Arend Tiedemann, Jürgen Trinkies und Reinhard Linke (v.l.n.r.) hatten vor zehn Jahren die Idee: "Lasst uns doch einen Schiffsansagedienst gründen." Daraus ist längst eine feste Institution geworden, die vor allem die Cuxhaven-Besucher lieben. Foto: Sassen
Arend Tiedemann, Jürgen Trinkies und Reinhard Linke (v.l.n.r.) hatten vor zehn Jahren die Idee: "Lasst uns doch einen Schiffsansagedienst gründen." Daraus ist längst eine feste Institution geworden, die vor allem die Cuxhaven-Besucher lieben. Foto: Sassen
Schifffahrt

Kompetenzzentrum Käpt'n's Corner feiert Jubiläum in Cuxhaven

10.07.2021

CUXHAVEN. Der Schiffsansagedienst Cuxhaven versorgt Sehleute auf der Alten Liebe und der Seebäderbrücke seit zehn Jahren mit Informationen aus erster Hand.

Was die Schiffsbegrüssungsanlage für den hamburger Hafen in Schulau ist der Schiffsansagedienst (SAD) auf der Seebäderbrücke für Cuxhaven. Wenn es den maritimen Gästeservice nicht schon geben würde, müsste man ihn schnellstens erfinden.

Das hat eine Gruppe von ehemaligen Kapitänen und Lotsen aus dem Nautischen Verein vor genau zehn Jahren den Touristikern dankenswerterweise abgenommen. Denn jeder weiß, welch hohen Stellenwert das Thema Schiffegucken bei den Cuxhavenurlaubern (und nicht nur bei denen) hat. 

Informationen für die See

Seit zehn Jahren versorgen die ehrenamtlichen Mitglieder des Schiffsansagedienstes die Gäste auf der Alten Liebe, der Seebäderbrücke und im Restaurant "Seeterrassen" mit einer Fülle von Informationen über die jeweils aktuell auf der Elbe vorbeiziehenden Schiffe. Und das mit einer fachlichen Kompetenz, die anderswo kaum erreicht werden dürfte. Denn, der überwiegende Teil der Ansager kann auf einen großen maritimen Wissens-und Erfahrungsschatz zurückgreifen. Kapitäne, Seelotsen, Funker, Mariner, Schiffsmaschinenhersteller und viele andere seefahrende Berufe sind im Verein versammelt.

Zwischen April und Oktober ist das kleine Büro im blauen Container auf der Seebäderbrücke vor dem Seglerhafen jeden Tag besetzt. "Käpt'n's Corner", nennen die Insider das Containerbüro, von dem aus die Aktiven einen unvergleichlichen Blick auf die Elbe haben.

26 Ehrenamtliche dabei

26 Mitglieder teilen sich den täglichen Dienst von 10 bis 19 Uhr. Einmal in der Woche ist jeder dran, für drei Stunden. "Das ist gut zu schaffen und wenn es mal gar nicht passt, kann natürlich auch getauscht werden", erzählt Jürgen Trinkies, Kapitän und Seelotse im Ruhestand. Zusammen mit Reinhard Linke, dem damaligen stellvertretenden Vorsitzenden im Nautischen Verein und seinem Kollegen Arend Tiedemann, dem früheren Leiter des Lotsbetriebsvereins hat er die Idee zur Gründung eines Schiffsansagedienstes damals in de Tat umgesetzt. Wir wollten eine Lücke ausfüllen, die der gewerbliche Schiffsmeldedienst hinterlassen hatte, nachdem er Ende 2008 den Service eingestellt hatte, erinnert sich Trinkies. Bis dahin hatte der Schiffsmeldedienst Ansagen auf der Alten Liebe gemacht, wenn es in den Ablauf passte.

