Die Gesundheitsämter in Niedersachsen arbeiten am Limit- zum Teil hilft die Bundeswehr bei der Kontaktverfolgung - in Cuxhaven ist das noch nicht notwendig. Foto: Julian Stratenschulte/dpa 
Corona-Pandemie

Niedersachsens Gesundheitsämter sind hart an der Belastungsgrenze

von Redaktion | 04.11.2020

NIEDERSACHSEN. Wer hat wen angesteckt? Dieser Frage gehen die Gesundheitsämter in Niedersachsen täglich mit Tausenden Telefonaten nach. Und kommen an ihre Belastungsgrenzen.

Die Gesundheitsämter in Niedersachsen arbeiten bei der Bewältigung der Corona-Krise nach Angaben des Landkreistages hart an der Belastungsgrenze und brauchen dringend personelle Hilfe. 

Unterstützung wird vor allem für die Kontaktnachverfolgung gebraucht, die als wichtigste Maßnahme gilt, um die Pandemie einzudämmen. «Die Infektionszahlen steigen täglich und die seit Montag geltenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens werden bestenfalls in einer Woche spürbar werden», sagte Hauptgeschäftsführer Hubert Meyer der Deutschen Presse-Agentur.

1400 Landesbeamte aussenden

«Umso wichtiger ist es, dass schnell personelle Unterstützung von außen kommt.» Teams von Hilfsorganisationen seien genauso notwendig wie die Zuweisung von Landespersonal, sagte Meyer.

Das Land Niedersachsen will bis zu 1400 Landesbeamte in die kommunalen Gesundheitsämter ausleihen, um bei der Kontaktnachverfolgung zu unterstützen. Die zusätzlichen Kräfte sollen den Gesundheitsämtern aber erst vom kommenden Montag an schrittweise zur Verfügung stehen, um Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu bekommen, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD).

Tausende Telefonate

Der Landkreis Cloppenburg, wo sich in den vergangenen sieben Tagen fast 300 Menschen pro 100 000 Einwohner mit dem Virus Sars-CoV-2 ansteckten, ist besonders gebeutelt. Bei den meisten Gesundheitsamt-Beschäftigten sei die Belastungsgrenze erreicht, sagte Kreissprecher Frank Beumker. 

«Wir haben immer versucht, gegenzusteuern, das Personal aufzustocken.» Statt 57 Menschen arbeiteten dort zuletzt 130, Unterstützung kommt auch von der Bundeswehr und dem Roten Kreuz. Landrat Johann Wimberg sagte, es müssten Tausende von Telefonaten bewältigt werden. «Viele Leute gehen nicht ans Telefon, dann muss man Kilometer lange Strecken abfahren und erreicht auch dann nicht immer die Betroffenen vor Ort.»

Unterstützung aus anderen Abteilungen

Auch im Gesundheitsamt im Landkreis Vechta ist die Arbeitsbelastung enorm, wie Kreissprecher Jochen Steinkamp berichtet. «Aber wir kommen mit der Kontaktermittlung und dem In-Quarantäne-Versetzen noch hinterher.» 15 weitere Vollzeitstellen wurden dort im Gesundheitsamt geschaffen, bei Bedarf unterstützen Mitarbeiter aus anderen Abteilungen. 

Mit einem «Symptomtelefon» werden die Menschen betreut, für die Quarantäne verhängt wurde. «Wir versuchen schon, sie regelmäßig anzurufen und zu fragen, wie es bei ihnen ausschaut, wie es ihnen geht», sagte Steinkamp. Der Inzidenzwert im Kreis Vechta lag am Dienstag bei 264.

Lage angespannt

In der ebenfalls stark betroffenen Stadt Delmenhorst sagte Corona-Krisenstabsleiter Rudolf Mattern, das Gesundheitsamt könne alle Fälle tagesaktuell abarbeiten. «Dies führt auch zu wieder sinkenden Inzidenz-Zahlen.»

Die Lage im Gesundheitsamt sei zwar angespannt, die Mitarbeiter seien aber hoch motiviert, weiterhin alles im Griff zu behalten. In Delmenhorst sind derzeit 60 Menschen im Gesundheitsamt mit der Corona-Problematik beschäftigt.

Personal ausgeweitet

Im Landkreis Cuxhaven ist laut Landrat Kai-Uwe Bielefeld bisher gelungen, alle notwendigen Kontakverfolgungen vorzunehmen - weil das Personal erheblich ausgeweitet wurde. Mindestens 30 Verwaltungsangestellte hat der Landkreis umgeschult, hinzu kommen externe zusätzliche Mitarbeiter. (dpa/lab)

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