Nur Montag noch, dann gibt es den letzten verbleibenden Urlaubstag, bevor Annika Wolters Zeit als Geschäftsführerin der Helios-Kliniken in Cuxhaven und Nordenham beendet ist und das Namensschild abgenommen werden kann. Foto: Reese-Winne
Nur Montag noch, dann gibt es den letzten verbleibenden Urlaubstag, bevor Annika Wolters Zeit als Geschäftsführerin der Helios-Kliniken in Cuxhaven und Nordenham beendet ist und das Namensschild abgenommen werden kann. Foto: Reese-Winne
Medizinische Versorgung

Cuxhaven: Helios-Klinikleiterin Wolter zieht Bilanz

von Maren Reese-Winne | 28.04.2019

CUXHAVEN. Nur noch der Montag, dann sind für Krankenhaus-Geschäftsführerin Annika Wolter viereinhalb Jahre in Cuxhaven vorbei. Die Helios-Klinikleiterin zieht Bilanz.

Damit ist sie deutlich länger in Sahlenburg und Cuxhaven geblieben als diverse ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger - wie versprochen: "Sie werden mich nicht so schnell los", hatte sie im Sommer 2015 in unserer Zeitung angekündigt.

Vor allem, nachdem ihr im Juli 2015 zusätzlich zum Seehospital auch die Leitung des Krankenhauses an der Altenwalder Chaussee übertragen worden war, habe sie den Wunsch, länger zu bleiben, deutlich gemacht.

"Ich fand den Standort toll und ich wusste, die anstehenden Veränderungen kann man nur machen, wenn man das vernünftig aufbaut." Denn Annika Wolter war ausgesandt worden, das "hochdefizitäre" frühere (aber zu dem Zeitpunkt längst privatisierte) Cuxhavener Stadtkrankenhaus in die wirtschaftliche Stabilität zu überführen.

Unbequeme Entscheidungen

Der Konzern forderte "Optimierung interner Strukturen und Prozesse", "Abbau struktureller Versäumnisse" sowie Personalabbau. Das Personalkarussell drehte sich dann auch gewaltig. Belegschaft und Bevölkerung waren verunsichert. Abwanderung, hohe Krankenstände, vakante Chefarztpositionen und Einschränkungen in der Versorgung brachten das Krankenhaus in die Schlagzeilen.

"Das war sicherlich auch eine Feuertaufe für mich selber", stellt Annika Wolter fest. "Plötzlich habe ich erlebt, wie es ist, im Kreuzfeuer zu stehen." Sie habe lernen müssen, Kritik nicht auf sich als Person zu beziehen. "Die Zeit war schwierig, andererseits hat sie auch meinen Ehrgeiz geweckt, es gut zu machen und die Klinik so aufzustellen, dass sie langfristig erhalten bleibt."

Auf diese Erfahrungen habe sie sich stützen können, als kürzlich auch in Nordenham unbequeme Entscheidungen bekannt gegeben werden mussten - vor allem die Schließung der Geburtshilfe in der Helios-Klinik Wesermarsch, die sie seit August 2018 zusätzlich zu den Cuxhavener Häusern leitete. Nebenbei sei das übrigens nicht zu machen, bemerkt Annika Wolter im Hinblick auf die "enorm schwierige" wirtschaftliche Lage in Nordenham.

In Cuxhaven hingegen stünden die Chancen hoch, dass 2019 erstmals seit Jahren wieder eine schwarze Null geschafft werden könne; 2018 sei diese nur knapp verfehlt worden. Die wirtschaftliche Stabilisierung ist einer von vielen positiven Punkten, die Annika Wolter aufzählt. "Ich bin stolz, die Klinik über schwierige Jahre begleitet und sie dort herausgeführt zu haben." Am meisten freue sie sich über die im August anstehende Eröffnung der Krankenpflegeschule an der Helios-Klinik Cuxhaven; damit wird nach 17 Jahren die Ausbildung zurück in die Kreisstadt geholt.

Enger zusammengerückt

Sie ist auch froh über den Erhalt der Kinderklinik, die zwischenzeitlich sogar von der Versorgung abgemeldet werden musste, und sie spürt - ähnlich wie in der ganzen Stadt - eine Aufbruchstimmung und neuen Mut im Haus: Aus der Belegschaft sei ein Team gewachsen, auch die Chefärzteschaft sei enger zusammengerückt. "Im Moment erlebe ich, dass das Personal extrem engagiert ist, um die Aufnahme der Kräfte aus Sahlenburg vorzubereiten. Diese sollen sich nicht übernommen fühlen, sondern es soll ein gemeinsames neues Team entstehen." Viele Beschäftigte hätten ihr bei ihrer Verabschiedung mit persönlichen Reaktionen zu verstehen gegeben, dass sie die Klinik gut geführt habe.

