Offenbar schon wieder verkauft: Die RFR Holding hat keine weitere Verwendung für das Karstadt-Kaufhaus in der Innenstadt. Foto: Scheschonka
Offenbar schon wieder verkauft: Die RFR Holding hat keine weitere Verwendung für das Karstadt-Kaufhaus in der Innenstadt. Foto: Scheschonka
Neue Pläne fürs Grundstück

Nach Leerstand in Bremerhaven: Karstadt-Haus wieder verkauft

01.01.2021

BREMERHAVEN. Die Bremerhavener Karstadt-Kaufhausimmobilie ist wieder verkauft. Der neue Besitzer ist auch bekannt. Die Stadt ist allerdings leer ausgegangen.

Die Bremerhavener Stadtverwaltung ist offenbar mit ihrem Vorhaben gescheitert, das Karstadt-Haus in der Fußgängerzone zu kaufen. Die Frankfurter RFR Holding soll sich mit einer US-amerikanischen Beteiligungsgesellschaft darüber einig sein, dass sie den gesamten Komplex übernimmt. Die Amerikaner sollen mehr als das Doppelte zahlen, als der Magistrat geboten hat.

Für Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) dürfte die Nachricht ein herber Rückschlag sein: Er wollte mit dem Ankauf nicht nur einen jahrelangen Leerstand in der "Bürger" verhindern, sondern der Kommune auch die Möglichkeit bieten, die gesamte Innenstadt neu zu entwickeln. Er kenne keine Details zu dem Verkauf, sagte Grantz auf Nachfrage. Sofort im Januar werde er aber das Gespräch mit den künftigen Eigentümern suchen. "Mein Ziel ist es, die Innenstadt zu entwickeln", sagt Grantz. Und das müsse sich auch der Käufer zu eigen machen, damit sich seine Investition lohne.

Abriss soll folgen

Angeblich soll der Magistrat für das in die Jahre gekommene Gebäude RFR einen höheren einstelligen Millionenbetrag geboten haben, um es so schnell wie möglich abzureißen und auf dem Grundstück ganz neue Ideen mit Einzelhandel, Gastronomie, Büros, Wohnungen und öffentlichen Gebäuden zu entwickeln. Mit mehreren Investoren waren Grantz und Bürgermeister Torsten Neuhoff (CDU) darüber schon in Gespräche eingestiegen, als sie zu der Überzeugung gelangt waren: RFR kann mit dem ab Mitte Januar leer stehenden Haus gar nichts anfangen.

Dabei hatte Grantz ursprünglich in RFR sogar die große Hoffnung gesetzt, den Standort gemeinsam entwickeln zu können. Die Frankfurter hatten damit in anderen Städten bereits Erfolg. "Ich bin erfreut, dass das Gebäude nach Aussage von RFR auf keinen Fall über einen längeren Zeitraum leer stehen soll", hatte der Oberbürgermeister nach einem ersten Gespräch gesagt. Er sprach anfangs von einer "partnerschaftlichen Zusammenarbeit". Der Verkauf des Kaufhauses war erst Ende Oktober unter Dach und Fach, als beinahe zeitgleich der Räumungsverkauf startete.

Nie Interesse gehabt?

Wie es nun aussieht, hat RFR vermutlich nie ein Interesse am Standort gehabt. Karstadt in der "Bürger" hatten sie in einem Paket mit zehn weiteren Kaufhäusern gekauft, nach nicht einmal acht Wochen sollen sie nun ebenfalls im Paket an die Amerikaner weiterverkauft werden. Käufer soll die börsennotierte Apollo Global Management oder eine ihrer Töchter sein. Denen gehört auch die Oldenburger Landesbank OLB. Das Unternehmen wird zu den weltweit größten Beteiligungsgesellschaften gezählt.

Nach unbestätigten Angaben soll ein Kaufpreis von 17 Millionen Euro vereinbart sein - Branchenexperten halten den für völlig überzogen. Vor zwei Jahren noch soll ein Interessent zwölf Millionen für das Kaufhaus geboten haben - wenn Karstadt gleichzeitig für die nächsten zehn Jahre als Mieter geblieben wäre. Eine Anfrage bei RFR zum Verkauf nach Amerika blieb unbeantwortet.

Nach 93 Jahren in der Innenstadt soll bei Karstadt am 18. Januar der letzte Verkaufstag sein. Unklar ist jedoch, welchen Einfluss der Shutdown auf diese Pläne hat. Mit Aushilfen verlieren etwa 100 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz.

Von Thorsten Brockmann

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