Maike Bielfeldt übergab den symbolischen Schlüssel für die IHK Stade an ihren Nachfolger als Hauptgeschäftsführer, Holger Bartsch. Bielfeldt ist seit 1. September Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. Foto: Stephan
Maike Bielfeldt übergab den symbolischen Schlüssel für die IHK Stade an ihren Nachfolger als Hauptgeschäftsführer, Holger Bartsch. Bielfeldt ist seit 1. September Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. Foto: Stephan
Wechsel nach Hannover

Maike Bielfeldt verlässt die IHK Stade: Das Abschieds-Interview

07.09.2020

KREIS CUXHAVEN. Maike Bielfeldt verlässt die IHK Stade und geht nach Hannover. Zum Abschied lässt sie die vergangenen sechseinhalb Jahre Revue passieren und blickt voraus.

Um eine Ära zu prägen, sind sechseinhalb Jahre zu kurz - dennoch hat Maike Bielfeldt als Hauptgeschäftsführerin der IHK Stade in der Region viel Beachtung gefunden, denn sie war 2014 eine der wenigen Frauen, die in der Männerwelt der IHK einen Chefposten bekamen. Es war der lange Zwischenschritt für einen weiteren Karrieresprung, denn die 50-Jährige ist seit 1. September Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover, eine der größten Kammern der Republik. Zum Abschied in Stade sprach Wolfgang Stephan mit der IHK-Managerin.

Frau Bielfeldt, Sie sind jetzt Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. Fast zeitgleich übernahm ein neuer Hauptgeschäftsführer die Handelskammer Hamburg. Vermutlich Ihr Traumjob? Haben Sie sich verspekuliert?

Maike Bielfeldt: Nein, ich habe nichts zu bereuen und gehe gerne nach Hannover. Den neuen Hauptgeschäftsführer in Hamburg (Dr. Malte Heyne, Anm. d. Red.) kenne ich gut, es ist mein Nachfolger bei der IHK Nord, von der ich 2014 nach Stade gekommen bin. Ich freue mich für ihn, aber ich gehe mit noch mehr Freude an meine neue Tätigkeit in Hannover. Von der IHK Stade jetzt in die Landeshauptstadt zu wechseln, ist für mich der richtige Weg.

Aber die Insider haben doch immer damit gerechnet, dass Maike Bielfeldt bei der chaotischen Handelskammer in Hamburg den Chefposten übernehmen wird?

Das chaotisch haben Sie gesagt, und ob Insider immer damit richtig liegen, wenn sie über meine Person spekulieren, wage ich zu bezweifeln. Ich kenne die Spekulationen, die naheliegend sind, weil ich die Handelskammer gut kenne und Hamburgerin bin. Ich nenne Ihnen nur eine Zahl als inhaltliche Antwort: Ich kann bei der IHK Hannover unheimlich viel gestalten, in einer Fläche, die 40 Prozent des Landes Niedersachsen umfasst. Der Charme ist der, dass ich Stadt und Land gleichermaßen vertreten kann.

Wir bleiben bei der Karriere: Bekommen Sie häufiger Anfragen, in die Politik zu gehen, für ein Landtags- oder Bundestagsmandat zu kandidieren?

Schreiben Sie gerne, jetzt schmunzelt sie. Ernsthaft: Ich habe immer wieder mal Anfragen bekommen, irgendwas irgendwo in der Welt zu machen. Ich habe das immer als Wertschätzung meiner Arbeit verbucht, aber mich, sollte ich jemals aus Stade weggehen, nur ernsthaft für eine Stelle interessiert - und das war die der Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover.

Der Wirkungsbereich der IHK Hannover ist fünfmal so groß wie der der IHK Stade, er reicht von Bremen bis Göttingen. In Stade gibt es 44.000 Mitglieder, in Hannover 170.000. Aber die Nähe zur Landesregierung ist für die besondere Note vermutlich noch wichtiger?

Beides ist wichtig. Eine IHK in einer Landeshauptstadt hat naturgemäß eine etwas größere Bedeutung, das ist richtig. Wir spielen da eine ganz andere Rolle, weil alle politisch Verantwortlichen, die Ministerien, der Ministerpräsident in einer Stadt wirken. In einigen Bereichen werde ich auch für ganz Niedersachsen - also für alle IHKs - sprechen. Das ist schon eine große Herausforderung, keine Frage.

Wenn Sie die bestehen, ist der Weg in die Regierung nicht mehr weit. Würden Sie ausschließen, irgendwann als Ministerin in eine Regierung zu wechseln?

Hannover gehört zu den größten IHKs der Republik. Ich habe meinen Traumjob gefunden. Basta.

Was gehört demnach zu dem Traumjob?

Zu den zentralen Aufgaben einer IHK gehört diese Mittlerrolle zwischen Unternehmen und der Politik. Ich sehe darin meine große Stärke, das liegt mir ganz besonders. Ich hoffe, dass es mir weiterhin gelingt, die Sprache der Unternehmer so zu übersetzen, dass sie nachhaltig in der Politik gehört wird und Nachhall findet. Wir wollen in der Politik gehört werden.

Sie waren 2014 eine der ersten Frauen an der Spitze einer IHK. Jetzt sind Sie es in einer der größten Kammern des Landes, Hannover liegt - je nach Bewertungsmaßstab - unter den sieben größten Institutionen. Gibt es da noch mehr Frauen an der Spitze?

