Museum "Windstärke 10" in Cuxhaven präsentiert Sensationsfund
CUXHAVEN. Unvermutet ist man auf ein Wrack gestoßen: Das Cuxhavener Museum "Windstärke 10" präsentiert einen Teil des Sensationsfundes im Fischereihafen.
Anfang Januar 2019 ging ein heftiger Sturm über die Nordsee und türmte Wellenberge von über sechs Metern Höhe auf. Genug, um auch eines der größten Containerschiffe, die fast 400 Meter lange "MSC Zoe", ins Rollen zu bringen. Einzelne Container lösten sich dabei aus ihrer Laschung, rissen andere mit und stürzten ins Meer. Das Schiff verlor insgesamt 342 Container, viele andere wurden beschädigt. Die Bilder des havarierten Schiffs und der mit der Ladung der "Zoe" übersäten Strände gingen um die Welt.
Da einige der Stahlboxen problematische Substanzen enthalten hatten, wurden das deutsche wie das niederländische Wattenmeer nach der Fracht der "Zoe" abgesucht. Nördlich der niederländischen Insel Terschelling stieß eines der Bergungsschiffe dabei in etwa 25 Meter Tiefe unvermutet auf ein historisches Wrack.
Schiff knapp 500 Jahre alt
Herbeigerufene Archäologen untersuchten, was die Greifer des Bergungsschiffs noch übrig gelassen hatten und stellten fest, dass es sich um ein circa 1538 gebautes Schiff handelte. An Bord war eine wertvolle Fracht: etwa 850 runde und rechteckige Kupferplatten und 17 intakte Pakete mit weiteren rechteckigen Platten. Das Gesamtgewicht dieser Ladung lag bei über 13 Tonnen. Unter den Platten hatte sich ein Teil des hölzernen Schiffsrumpfs erhalten. Konstruktive Details lassen vermuten, dass das etwa 30 Meter lange Schiff in den Niederlanden gebaut worden war.
Besonders interessant war für die Forscher, dass die Kupferplatten den Stempel des berühmten Augsburger Handelshauses Fugger trugen. Die Untersuchung des Kupfers ergab, dass das wertvolle Metall aus einer Mine in der heutigen Slowakei stammte. Sie war Teil des Fugger-Imperiums.
Aus historischen Quellen ist bekannt, dass die Fugger ihr Metall von dort häufig auf dem Landweg zu Ostseehäfen transportieren ließen. Per Schiff wurde es dann nach Antwerpen und weiter nach Lissabon gebracht. Durchaus möglich, dass sich auch diese Ladung auf dem Wege dorthin befand.
Außergewöhnlicher Fund
Eine solch außergewöhnliche Entdeckung macht natürlich Schlagzeilen. So wurde auch Dr. Jenny Sarrazin, Leiterin des Museums "Windstärke 10", auf den Wrackfund aufmerksam. Da sie gerade an einer neuen Sonderausstellung arbeitete, die sich unter dem Motto "Abgetaucht!" mit historischen Wracks in der Nordsee beschäftigt, nahm sie mit den niederländischen Kollegen Kontakt auf. Diese waren nicht nur gerne bereit, die Sonderausstellung zu unterstützen, sondern boten auch an, dass der "Rijsdienst voor het Cultureel Erfgoed" dem Museum "Windstärke 10" einige der historischen Kupferplatten als Dauerleihgabe zu überlassen würde.
Wenn das Museum nach Beendigung der durch Corona bedingten Zwangspause wieder seine Türen öffnet, können Besucher also nicht nur die Schau "Abgetaucht!", sondern als Teil der ständigen Ausstellung auch drei Kupferplatten aus dem 16. Jahrhundert mit stolzen Durchmessern bis zu 114 Zentimetern bewundern. (red/jp)