Verlagerung des Seehospitals in die Stadtmitte, Teilneubau, Eröffnung der Krankenpflegeschule - vieles, was sie angeschoben hat, wird Annika Wolter zwar nicht mehr als Geschäftsführerin erleben, aber unberührt ließen sie diese Themen gewiss nicht, versichert sie: "Ich wünsche dem Standort ein Vorankommen, das stellt auch einen weiteren Motivationsschub für die Beschäftigten dar." Persönliche Kontakte will sie schon deshalb halten, weil sie Cuxhavenerin bleibt, ihre Wohnung hier behält und mit Vorliebe in der Freizeit die Stimmung in der Grimmershörnbucht in sich aufsaugt. Nach einer vierwöchigen Auszeit, verbracht in fernen Ländern, tritt Annika Wolter am 1. Juni bei einem neuen Arbeitgeber an. Wo genau, verrät sie noch nicht, nur, dass es wieder die Gesundheitsbranche und wieder eine Geschäftsführung würden: "Dies ist eine der spannendsten Branchen, wenn auch eine der problembelastetsten. Dafür aber sind Leute, die im Krankenhaus arbeiten, extrem motiviert und engagiert."

Etappen in Kürze:

Annika Wolter (35), geboren und aufgewachsen in Aachen, ist examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und studierte Gesundheitsökonomin. Über ein Trainee-Programm bei Helios öffnete sich der Weg in die Klinikleitung. Im November 2014 übernahm sie die Leitung des Helios-Seehospitals Sahlenburg.

Im Juli 2015 wurde ihr zusätzlich die Leitung der Helios-Klinik Cuxhaven, im August 2018 auch die der Helios-Klinik Wesermarsch übertragen.

Ab dem 1. Mai leitet Georg Thiessen (41), ebenfalls studierter Gesundheitsökonom, die Kliniken Cuxhaven, Sahlenburg und Nordenham.

Annika Wolter hatte in Cuxhaven große strukturelle Veränderungen zu verantworten. Einige Beispiele: Abbau von rund 50 Stellen, Abgang diverser Chefärzte bei teilweise mehreren kurzfristigen Wechseln und schwieriger Neubesetzung (derzeit sind die Positionen in der Geriatrie und der Frauenklinik vakant), freiwillige Rückgabe der Zertifizierung als Brustzentrum, Neuordnung der Notaufnahme, Versorgung der Notunterkunft für Flüchtlinge in Altenwalde, Vorbereitung der Auflösung des Standorts Sahlenburg in wenigen Jahren.

Außerdem schob sie die Planung und Finanzierung des Teilneubaus an.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

Google News

Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.


CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Gesundheit

Neue Gruppe in Otterndorf: Selbsthilfe für Krebspatienten im Kreis Cuxhaven

von Wiebke Kramp

KREIS CUXHAVEN. Christiane Steffens (65) aus Otterndorf möchte Krebspatienten Mut machen. Ihnen soll der Rücken gestärkt werden, sich gegenseitig zu stützen und Austausch zu pflegen.

Am 12. November ist es soweit

Musicalsongs im Programm der Cuxhavener Sportgala

von Herwig V. Witthohn

CUXHAVEN. Sport und Kultur vereint - dass dies passt haben die Besucherinnen und Besucher der Cuxhavener Sportgala schön öfter erkennen können. Und auch bei der Gala am 12. November, 19 Uhr wird es wunderbare Songs zu hören geben.

Erstaufnahme-Einrichtungen

Wird die Kaserne in Cuxhaven eine Sammelunterkunft für Geflüchtete?

CUXHAVEN. Angesichts der steigenden Zahl an Schutzsuchenden in Niedersachsen will das Land weitere Sammelunterkünfte schaffen.

Mittelfinger gezeigt?

Nach umstrittener Geste: Verfahren gegen Cuxhavener Politiker Wegener eingestellt

von Kai Koppe

CUXHAVEN. Ein mutmaßlicher "Stinkefinger" gegen einen Querdenker-Aufzug hat für den Cuxhavener SPD-Politiker Gunnar Wegener kein gerichtliches Nachspiel.