Die niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung Birgit Honé (SPD), sprach im "City Center" mit Handelsvertretern der Stadt Cuxhaven über die Probleme in Innenstädten. Foto: Fischer
Die niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung Birgit Honé (SPD), sprach im "City Center" mit Handelsvertretern der Stadt Cuxhaven über die Probleme in Innenstädten. Foto: Fischer
Ministerin zu Besuch

Cuxhavener Kaufleute über Situation in Innenstadt und Lotsenviertel frustriert

von Tim Larschow | 28.08.2021

CUXHAVEN. Handelsvertreter brauchen eine Veränderung. Ihnen brannten viele Themen unter den Nägeln bei der Gesprächsrunde im "City Center".

In vielen Bereichen stehen Unternehmen nicht nur in Cuxhaven vor großen Hürden, wie sie gegenüber der niedersächsischen Ministerin Birgit Honé (SPD) monierten. Unter der Moderation von Oliver Ebken (SPD) diskutierte die Europaministerin gestern mit dem Investor Helmut Lührs (Investor im ehemaligen "Woolworth"-Haus), Stefanie Haselhorst ("Wäscheleine"), Günter Heße (Immobilienmakler), Claudia Wolf (Cuxhavener "Kaffeerösterei").

Konkurrent Onlinehandel

Die Handelsvertreter berichteten von ihrer aktuellen Situation und äußerten sich kritisch zu bestimmten Punkten, die sie in ihrer Branche belasten.

Gerade der Onlinehandel stelle eine große Gefahr für den lokalen Einzelhandel dar, warnte Stefanie Haselhorst vom Geschäft "Wäscheleine" im City Center. Das bestätigt auch Claudia Wolf von der Cuxhavener "Kaffeerösterei". Die Unternehmerin plant, ihr drittes Geschäft im Cuxhavener Lotsenviertel zu eröffnen. Mit dem Café habe sie in Cuxhaven einen Nerv getroffen, doch auch das Kaffeegeschäft könne ohne den Onlinehandel nicht bestehen. Zusätzlich sei gerade im Einzelhandel die Bürokratie eine enorme Belastung - gerade für kleinere Geschäfte, in denen man keine eigene Abteilung für den Papierkram hat.

Kritik von Investor

Das kritisiert auch Helmut Lührs. "Mit Denkmalschutz, Brandschutz und anderen Hürden ist es schwer, als Selbstständiger in der Stadt Fuß zu fassen. Auf der sogenannten ‘Grünen Wiese' steht man nicht vor solchen Herausforderungen", so der Unternehmer, der in das ehemalige "Woolworth"-Gebäude investiert.

Die "Grüne Wiese"

Bei dem Begriff "Grüne Wiese" handelt es sich um einen Ausdruck von Stadtplanern und Stadtentwicklern. Als "Grüne Wiese" wird ein unbebautes Gebiet bezeichnet, auf dem Wirtschaftsunternehmen angesiedelt werden können. Dabei handelt es sich um Bauprojekte jeder Art, die keine Rücksicht auf gegebene Strukturen nehmen müssen. Lührs sprach von einem Konkurrenzkampf zwischen "Grüner Wiese" und der Innenstädte. Durch die Vorteile für die "Grüne Wiese" würden die Zentren geschwächt. Auch Immobilienmakler Günter Heße möchte wieder mehr Cuxhavener in der Innenstadt sehen. Aber dafür müsse noch einiges getan werden. "Es muss mehr Vielfalt in die Innenstadt, damit es wieder Spaß macht, die Nordersteinstraße zu besuchen", fordert Heße. Das Vergnügen höre für Kunden in diesem Teil Cuxhavens um 18 Uhr auf.

Drastische Veränderung

Dazu sagte die Ministerin, dass man sich von schlafenden Innenstädten verabschieden müsse: Es sollte auch nach 18 Uhr ein Angebot für die Bürger geben.

"Grünflächen zum Wohlfühlen - und das auch in der Stadt -, Restaurants und Bars: Das alles belebt die Einkaufsstraßen", sagt Ministerin Birgit Honé. Leichter gesagt, als getan, weiß die Politikerin: Auch an anderen Ecken gebe es Probleme. Das bestätigt "Kaffeerösterei"-Betreiberin Claudia Wolf - egal ob in der Gastronomie oder im Einzelhandel. "Es fehlt an Nachwuchs und qualifizierten Kräften", so Wolf.

Den Trend nutzen

Honé betont, dass es sich um ein bundesweites Problem handele und die Transformation der Innenstädte und die attraktive Gestaltung für junge Leute ein langwieriger Prozess sei. Doch ein Trend begeistert die Politikerin besonders: Es zeige sich, dass junge Menschen immer häufiger in die ländlichen Räume zurückkehrten. Diese Entwicklung müsse man nutzen.

Fahrradmobilität

Zusätzlich begrüßte sie die durch Corona vorangetriebene Digitalisierung und den Trend, dass auch immer mehr ältere Menschen das Fahrrad nutzten und wieder mobiler würden. "Dafür muss in den Innenstädten mehr für die Fahrradmobilität getan werden. In die Innenstadt gehören Fahrradgaragen und Ladestationen", fordert Birgit Honé. Andere europäische Länder würden das vormachen.

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Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

 

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