Kutschfahrten durch das Wattenmeer sind bedroht: Ist Neuwerk bald abgeschnitten?
CUXHAVEN/NEUWERK. Die Kutschfahrten durch das Wattenmeer zwischen Neuwerk und Cuxhaven sind bedroht: Das Duhner Loch verhindert immer häufiger die Überfahrt. Allein im vergangenen Winter musste rund die Hälfte der Versuche, zur Insel zu gelangen, abgebrochen werden.
Die Kutschfahrten durch das Wattenmeer zwischen Neuwerk und Cuxhaven sind bedroht: Das Duhner Loch verhindert immer häufiger die Überfahrt. Bei Niedrigwasser sollte es eigentlich passierbar sein. Inzwischen liegt der niedrigste Wasserstand im Duhner Loch bei 80 Zentimetern. Bei 1,30 Metern ist kein Durchkommen mehr. Allein im letzten Winter musste rund die Hälfte der Versuche, zur Insel zu gelangen, abgebrochen werden.
"Big Packs" helfen nicht
Der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hatte vor rund zwei Jahren mit Sand gefüllte "Big Packs" aus Jute im Bereich des Duhner Lochs als Barriere ausgebracht. So sollte eine weitere Vertiefung des Priels verhindert werden. Der erhoffte Effekt stellte sich aber nicht ein. Aktuell sieht der Landesbetrieb aber keinen akuten Handlungsbedarf. Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) lehnt es ab, Maßnahmen am Duhner Loch zu ergreifen, um die Erreichbarkeit Neuwerks sicherzustellen.
Existenzen sind bedroht
Für die Neuwerker und die Wattwagenunternehmen wirkt diese Aussage existenzbedrohend. Der durch die sich verstärkenden Strömungen beständig tiefer werdende Priel kann immer seltener von Fahrzeugen - Pferde-Wattwagen und Traktoren mit Anhängern - durchquert werden. Die Forschungsstelle Küste hatte in einem aktuellen Gutachten empfohlen, den Wattenweg an eine höher gelegene Stelle entlang der Wattwasserscheide zu verlegen. Allerdings müsse zunächst untersucht werden, inwieweit an dieser Stelle die Möglichkeit besteht, durch Entfernen des Schlicks und Einbringen von sandigem Material eine Wegbarkeit herzustellen. Nach Durchführung einer solchen Bodenveränderung würde vermutlich die tägliche Nutzung des Weges die Erhaltung eines passierbaren Zustandes sicherstellen.
Tourismus bedroht?
Diesem Vorschlag erteilte der Landesbetrieb NLWKN eine Absage. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Betroffenen und hat insbesondere bei den Neuwerkern großes Entsetzen ausgelöst", sagt Peter Roland, Sprecher der Initiative "Rettet das Cux-Watt". Das Wegbrechen der Wattwagenfahrten als Alleinstellungsmerkmal hätte erhebliche Konsequenzen für den Tourismus.
Das Gutachten der Forschungsstelle Küste bestätigt, dass die Situation am Duhner Loch eine Spätfolge der Lückenschließung des Kugelbake-Leitdamms sei. Im Bereich des Leitdamms sind dadurch zahlreiche Priele und Rinnen verlandet, sodass sich die Be- und Entwässerung des küstennahen Watts in Richtung Westen verlagert hat.
Eingriff in den Nationalpark
In einem Bericht des NDR sagte Umweltminister Olaf Lies, es gebe zwei Gründe, eine Maßnahme abzulehnen. Zum einen handele es sich bei einem festen Bauwerk um einen Eingriff in den Nationalpark. Genau das war allerdings bei dem NLWKN-Bauwerk vor zwei Jahren möglich. Diesmal gehe es - im Gegensatz zu 2019 - aber gar nicht um ein festes Bauwerk, sondern um den Austausch von Sedimenten in einem überschaubaren Rahmen, sagt Peter Roland. Es gehe bei dem Vorschlag der Forschungsstelle Küste um eine Wegstrecke von etwa 100 bis 150 Metern entlang beider Ufer des Duhner Lochs an der neuen Querung, wo der Priel flacher ist. Es gehe konkret um die Herstellung der Wegbarkeit an den verschlickten Rändern des Duhner Lochs, wo künftig der Wattweg nach Neuwerk durch den Priel verlaufen soll.
Allerdings hatte der Umweltminister auch betont, dass das Land zu einer gesicherten Anbindung nach Neuwerk verpflichtet sei.
Ein weiterer Grund für die ablehnende Haltung von Lies ist, dass auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ein festes Bauwerk in diesem Priel ablehne, da er Teil einer Bundeswasserstraße sei. Dem widerspricht die Initiative: "An dieser Stelle hat sich noch nie eine Wasserstraße befunden. In dem Bereich gibt es das Weser-Elbe-Wattfahrwasser. Allerdings befindet sich diese Wasserstraße, die nur bei Flut befahrbar ist, weiter nördlich davon", so Peter Roland.
Neuen Weg erschließen
Es spreche nichts dagegen, die Empfehlung in dem Gutachten der Forschungsstelle Küste umzusetzen, glaubt die Initiative. Der Minister könne per Erlass an das NLWKN die Maßnahmen auf den Weg bringen, um die Wegbarkeit auf dem neuen Wattweg nach Neuwerk 750 Meer südwestlich der bisherigen Querung des Duhner Lochs herzustellen.
Auch diese Lösung würde es erforderlich machen, jedes Jahr aufs Neue am Wattenweg nachzuarbeiten, solange nicht die Ursache der Wattverschlickung, die Schließung des Leitdamms, behoben werde. Eine regelmäßige Instandhaltung des Wattenweges wäre eine normale Unterhaltungsmaßnahme wie das jährliche Stecken der Pricken am Strand und an den Wattwegen oder das Aufschütten der Strände von Duhnen und Döse mit Sand. (red)
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