Milchtankstelle in Berensch gut angenommen
CUXHAVEN. Hauke Roßmann ist baff. "5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig", äußerte jüngst Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Ziemlich unqualifiziert, wie der Junglandwirt aus Berensch findet. Die Ministerin meinte damit das schnelle Internet, das überall verfügbar sein soll, aus ihrer Sicht auf dem Land aber nicht so wichtig ist.
"Das klassische Bild vom Landwirt gehört der Vergangenheit an", sagt Hauke Roßmann. Heute seien Landwirte auch High-Tech-Manager, die von ihrem PC im Büro viele Programme auf ihrem Hof und im Stall bedienen und steuern können. Dabei rufen sie viele wichtige Informationen aus elektronischen Datensammlungen ab. "Es ist nicht mehr wie früher, als meine Eltern mit der Hand unzählige Notizen schreiben mussten. Unser Leben und unsere Arbeit sind durch die Digitalisierung wesentlich einfacher geworden", unterstreicht der 26-Jährige.
Er bedauert: "Wir selber haben leider nur eine ganz schlechte bis manchmal gar keine Internet-Verbindung." Das ärgere ihn schon sehr. Daten zur Bestandskontrolle der Tiere auf dem Hof und beispielsweise Arzneimittelverwendung würden online erhoben und ständig von ihm aktualisiert.
Sein Beruf Landwirt ist für Hauke Roßmann sowohl Berufung als auch Passion und gelebte Verantwortung für Natur und Umwelt. In zehn Jahren sieht er sich als Familienvater, sagt er. Alle könnten sie von der Landwirtschaft leben, die Stalltechnik werde stetig angepasst, vieles laufe jetzt schon computergesteuert.
"Das Geld wird heute auch in der Landwirtschaft vermehrt im Büro verdient, immer weniger im Stall", erzählt der junge Bauer. Und doch bringe der Beruf, so schön er sein mag, zahlreiche Herausforderungen mit sich: Bei Hauke Roßmann beispielsweise dreht sich alles um die optimale Versorgung seiner 65 Milchkühe im Stall. Denn die Zeiten, in denen man einfach das gemähte Gras von der Wiese holte und den Tieren zum Fressen gab, sind vorbei. Heute besteht das Futter auf dem Roßmann'schen Hof aus vielfältigen Komponenten.
Die Roßmanns haben ihren Anbindestall zum Laufstall mit Melkroboter umgebaut. "Damit wollen wir was für das Tierwohl tun und die Arbeitsabläufe erleichtern. Die Kühe laufen frei und können, wann immer sie das Bedürfnis verspüren, in den Melkstand gehen." Die Kühe tragen ein Halsband, das sie mit dem Melkroboter verbindet. "Der Roboter wird komplett computergesteuert. Die Daten sind von der Firma abrufbar und die kann Einstellungen ändern, Updates durchführen und so den Roboter optimieren, ohne dass ein Techniker vor Ort sein muss", erklärt der Landwirt. In digitalen Lösungen sehe er großes Potenzial. Nicht zuletzt bleibe ihm mehr Zeit, die er für andere Aufgaben in seinem Betrieb nutzen könne. Und hier habe sich der Familienbetrieb breit aufgestellt, unter anderem im Bereich Selbstvermarktung. So ist die hofeigene Milchtankstelle - die erste im Cuxland überhaupt - 24 Stunden am Tag zugänglich. "Einfach einen Euro einwerfen, Gefäß in den Automaten unter den Zapfhahn stellen, fertig", meint Roßmann.
Bei aller Digitalisierung und Automatisierung, bei allen weiteren Fortschritten in den nächsten Jahren und Jahrzehnten: "Das Gefühl eines Landwirts für die Natur, für den Acker und die Tiere kann durch keine Technologie ersetzt werden", bekräftigt der Jungbauer. "Der Landwirt bleibt mit seinem Gespür und seiner Erfahrung unersetzbar. Der Mensch wird immer im Mittelpunkt bleiben." Von dem ewigen Lamentieren einiger seiner Berufskollegen über die Probleme, die Bauern umtreiben, hält der Landwirtssohn nichts. "Auch wenn es mitunter schwierig ist, will ich den Menschen bewusst machen, dass man stolz auf die Landwirtschaft sein kann, auf die Bauern, die täglich in der Frühe aufstehen, um hochwertige Produkte zu erzeugen." Um das zu vermitteln, bietet die Familie Kinderfreizeiten in Form eines Bauernhof-Tagescamps an und führt nebenbei einen kleinen Reiterhof für Kinder ab zwei Jahren.
Und - na klar: Auch der ländliche Raum brauche die Digitalisierung dringend, betont Hauke Roßmann. Ein Land ohne Netz biete auch Handwerkern und jungen Familien keine Perspektive.