Neuer Chef im Finanzamt Cuxhaven - und der hat gleich einiges zu tun
CUXHAVEN. Lutz Klug verlässt das Finanzamt Cuxhaven. Jetzt wurde sein Nachfolger als Vorsteher bei der Amtsübergabe im kleinen Kreis vorgestellt.
Nach 14 Jahren als Vorsteher des Finanzamts Cuxhaven ist Lutz Klug zum 1. August in gleicher Funktion ins Finanzamt Wesermünde gewechselt. Am Mittwoch wurde die Amtsübergabe im kleinen Kreis in Cuxhaven vollzogen. Mit Volker Poeschel ist ein Mann als Nachfolger angetreten, der nicht nur das Haus, sondern auch die Stadt bestens kennt.
Der gebürtige Hannoveraner wohnt mit seiner Familie in Cuxhaven und war bereits von 1999 bis 2005 im hiesigen Finanzamt tätig. 13 Jahre lang leitete er zuletzt das Finanzamt Nordenham. Nicht umsonst werten beide Amtsleiter den Wechsel als Win-win-Situation: Lutz Klug wohnt in Bremerhaven unweit des neuen Dienstsitzes und Volker Poeschel bleiben künftig die Fahrten auf die andere Weserseite erspart.
In den zurückliegenden 14 Jahre hat Lutz Klug in Cuxhaven einen weit greifenden Generationswandel begleitet. Rund ein Drittel der Beschäftigten sei in der Zeit in den Ruhestand gegangen, berichtet Klug. Einer der Schwerpunkte habe daher auf der Ausbildung des eigenen Nachwuchses gelegen. "Und dieser Prozess ist auch noch nicht zu Ende", betont er.
Nachwuchs laufend gesucht
"Gleich nach den Sommerferien werden wir auf die Suche nach neuen Auszubildenden für das kommende Jahr gehen", so Volker Poeschel. Als größte Herausforderung kündigt sich aber die Umsetzung des gerade erst am 7. Juli im Landtag verabschiedeten Grundsteuergesetzes an - ein Thema, mit dem sich über kurz oder lang alle Hausbesitzerinnen und -besitzer werden auseinandersetzen müssen.
Das niedersachsen-spezifische Gesetz ist für die umsetzenden Behörden - die Finanzämter ebenso wie für die Kommen, die die Grundsteuer erheben - Neuland. Die sogenannte Einheitsbewertung der Grundstücke nehmen die lokalen Finanzämter vor. Laut dem jetzt beschlossenen Fläche-Lage-Modell spielt dann für die Berechnung der Grundsteuer nicht nur die Grundstücksgröße, sondern auch die Lage der jeweiligen Immobilie (das ist neu) eine gewichtige Rolle. Auf die Auswirkungen gerade in einem Touristikstandort wie Cuxhaven ist Volker Poeschel gespannt.
Türen wieder auf
Das laufende Jahr steht noch ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Seit dem 1. Juli ist das Amt in Cuxhaven wieder für den allgemeinen Publikumsverkehr geöffnet, aber beide Amtsleiter legen Wert auf die Feststellung, dass die Bediensteten durchgehend telefonisch erreichbar gewesen seien.
"Natürlich haben wir ein Interesse daran, die Inzidenz zu beeinflussen, und zwar in Richtung null", stellt Volker Poeschel fest. Denn letztendlich bedeute jeder Lockdown auch sinkende Steuereinnahmen aus der Wirtschaft. "In Cuxhaven scheinen wir noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein", deutet er an.
Wegen der Corona-Pandemie ist die Abgabefrist für die private Einkommensteuererklärung in diesem Jahr einmalig um drei Monte verlängert worden. Da der 31. Oktober ein Sonntag ist, ist in Niedersachsen der Stichtag auf den 1. November gelegt worden. Bis dahin besteht also noch Zeit, gegebenenfalls die Infothek des Finanzamts zu nutzen, sich telefonisch Rat zu holen oder sich in die Online-Steuererklärung über die Elster-Software einzuarbeiten; ein Trend, der zumindest in Nordenham durch die Pandemiezeit einen Aufschwung erlebt habe, so Poeschel.
Verabschiedung in Cuxhaven
Nachdem Christoph Arntz, Vizepräsident im Landesamt für Steuern Niedersachsen (LStN), wenige Tage zuvor Lutz Klug als neuen Vorsteher im Finanzamt Wesermünde begrüßt hatte, verabschiedete er diesen am Mittwoch in Cuxhaven. Auch dem neuen Vorsteher Volker Poeschel wünschte er alles Gute und eine glückliche Hand für die vor ihm liegenden Aufgaben.
Volker Poeschel ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Im März 1994 trat er beim Finanzamt Hildesheim in den Dienst der niedersächsischen Steuerverwaltung und war danach in Buchholz, Stade und Cuxhaven tätig.
Das Finanzamt Cuxhaven hat aktuell 131 Beschäftigte und deckt den Bereich von Cuxhaven bis Hadeln ab. Rund 32.000 Einkommensteuer-Erklärungen (davon etwa 19.400 aus dem Kreis der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer), 1150 Körperschaften und 516 Vereine führten im Kalenderjahr 2020 zu einem Steueraufkommen im Finanzamtsbezirk Cuxhaven von rund 314 Millionen Euro.
Informationen zum Finanzamt Cuxhaven und zur Steuerverwaltung Niedersachsen auch unter https://lstn.niedersachsen.de/ sowie (https://lstn.niedersachsen.de/imagefilm
Flächen-Lage-Modell kommt
Die Grundsteuer hat für die kommunalen Haushalte eine enorme Bedeutung. Nach der Gewerbesteuer und dem Gemeindeanteil an der Einkommensteuer stellt die Grundsteuer die drittgrößte Einnahmequelle der Kommunen dar. Allein in Niedersachsen belief sich das Grundsteueraufkommen im Jahr 2020 auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro, bundesweit auf rund 14 Milliarden Euro.
Nachdem das Bundesverfassungsgericht die gesetzlichen Regelungen zur Grundsteuer für unvereinbar mit dem allgemeinen Gleichheitssatz der Verfassung erklärt hat, musste der Gesetzgeber die Grundsteuer reformieren, um das Aufkommen für die Kommunen zu sichern und die Neuregelungsfrist des Bundesverfassungsgerichts einzuhalten. Ab 2025 kann die Grundsteuer nur noch nach neuem Recht erhoben werden.
Der Bund hat den Ländern die Möglichkeit gegeben, eigenes Landesrecht für die Grundsteuer zu schaffen. Niedersachsen hat sich entschieden, mit dem Flächen-Lage-Modell nicht ausschließlich die Größe der Grundstücke zu betrachten. Da hierfür nur eine Hauptfeststellung nötig ist, wird auch auf schlanke Verwaltungsvorgänge gehofft. Auf der Grundlage der Einheitsbewertungen der Finanzämter errechnen die Kommunen ihre künftigen Grundsteuerbescheide.