geboren wurde und die ersten Jahre seines Lebens dort verbracht hat - haben Sie heute noch einen Blick auf die Stadt?

Seit ich mit meiner Familie im September vergangenen Jahres von Berlin nach Hamburg gezogen bin, leben wir wieder näher an Cuxhaven. In den Sommermonaten waren wir immer wieder mal an der Küste. Es ist schön dort. Wir genießen das sehr. Aus den Gesprächen mit meinen Eltern bekomme ich mit, was gerade wichtige Themen sind in der Stadt. Und ich sehe die Veränderungen, wenn ich da bin. Zum Beispiel ist mir die Erweiterung von Siemens Gamesa ins Auge gefallen. Doch in der politischen Diskussion stecke ich nicht drin. Dafür ist Hamburg dann doch zu weit weg.

Apropos Politik: Ihr Vater war in den siebziger und achtziger Jahren Stadtdirektor von Cuxhaven. Warum sind Sie nicht in die Politik gegangen?

Mich hat es da nie wirklich hingezogen. Vielleicht habe ich die Mühen mitbekommen, die mit dem politischen Geschäft verbunden sind. Ich habe meinen Vater seinerzeit als einen extrem hart arbeitenden Menschen wahrgenommen, der oft sehr spät nach Hause gekommen ist. In der Politik läuft vieles kleinteilig ab, mitunter mühselig. Mit Sonntagsreden ist es da nicht getan. Das wäre nichts für mich.

Sie studierten Jura in Passau und waren anschließend in einer Bank tätig. Wie sind Sie denn im Journalismus gelandet?

Letztlich über einen Bekannten, der beim deutschen Fernsehkanal n-24 gearbeitet hat. Der sprach mich während der Zeit des zweiten Golfkriegs an, das war 1990/1991. Da gab es viele Redaktionen, die arabisch sprechende Menschen suchten, um Eindrücke aus dem Land zu verarbeiten. Da ich als Jugendlicher eine ganze Zeit lang bei einer syrischen Familie gelebt habe, kannte ich mich aus mit Land und Leuten. So kam die Verbindung zustande. Ich bin beim Fernsehjournalismus geblieben, habe unter anderem in Berlin als Moderator und Korrespondent für RTL und für n-tv gearbeitet.

Was ist ihr Leitmotiv beim Journalismus? Was macht für Sie das Besondere an diesem Beruf aus?

Ich finde es bis heute spannend, dass man immer dicht dran ist am Zeitgeschehen. Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, dann bekommt man das mit, ist irgendwie ein Teil davon. Mir ist es wichtig, die Vorkommnisse zu analysieren, sie einzuordnen und verständlich zu machen für die Menschen im Lande. Ausgewogenheit in der Darstellung ist dabei mein oberstes Ziel.

Seit 2017 moderieren Sie die Früh- und Wochenendausgaben der "Tagesschau", vertretungsweise übernehmen Sie auch die Moderation des Nachtmagazins. Ab sofort verstärken Sie das Team der ARD-Hauptnachrichten-Sendung "Tagesschau". Wie fühlen Sie sich? Was erwarten Sie?

Ich kann meinen Job nur so machen, wie ich ihn bisher auch gemacht habe. Konzentriert, objektiv und informativ. Dabei ist klar: Jeder ist anders und jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Ich werde mich nicht verstellen, werde in keine andere Rolle schlüpfen.

Sie sind mit Ihrem Buch "Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird" im Jahr 2017 in die Öffentlichkeit getreten - und haben nicht nur Zustimmung geerntet, sondern auch Kritik. Warum haben Sie sich ausgerechnet diesem Thema zugewandt?

Mit einem Kamerateam bin ich 2016 - also auf dem Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise - bei einem Freitagsgebet in einer Berliner Moschee gewesen. Ich war offiziell eingeladen und sehr verwundert über die insgesamt sehr demokratieskeptischen Materialien, die ich dort vorfand, so nach dem Motto "Die Demokratie ist eine westliche Krankheit".

Das wollte ich objektiv darstellen, weil es insgesamt doch sehr anti-integrativ angelegt war.

Stichwort Integration: Was können Medien tun, um diesen Prozess zu fördern und positiv zu begleiten?

