An der Gedenkstätte Achtern Kugelfang in Sahlenburg - Ort des ehemaligen Schießstands - wird der in den letzten Kriegstagen ermordeten Widerstandskämpfer gedacht. Foto: Reese-Winne
NS-Regime

Mord an Widerständlern: TV-Bericht von Cuxhavener Schauplätzen

von Maren Reese-Winne | 18.04.2020

HELGOLAND/CUXHAVEN. Die letzten Zeitzeugen sprechen über Gewalt und Verbrechen in den letzten Kriegstagen vor 75 Jahren - Sonntag im Fernsehen.

Das Geschehen um die Bombardierung Helgolands, aber auch um die Ermordung der fünf Widerständler, die dieses Bombardement verhindern wollten, soll nach Informationen des Cuxhaveners Manfred Mittelstedt, 1. Vorsitzender des Verein für Gedenkkultur Cuxhaven, am Sonntag, 19. April, zwischen 19.30 und 20 Uhr im NDR-Fernsehen, Regionalprogramm Schleswig Holstein thematisiert werden.

Auch in Cuxhaven gedreht

Das Team drehte bei Astrid Friederichs in Hamburg (Herausgeberin des Buches "Wir wollten Helgoland retten"), mit Manfred Mittelstedt in Cuxhaven in Sahlenburg in den Wällen des ehemaligen Schießstands und am Gedenkstein für die Widerstandskämpfer sowie an den Gräbern in Brockeswalde und bei der Friedhofsverwaltung Cuxhaven. Laut Mittelstedt sind die am 21. April 1945 erschossenen Opfer am 26. April 45 am Rande des Friedhofs, im Feld H, verscharrt worden. Erst später wurden ihre Gräber zur Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof Brockeswalde überführt.

Tochter eines Opfers spricht

In einem Interview äußert sich Petronella Rösch, Cuxhaven, und Tochter des Ehepaars Braun. Mittelstedt: "Sie irrte am 20. April 1945 mit ihren beiden kleineren Geschwistern nach der Evakuierung der Zivilbevölkerung von Helgoland durch die Straßen von Cuxhaven auf der Suche nach den Eltern, die aber im Gefängnis saßen bzw. vom Kriegsgericht vernommen wurden. Am 21. April 1945 kam ein Schnellgericht ohne Verteidiger zusammen, verurteilte die fünf Widerständler zum Tode und die Ehefrau Julia als Mitwisserin zu drei Jahren Zuchthaus. Die Todesurteile an Georg Braun, Karl Fnouka, Erich Friedrichs, Kurt Pester und Martin Wachte wurden durch Konteradmiral Rolf Johannesson bestätigt. Das Gesuch eines Pastors um Aufschub wurde abgelehnt. Abends erfolgte die Hinrichtung."

Resolution gegen die Ehrung Rolf Johannessons

Konteradmiral Rolf Johannesson gilt in der Deutschen Marine nach wie vor als Vorbild, erst recht wegen des in seiner Autobiografie geschilderten Grundsatzes der "ganzen Wahrheit und Erziehung zur Zivilcourage". Doch er habe "zeitlebens verschwiegen, dass er in den Endsiegterror des NS-Regimes schuldhaft verstrickt war", heiß es in einer Resolution, die von zahlreichen Cuxhavenerinnen und Cuxhavenern, Hinterbliebenen, Historikern, Politikern und anderen unterschrieben worden ist.

Als Mitte April 1945 eine aus einem Bürger sowie vier Soldaten bestehende Widerstandsgruppe die Insel Helgoland vor der drohenden Bombardierung und Zerstörung retten wollte, wurde sie verraten und zum Tode verurteilt. Als Seekommandant Elbe-Weser und als Gerichtsherr habe Konteradmiral Rolf Johannesson diese Unrechtsurteile bestätigt, die ohne Verteidigung und gegen die Bitte eines Marinepastors um Aufschub erfolgten.

Sofort vollstreckt

Die Vollstreckung sei am 21. April 1945 innerhalb weniger Stunden nach der Verkündung der Todesurteile in Cuxhaven-Sahlenburg gefolgt.

Weiter heißt es: "Nach eigenem Bekunden rechnete Johannesson mit einem baldigen Kriegsende und ließ die fünf Männer für das gleiche Ziel hinrichten, das er selber angeblich anstrebte: Schutz der Heimat! Johannesson aber folgte genau den Weisungen, wie am 13. März 1945 vom Endsieg-Fanatiker und späteren Hitler-Nachfolger Dönitz von den ihm unterstellten Gerichtsherren der Kriegsmarine gefordert: ,Verteidigung ist nicht nötig, Vollstreckung innerhalb von 24 Stunden!‘

Schluss mit der Tradition

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner der Resolution beklagen, dass Johannessons Büste weiter in der Marineschule Mürwik präsentiert und ein Preis weiter nach ihm benannt wird. Sie fordern: "75 Jahre nach Kriegsende - Schluss mit der Tradition um Admiral Johannesson!

Am Dienstag, 21. April, soll der Opfer in einem kleinen Rahmen um 15 Uhr am Gedenkstein in Sahlenburg gedacht werden - mit großem Abstand und gegebenenfalls Mundschutz.

Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mreese-winne@no-spamcuxonline.de

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