Freier Blick auf die Elbe

Das ist heute ganz anders. Wenn Linke, Trinkies, Tiedemann und die anderen Ansager auf dem gut gepolsterten Ledersessel hinter dem Panoramafenster im Brückenhaus Platz nehmen, haben sie nichts anderes im Sinn, als den Sehleuten auf der Alten Liebe die vorbeifahrenden Schiffe zu genau wie möglich zu erklären.

Länge, Breite, Tiefgang, Nationalität, Ausgangs-und Zielhafen sind dabei Standard. Die meisten Daten sind über das internationale Automatische Schiffsidentifikationssystem und vom Anbieter Vesseltracker im Internet abrufbar, die im Prinzip jedem zugänglich sind. Doch das reicht den Ansager in der Regel nicht. Wenn möglich geben sie zusätzliche Informationen über Ladung, Fahrtgebiet, Maschinenleistung, Besatzungsstärke und vieles mehr, je nachdem worauf sie Zugriff haben oder was sie aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung beisteuern können. "Wir können auf einen sehr umfangreichen Wissensfundus zurückgreifen", freut sich Linke, der in der Startphase für die technischen Voraussetzungen gesorgt hat. 

Datenübertragung

Die Technik der digitalen Datenübertragung zur Alten Liebe sei damals ein absolutes Novum gewesen, erinnert sich Linke. Die Telekom hatte damals die Standleitung via Kabel gerade abgeschafft. Mit zunehmender Routine und dem Ausbau des World Wide Web nutzten die Schiffsansager auch das Internet. Seither können Menschen aus aller Welt in Bild und Wort live verfolgen, was vor der Alten Liebe von Cuxhaven los ist - eine Möglichkeit, von der viele Cuxhaven-Fans regen Gebrauch machen. So ist es paradoxerweise eine Hausfrau aus dem Ruhrgebiet, die täglich aus ihrer Küche die Webcam des SAD auf der Galerie des Steubenhöfts nachsteuert, so dass die vorbeiziehenden großen Schiffe oft in voller Größe zu sehen sind.

Gleichzeitig hört der Nutzer die Ansagen der Experten, darunter übrigens aus drei Frauen. Die Kosten von 300 Euro monatlich decken Sponsoren, die dafür mit ihrem Logo auf der Internetseite vertreten sind.

Gemeinschaft und Zuverlässigkeit

Um den Service bei den Gästen in Cuxhaven bekannt zu machen, lässt der Verein jährlich 4000 Flyern drucken und verteilen, die grundsätzlich mit neuen Motiven versehen sind. Stolz ist die eingeschworene Gemeinschaft auf ihre Zuverlässigkeit: Während der Saison ist der SAD rund 1950 Stunden "auf Sendung", dabei werden pro Monat im Schnitt rund 1.200 Schiffe vorgestellt. "Am Ende dieser Saison werden wir die Marke von 80.000 Ansagen überschritten haben", freut sich Linke. 

Und auch die Klicks im Internet lassen sich messen. "Wir sind bescheiden angefangen. Inzwischen liegt der Tagesdurchschnitt bei 5500 Klicks und viele verfolgen unsere Durchsagen ebenfalls über das Internet. Welche Freude das oft bei den Nutzern hervorruft, beweisen Emails und Postkarten von Cuxhaven Fans aus der ganzen Welt, die immer wieder beim Verein eingehen, ob aus Australien, Finnland oder Neuseeland. Linke: "Das beweist uns, dass wir auf dem richtigen Kurs sind".

Schiffsansage

-Schiffsansagedienst Cuxhaven

-Gegründet vor zehn Jahren.

-26 ehrenamtliche Ansager

-In der Saison vom 1. April bis 31. Oktober auf Sendung.

-Täglich von 10 bis 19 Uhr

-1.200 Schiffe werden im Schnitt pro Monat vorgestellt, 80 000 seit der Gründung.

-Zu verfolgen auf der Seebäderbrücke, Alte Liebe, "Seeterrassen" und übers Internet.

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