Marek Brandt bereitet junge Arbeitslose auf den Berufseinstieg vor
CUXHAVEN. Wenn einer seiner Schützlinge plötzlich mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche vor ihm steht, dann weiß der Cuxhavener Marek Brandt, dass sich seine Arbeit gelohnt hat.
Der 25-Jährige leitet seit April den sozialen Möbelhof des Paritätischen in Cuxhaven und gibt arbeitslosen jungen Menschen damit eine Perspektive. Neben Fachlichem vermittelt Brandt ihnen auch all jene Werte, die wichtig sind, um im Berufsleben erfolgreich Fuß zu fassen.
Man könnte nun meinen, Brandt sei studierter Sozialpädagoge. Aber nein. Nach seinem Abitur an den BBS Cuxhaven hat er erst ein mal ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Lebenshilfe im Bereich Metalltechnik gemacht, danach eine Ausbildung zum Werbetechniker, um sich dann dem Studium in Hannover an der Leibniz-Universität zu widmen. Doch sein Fach hieß eben nicht Sozialpädagogik, sondern Medientechnik und Physik. "Ich habe allerdings recht schnell gemerkt, dass ich lieber schon arbeiten möchte und mir das Studium zu lang dauert", erzählt der 25-Jährige.
Nach einem Jahr Studium bricht er ab - und findet durch Zufall direkt eine Stelle beim Paritätischen in Hemmoor, wo gerade eine Aushilfe in der Jugendwerkstatt gesucht wurde.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, denn auch Brandts Mutter, Anke Brandt-Adickes, arbeitet beim Paritätischen und leitet dort die Abteilung "Hilde" - Hilfe bei Demenz.
Spaß von Beginn an
"In der Jugendwerkstatt habe ich im Bereich Elektrotechnik mit den jungen Leuten gearbeitet und das hat mir gleich viel Spaß gemacht", berichtet der motivierte Cuxhavener.
Zwar hätte er am Anfang Sorge gehabt, dass die jungen Leute, die zwischen 17 und 27 Jahre alt sind, ihn aufgrund seines eigenen jugendlichen Alters nicht akzeptieren und als Respektsperson ansehen könnten, doch diese Angst habe sich schnell aufgelöst. Als dann eine Stelle in Cuxhaven als Jugendanleiter im sozialen Möbelhof der Jugendwerkstatt des Paritätischen frei wurde, war Brandts Glück perfekt. Dort gestaltet er nun seit einigen Monaten den Theorieunterricht für die jungen Erwachsenen. Und dabei stehen Dinge wie Dreisatz, Sicherheitsunterweisungen oder auch Deutsch auf dem Lehrplan. "Mir ist aber auch wichtig, das immer mit Spaß zu verbinden. Denn wir wollen ja, dass die Leute am Ball bleiben."
Gemeinsam mit den Gruppenmitgliedern nimmt Brandt Möbelspenden an und macht sie wieder flott für den Verkauf. Handwerklich und technisch lernen seine Schützlinge, die zum größten Teil vom Jobcenter an die Jugendwerkstatt vermittelt werden, dabei eine ganze Menge.
Doch auch bei vom Jobcenter bewilligten Umzügen von Hartz-IV-Empfängern helfen sie, und lernen so, wie man mit Kunden umgeht und wie wichtig es ist, sich an Dinge wie Terminabsprachen zu halten. Werte, die ihnen im späteren Arbeitsleben helfen.
"Es ist toll zu sehen, wie sich die Leute entwickeln und was sie auch für persönliche Fortschritte in der Zeit, die sie bei uns sind, machen", erzählt Brandt.
Mit der Arbeit im öffentlichen Dienst fühle er sich sehr wohl. "Ich möchte etwas für die Gesellschaft tun."
Der Physik hat er aber trotzdem nach wie vor nicht den Rücken gekehrt. "Mein Traum ist es, irgendwann meinen Doktor in Physik zu machen", gesteht der Cuxhavener, der auch gerne im Privaten in Sachen Elektrotechnik bastelt. Wie zum Beispiel an einer solarbetrieben Musikbox für Festivals.
Wer weiß, vielleicht folgt irgendwann doch noch mal ein Studium. Da möchte sich der 25-Jährige erst mal aber nicht festlegen. Momentan sei er sehr glücklich mit dem Möbelhof und dem, was er damit erreiche. Nämlich jungen arbeitslosen Leuten zu einer Ausbildung verhelfen.