Mit diesem Phantombild fahndete die Polizei nach dem "Maskenmann", der nachts in Schullandheime und Privathäuser eindrang. Drei Morde an kleinen Jungen gestand er und wurde vom Landgericht Stade 2012 zu lebenslanger Haft verurteilt.  Foto: Polizei  Niedersachsen
Für Angst und Schrecken gesorgt

Kind im Cuxland ermordet: Verurteilter "Maskenmann" nach Frankreich überstellt

von Maren Reese-Winne | 24.01.2021

KREIS CUXHAVEN/STADE. Von 1992 an versetzte er ganz Norddeutschland in Angst und Schrecken, nun muss der "Maskenmann" sich den Behörden in Frankreich stellen. 

Hat er auch den elfjährigen Jonathan auf dem Gewissen? Der 2012 vom Stader Landgericht zu lebenslanger Haft verurteilte Martin Ney ist nach Frankreich ausgeliefert worden. Wie die auch in der Cuxhavener Partnerstadt Vannes erscheinende Zeitung "Ouest-France" berichtet, soll der heute 50-jährige gegenüber einem Mithäftling geprahlt und dabei Details verraten haben, die nur ein Täter wissen konnte.

Martin Ney war als "Maskenmann" bekannt geworden und hatte auch im Kreis Cuxhaven die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt, weil er immer wieder maskiert in Schullandheime und Privathäuser eindrang und Jungen missbrauchte. Die Serie begann 1992.

Aus Schullandheim entführt

2001 entführte Martin Ney den neunjährigen Dennis Klein aus dem Schullandheim Wulsbüttel bei Hagen im Bremischen im Südkreis und ermordete ihn.

Die von der Polizei Verden gebildete "Soko Dennis" stieß auf immer mehr gleich gelagerte Fälle, auch im europäischen Ausland. Als der Maskenmann im April 2011 gefasst wurde, bewegte dies das ganze Land. Martin Ney gestand die Morde an Dennis Klein, Dennis Rostel (1995) und Stefan Jahr (1992), auch letztere hatte er aus Jugendeinrichtungen, einem Zeltlager und einem Internat, entführt.

Besondere Schwere der Schuld

Das Landgericht Stade verurteilte ihn im Februar 2012 wegen dreifachen Mordes und 20-fachen Missbrauchs (20 weitere Fälle waren schon verjährt) zu lebenslanger Haft und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Die dabei verhängte Sicherheitsverwahrung wurde 2013 vom Bundesgerichtshof wieder aufgehoben. Zwischenzeitlich wurde Martin Ney auch mit dem Fall der in Portugal entführten Madeleine McCann in Verbindung gebracht.

In Frankreich geht es nun um den Fall des 2004 aus einem Schullandheim in Saint-Brevin-les-Pins (bei Saint-Nazaire, etwa eine Stunde entfernt von Vannes) entführten und ermordeten elfjährigen Jonathan Coulom aus dem bretonischen Ort Cher.

Lederbeutel verloren

Im April 2018 soll Martin Ney im Gefängnis über Details gesprochen haben, die nur der Täter wissen konnte. So soll es dabei um einen Lederbeutel gegangen sein, den er verloren hatte. Zeugen hatten von einem Fahrzeug mit deutschen Kennzeichen berichtet, das sie am Abend der Entführung in Tatortnähe gesehen hatten.

Vor wenigen Tagen soll Martin Ney nach Nantes/Frankreich überstellt worden sein. Die Zeitung "Ouest-France" spricht von einem "fundamentalen Fortschritt" in den Ermittlungen. Laut Zeitungsbericht sollen die Vernehmungen in dieser Woche beginnen. Jonathans Mutter setze große Hoffnungen darauf, dass der Tod ihres Sohnes aufgeklärt werde, sagte deren Anwalt der französischen Zeitung.

Der NDR berichtet gestern, dass Martin Ney für zunächst acht Monate in Frankreich in Haft bleiben solle. Nach dem Abschluss des Prozesses werde er weiter seine Haft in Deutschland verbüßen.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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