Objektiv informieren und immer beide Seiten hören. Es gibt natürlich Menschen, die in Deutschland nicht wirklich angekommen sind und das vielleicht auch gar nicht wollen. Doch es gibt mindestens ebenso viele Beispiele etwa für Geflüchtete, die hier leben und arbeiten, ein fester Teil dieser Gesellschaft sind und hier eine neue Heimat gefunden haben. Auch unter meinen Journalistenkollegen finde ich derlei Beispiele.

Welche Rolle spielen - früher wie heute - dabei die sogenannten sozialen Medien?

Ich bin mittlerweile sehr zurückhaltend unterwegs in sozialen Medien. Anfangs hatte ich den Eindruck, dass sie Informationen noch schneller vermitteln können und ich mit Menschen überall in Kontakt treten kann. Doch heute denke ich: Die sozialen Medien kehren häufig das Schlechteste im Menschen nach außen. So, wie dort viele miteinander umgehen, würde man sich in der analogen Wirklichkeit niemals begegnen. Ich finde zudem, dass es inzwischen unglaublich schwierig ist, sich bei Facebook oder Twitter - um mal zwei Beispiele zu nennen - objektiv zu informieren. Vielleicht bräuchten soziale Medien deshalb genauso einen Chefredakteur wie Tageszeitungen oder Fernsehredaktionen.

Online-Plattformen erhalten immer stärkeren Zulauf. Wie beurteilen Sie die Rolle der gedruckten Zeitungen auf dem Medienmarkt?

Gedruckte Zeitungen haben es nicht leicht. Die Auflage schwindet, Werbeeinnahmen brechen weg. Das ist kein Geheimnis. Doch gerade Regionalzeitungen haben - so glaube ich - ein besonders treues Leserpublikum unter älteren Bürgern. Das beobachte ich bei meinen Eltern. Die wollen wissen, was vor ihrer Haustüre passiert. Meine Eltern würden ihre Lokalzeitung vielleicht als Letztes abbestellen. Doch irgendwann wird es dieses treue Publikum nicht mehr geben. Deshalb sind zusätzliche, gute Online-Auftritte für Regionalblätter eine Chance, ihre Botschaft zu verbreiten.

Sie sind "Tagesschau"-Sprecher, Stiftungspräsident und Bestseller-Autor. Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus?

Ich möchte im nächsten Jahr - wenn die Corona-Pandemie hoffentlich einigermaßen unter Kontrolle ist - mehr mit meiner Familie und meinen Freunden unternehmen. Das hat mir sehr gefehlt.

Was war Ihr schlimmster Augenblick in 2020?

Ich habe die Situation der Kinder während der vergangenen Corona-Monate immer wieder als schlimm und bedrückend empfunden. Denen fehlt in dieser Zeit einfach etwas, wenn sie nicht miteinander spielen können. Erwachsene sind dafür kein echter Ersatz.

Was war Ihr schönster Augenblick in diesem Jahr?

Wir waren mit der ganzen Familie im Januar kurz vor dem ersten Lockdown lange im Urlaub. Gerade angesichts dessen, wie das Jahr dann weiter verlaufen ist, waren das ein paar tolle Wochen.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021?

Ich wünsche mir eine Rückkehr zu einem normalen Leben. Und dass wir als Gesellschaft gut rauskommen aus dieser Krise. Eventuell bringt Corona uns alle ein wenig näher?! Und vielleicht merken wir, dass ein sozialer und guter Umgang miteinander viel wert ist. 

Zur Person:

- Constantin Schreiber wurde 1979 in Cuxhaven geboren. Sein Vater Arno Schreiber war ab 1976 Stadtdirektor, Kämmerer und Dezernent für Fremdenverkehr in Cuxhaven, bevorer 1985 als Oberstadtdirektor nach Wilhelmshaven ging.

- Für seine Moderation der deutsch-arabischen n-tv-Sendung "Marhaba - Ankommen in Deutschland" erhielt Constantin Schreiber im Jahr 2016 den Grimme-Preis. Zudem ist er Autor von zahlreichen Bestsellern.

- Der 41-jährige Schreiber ist

verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Mit seiner Familie lebt er in Hamburg.

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