Nachdem meine Kollegin in Hamburg ausgeschieden ist, nicht mehr. Stuttgart, Hamburg, München, Düsseldorf, Berlin, Frankfurt - da sind überall Männer an der Spitze.

Müssen Frauen in den Spitzenjobs immer noch besser sein als die Männer?

Eine Frau muss authentisch sein, sie muss selbstbewusst sein und sie muss klare Vorstellungen haben, die sie genauso klar vertritt. Wenn sie das nicht hat, kann sie in einer Männerwelt nicht bestehen. Ich stelle aber fest, dass immer mehr Frauen diese Attribute haben. Ob sie damit besser sind als Männer, vermag ich nicht zu beurteilen.

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Blicken wir noch einmal zurück. Was waren die wichtigsten Themen, was sind die Duftmarken, die Maike Bielfeldt in der IHK Stade gesetzt hat?

Mein Ziel war es, die IHK für Zukunftsthemen zu begeistern, was uns alleine mit dem Thema Wasserstoff sehr gut gelungen ist. Irgendwann wird diese Region von der Wasserstoffwirtschaft profitieren, in naher Zukunft wird auch ein LNG-Terminal in einem erweiterten Stader Hafen gebaut werden. Bei diesen Themen waren wir am Ball, wir haben den Akteuren dabei geholfen, gehört zu werden. In der Außenwirkung war das sicherlich das größte Thema, intern haben wir weiter daran gearbeitet, Nähe zu unseren Mitgliedern aufzubauen.

Immerhin konnten Sie auch verhindern, dass sich bei der IHK Stade Rebellen finden, die eine Kammer fundamental erschüttern, wie das in Hamburg der Fall war. Gab es derlei Bestrebungen in Stade auch?

Nein, gar nicht. Wir bemühen uns schon lange, Kontakt zu unseren Mitgliedern aufzubauen, ihnen deutlich zu machen, was wir für sie leisten und leisten können. Natürlich sagen wegen der Pflichtmitgliedschaft nicht alle unserer 44 000 Mitglieder sofort, dass sie gerne Mitglieder der IHK sind. Das ist völlig normal. Aber eine gesunde kritische Nachfrage ist ein Riesenunterschied zu einer Situation, die die Kammer in Hamburg hatte, als durch eine Vollversammlungswahl vieles auf den Kopf gestellt und eine neue Richtung eingeschlagen wurde - was letztlich gescheitert ist. Möglicherweise haben diese Hamburger Ereignisse dazu beigetragen, dass wir uns immer wieder mal einen Spiegel vorgehalten haben. Möglicherweise hat das den Prozess zur Mitgliedernähe beschleunigt. Wir haben immer das Problem, dass ein Unternehmen, das nicht ausbildet, fragt, was bringt mir die IHK. Wir können ganz viel darauf antworten, aber dazu müssen wir in den Dialog kommen. Das gilt für beide Seiten.

Sollte ich Sie bei der Aufzählung Ihrer wichtigsten Errungenschaften unterbrochen haben, haben Sie jetzt noch die Chance, Themen zu nennen.

Mir ist in der Tat die Ausbildung ganz wichtig. Gerade in diesem Jahr mussten wir uns wegen der Corona-Pandemie völlig neu sortieren, alles neu organisieren und wir haben es am Ende geschafft, alle Prüfungen abzunehmen und alle Auszubildenden ins Berufsleben zu entlassen. Das war nicht selbstverständlich, übrigens auch nicht, wie wir als IHK unseren Mitgliedern geholfen haben, Förderanträge zu stellen. 5000 Unternehmen haben wir durch den Antrags-Dschungel begleitet. Wir haben viel Feedback bekommen und haben zeigen können, dass wir ein flexibler, moderner Dienstleister sind.

Jetzt kommt der Spiegel: Was hat in Ihrer Stader Zeit nicht geklappt? Anders gefragt: Was hat Maike Bielfeldt nicht so umsetzen können, wie sie es sich gewünscht hätte?

Klar, ich wäre gerne auf der A 26 nach Hamburg gefahren. Die IHK baut zwar keine Straßen, aber die Verkehrsinfrastruktur gehört zu unseren großen Themen, bei der Verkehrsinfrastruktur ist noch viel Luft nach oben. Auch den Spatenstich für die A 20 hätte ich gerne noch gemacht. Ich hätte auch gerne noch mehr Ausbildungsplätze und vor allem mehr Abiturienten in der beruflichen Ausbildung gehabt.

Sie sind am vergangenen Donnerstag letztmalig als Stader IHK-Hauptgeschäftsführerin von Stade nach Hannover gefahren. War da Wehmut dabei?

Total. Der Himmel weinte und ich auch.

Zur Person

Maike Bielfeldt war seit 2014 Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade, seit 1. September ist sie Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. Die 50-Jährige hat bereits vor ihrem Engagement in Stade bei der Kammer gearbeitet - unter anderem als Geschäftsführerin des Verbundes IHK-Nord mit Sitz in Hamburg. Ursprünglich hat Bielfeldt eine Banklehre absolviert und danach Volks- und Betriebswirtschaft studiert, unter anderem im spanischen Valencia.

Von Wolfgang Stephan

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