Küstenkrimi-Autorin Susanne Ziegert auf ihrem Hof bei Cappel, wo sie inzwischen mit Mann, zwei Pferden und zwei Eseln, Sandiego (l.) und Antonio, in einem uralten Bauernhaus ein Zuhause gefunden hat. Foto: Reese-Winne
Küstenkrimi-Autorin Susanne Ziegert auf ihrem Hof bei Cappel, wo sie inzwischen mit Mann, zwei Pferden und zwei Eseln, Sandiego (l.) und Antonio, in einem uralten Bauernhaus ein Zuhause gefunden hat. Foto: Reese-Winne
Ort der Inspiration gefunden

Küstenkrimi-Autorin: Mit Mann, zwei Pferden und zwei Eseln endlich im Cuxland zu Hause

von Maren Reese-Winne | 16.04.2022

CUXHAVEN/WURSTER NORDSEEKÜSTE. Es hätten auch die Provence und das Mittelmeer werden können. Doch letztendlich wurden es Cuxhaven und das Cuxland, wo Journalistin und Autorin Susanne Ziegert inzwischen ihren dritten Nordsee-Krimi geschrieben hat.

Seit 2019 wohnt sie mit ihrem Ehemann, zwei Pferden und zwei Eseln in einem reetgedeckten Haus von 1786 in Sichtweite des Deichs an der Wurster Nordseeküste.

Viele ihrer Recherchen haben im Alten Fischereihafen in Cuxhaven begonnen, wo sie das Café "Alte Nordseekantine" als ihr zweites Wohnzimmer beschreibt. "Ein toller Ort, in dem früher die Heuer für sie Seeleute ausgezahlt wurde", schwärmt sie.

Vom Meer erstmal nichts zu sehen

Vom Meer ist sie immer wieder aufs Neue fasziniert und begeistert. Dabei wurde ihr die Verbundenheit zur Küste keineswegs in die Wiege gelegt, wurde sie doch noch zu DDR-Zeiten im Erzgebirge geboren.

Sie wuchs in Leipzig und Plauen im Vogtland auf und entdeckte schnell ihre Leidenschaft für das Schreiben und für Sprachen. Da ihre Eltern allerdings keine SED-Parteigänger waren, war klar, dass es mit einer Tätigkeit in einem Verlag nie etwas werden würde, schon gar nicht im Journalismus.

Tourismus-Studium in der DDR: Wenigstens mit Fremdsprachen...

"In der DDR war Tourismus die einzige Chance, etwas mit Fremdsprachen zu machen", erzählt Susanne Ziegert, die dann diesen Weg einschlug.

Im dritten Semester ihres Tourismus-Studiums in Dresden ereignete sich in der DDR bis dahin fast Unglaubliches: Proteste gegen das Regime und eine Fluchtbewegung ungekannten Ausmaßes. Auch die junge Studentin trug sich mit Fluchtgedanken. Die ewigen Verbote, der totalitäre Staat ... Sie wollte die Welt sehen und durfte doch nie entscheiden, wohin sie reisen durfte. Bei einem Besuch im Sommer 1989 in Ungarn traute sie sich die Flucht aber noch nicht zu.

"Hier ändert sich nie was": Einmal Flucht und wieder zurück

Im Oktober 1989 riefen Demonstranten dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow bei den Feierlichkeiten anlässlich des 40. Jahrestags der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik ihren Unmut entgegen - und wurden von Polizei und Stasi niedergeknüppelt. "Die Lage stand auf der Kippe", erinnert sich Susanne Ziegert. "Ich dachte: Hier ändert nie was."

Zwei Tage vor dem Mauerfall flüchtete sie mit ihrem damaligen Freund durch Tschechien nach Bayern, wurde bei Freunden in Marktredwitz freundlich aufgenommen, um dann am Morgen des 10. Novembers in einer neuen Welt aufzuwachen. Die Grenzen waren offen. "Da sind wir einfach wieder zurückgefahren und ich habe an der Uni weitergemacht." Ihr Fehlen war noch niemandem aufgefallen.

Als erstes nach Paris

Susanne Ziegert setzte ihr Tourismus-Studium fort, nun unter ganz anderen Bedingungen. Die erste Auslandsreise führte sie für ein Bildungsprojekt nach Paris, wo sie endlich ihre Französisch-Kenntnisse aus Schule und Studium anwenden und all die Plätze aus dem Lehrbüchern live sehen wollte. Im Sommer 1990 war sie eine von 1000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus der DDR, die auf Einladung der französischen Regierung im Alpenort Annecy in einer internationalen Runde Wege anlegten und Ruinen vom Gestrüpp befreiten.

Aix-en-Provence hätte mit Sonne und Licht gelockt

Ein Aufbaustudium für Ökonomie des Tourismus mit dem Schwerpunkt Marketing führte sie nach Aix-en-Provence, eine ungeheuer beliebte Studentenstadt. Das Essen, die Lebensart, die Sonne und das besondere Licht der Provence hätten sie auch verführen können, einfach dortzubleiben, dann aber das Angebot, in der EU-Kommission in Brüssel ein Praktikum zu machen, das wollte sie nicht ausschlagen. "Das war auch eine sehr gute Zeit", findet sie.

Auch Dolmetscherin und Übersetzerin

Schließlich absolvierte sie eine journalistische Ausbildung bei Axel Springer in Berlin und eine Sprachausbildung an der dortigen Humboldt-Universität, die sie als staatlich anerkannte Dolmetscherin und Übersetzerin abschloss.

Inzwischen ist sie Wirtschafts-Korrespondentin der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am Sonntag - eine Tätigkeit, sie sie auch vom hohen Norden aus fortsetzen kann. 2018 veröffentlichte sie ihren ersten Küstenkrimi "Störtebekers Erben", der wie der Nachfolger "Tod im Leuchtturm" auf Neuwerk spielt. Auf Deutschlands einzige Hochseeinsel entführt sie die Leserinnen und Leser in ihrer Neuerscheinung "Tod vor Helgoland" (daraus liest sie am 29. April in der Stadtbibliothek).

Immerwährendes Lernen: Man braucht alles immer wieder

Neuerdings kramt sie ihr Schulrussisch wieder vor, da sie sich um Ukraine-Flüchtlinge kümmert, von denen viele Russisch sprechen. "Alles, was man einmal gelernt hat, kommt einem später im Leben wieder zugute", so ihre Erfahrung. "Ich liebe es zu lernen", lächelt sie, "und Schreiben ist ja auch ständiges Lernen." Ein viermonatiges Stipendium des Programms "Neustart Kultur" der VG Wort und der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien verschaffen ihr gerade mehr Freiheit dafür.

Plötzlich war das Haus da

Seit 2016 ist sie verheiratet. Im selben Jahr kamen die Pferdeliebhaberin und ihr Mann nicht nur zu einem zweiten Pferd, sondern bald darauf auch zu zwei Eseln. Für alle zusammen musste ein Zuhause her, am liebsten auf einem Hof. Bei einer Recherchereise ins ihnen bereits vertraute Cuxland war da plötzlich die Anzeige für ihr heutiges Haus - "eines der schönsten, das wir bis dahin gesehen hatten". Hier gibt es nun Platz und kurze Wege nach Cuxhaven und nach Bremerhaven.

Sechs Monate nach dem Umzug kam die Corona-Pandemie - "und sie war hier sicher besser zu überstehen als in der Großstadt", findet Susanne Ziegert.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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