Kreis Cuxhaven: Eine neue Landärztin für Dorum
WURSTER NORDSEEKÜSTE. Dorum hat eine neue Hausärztin. Silke Otremba heißt die Allgemeinmedizinerin, die seit wenigen Tagen mit Dr. Leif Möhlmann in einer gemeinsamen Praxis arbeitet.
"Eine großartige Nachricht für Dorum", freut sich Bürgermeister Marcus Itjen (parteilos). Die zweitgrößte Ortschaft in der Gemeinde Wurster Nordseeküste hatte den allgemeinen Landärztemangel in den zurückliegenden Jahren besonders zu spüren bekommen.
Kaum zu glauben
Angesichts der jüngeren Entwicklung mag man es kaum glauben: Vor 20 Jahren gab es noch fünf Hausärzte in Dorum. Zuletzt teilte sich Möhlmann das Revier allerdings nur noch mit einem Kollegen. Dabei hatte Möhlmann vor vier Jahren bereits geglaubt, medizinische Verstärkung für das eigene Ärztehaus gefunden zu haben. Doch der Kollege verließ die Praxis nach kurzer Zeit wieder.
Der Arztsitz in Möhlmanns Praxis blieb bei der Kassenärztlichen Vereinigung als vakant gemeldet, aber der 61-Jährige kümmerte sich nicht mehr aktiv um einen Partner. Silke Otrembas Anruf sei für ihn daher "eher ungeplant, aber sehr willkommen" gewesen, sagt Möhlmann, der seine eigenen Praxisöffnungszeiten aus gesundheitlichen Gründen bereits vor einigen Jahren auf die vorgeschriebene Mindestzahl von 25 Stunden reduziert hatte.
Schnelle Entscheidung
Für Silke Otremba war es "eine schnelle Entscheidung". Im Spätsommer habe sie zum ersten Mal darüber nachgedacht, sich als Ärztin niederzulassen. Weil ihr an einer "Partnerschaft mit einem in kassenärztlichen Dingen erfahrenen Hausarztkollegen" gelegen war, meldete sich die 46-Jährige in der allgemeinmedizinischen Praxis von Möhlmann in Dorum.
Als Fliegerärztin tätig
Bis dahin hatte Otremba als angestellte Medizinerin gearbeitet, davon 20 Jahre lang bei der Bundeswehr und dort zuletzt als Fliegerärztin auf dem Nordholzer Marinefliegerstützpunkt. 2015 endete ihre Zeit als Soldatin. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin wollte sich neu orientieren. Nach einem kurzen Ausflug in die Kurmedizin in St. Peter Ording arbeitete sie zunächst im Krankenhaus Reinkenheide, ehe sie als Amtsärztin beim Gesundheitsamt in Cuxhaven eine Teilzeitstelle antrat und dort als Hafenärztin im Einsatz war. Im Frühjahr diagnostizierte sie im Rahmen ihrer Tätigkeit auf dem aufgrund der Corona-Pandemie in Cuxhaven liegenden Kreuzfahrtriesen "Mein Schiff 3" bei Besatzungsmitgliedern Covid-19.
Parallel dazu arbeitete sie für ein telemedizinisches Unternehmen in der Schweiz. "Das ist wie ein Hausarzt, nur eben am Telefon", erklärt sie. Vom Homeoffice aus habe sie mit Patienten gesprochen, Medikamente verschrieben, zum Facharzt überwiesen oder in Notfällen auch eine Ambulanz angefordert.
Ärztliche Osteopathie
Zusätzlich zu ihrer Facharztausbildung für Allgemeinmedizin hat sich Otremba im Bereich von Chirotherapie, Sportmedizin und Psychiatrie weitergebildet. Einer ihrer weiteren Schwerpunkte ist die ärztliche Osteopathie. Bereits seit Studienzeiten steht sie hinter dem ganzheitlichen Heilverfahren, bei dem zur Diagnose und Therapie die Hände eingesetzt werden. "Nur Tabletten zu verabreichen, ist keine adäquate Therapie", ist die gebürtige Nordrhein-Westfälin überzeugt.
Privat ist Otremba in Midlum zu Hause. Sie lebt dort mit drei Katzen und ihrem Islandpferd. Sie liebt die Natur im Allgemeinen und das Meer im Besonderen. Ihr Hobby Kitesurfen habe sie in der Vergangenheit aus Zeitgründen allerdings viel zu sehr vernachlässigt. "Ich hoffe, dass sich das jetzt ändern wird."
Schritt in die Selbstständigkeit
Natürlich habe sie auch von dem Regionalen Versorgungszentrum gehört, das zurzeit in Nordholz geplant wird und auf jeden Fall auch mindestens einen Hausarztsitz umfassen soll. Für sie sei das aber nicht infrage gekommen. "Ich wollte den Schritt in die Selbstständigkeit jetzt wagen." Das Projekt selbst findet sie aber gut: "Ich denke, dass in dieser Region medizinische Förderung notwendig ist."
Bürgermeister Itjen, der die neue Ärztin am Freitag in ihrer Praxis begrüßte, ist froh über die Entwicklung. "Die ärztliche Versorgung in Dorum war zuletzt immer wieder Diskussionsthema." Auf die Pläne für das Regionale Versorgungszentrum, in dem unter anderem angestellte Ärzte arbeiten sollen, habe die positive Entwicklung aber keinen Einfluss. Die Region brauche mehr als diese eine neue Hausärztin. (ike)
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