Strandung vor der afrikanischen Küste: Die Aufnahme aus dem Helikopter zeigt die schwierige Situation. Im Vordergrund der gestrandete Thunfisch-Trawler, in etwa 800 Metern Entfernung der Bergungsschlepper, dazwischen das Arbeitsschiff, mit dem der Schleppdraht ausgebracht worden war. Foto: Stein
Strandung vor der afrikanischen Küste: Die Aufnahme aus dem Helikopter zeigt die schwierige Situation. Im Vordergrund der gestrandete Thunfisch-Trawler, in etwa 800 Metern Entfernung der Bergungsschlepper, dazwischen das Arbeitsschiff, mit dem der Schleppdraht ausgebracht worden war. Foto: Stein
Schifffahrt

Norbert Harms: Ein Kapitän für besondere Bergungseinsätze

21.03.2019

CUXHAVEN. Norbert Harms ist zwar seit einigen Jahren Rentner, als Berater für Schleppen und Bergen aber immer noch sehr gefragt. Im vergangenen Jahr erhielt er einen Anruf aus Südafrika. Ein Trawler war vor der Küste gestrandet.

Wenn es um das Thema Schleppen und Bergen geht, ist Norbert Harms ein gefragter Mann. Das war schon in seiner aktiven Zeit so, als er noch bei der Schleppreederei Bugsier in Bremerhaven als Inspektor beschäftigt war. Daran hat sich aber bis heute nicht viel geändert. Der Cuxhavener ist auch als Rentner noch ein gefragter Berater.

Fachleute wissen, wie viele knifflige Jobs der Franzenburger in seinen 40 Berufsjahren im Schleppgeschäft und für die Offshore-Industrie erledigt hat. "Zu einer erfolgreichen Schiffsbergung gehört eine Menge Erfahrung und manchmal auch ein bisschen Glück", erzählt Harms.

Im April vergangenen Jahres erhielt der Kapitän einen Anruf aus Namibia im Süden Afrikas. Am Telefon war sein Neffe Frank Stein, der in der Nähe von Jakobsmund eine Flotte von Hubschraubern und kleinen Flugzeugen betreibt. Auch er suchte den Rat des erfahrenen Bergungskapitäns.

Was war passiert? Eine japanische Reederei hatte vor der Küste einen Thunfisch-Trawler verloren, der im Sturm vor einem einsamen Abschnitt der Skelettküste aufgelaufen und auf einem Unterwasserhindernis leckgeschlagen war. An Land nichts als menschenleere Wüste.

Der Pilot Stein hatte den Auftrag erhalten, elf Besatzungsmitglieder mit dem Helikopter von Bord zu holen und anschließend Bergungsgerät zum Havaristen zu fliegen. Ein Rennen gegen die Zeit begann. Nach kurzer Zeit meldete der an Bord gebliebene Kapitän Wassereinbruch im Maschinenraum. Die starke Brandung schob den 68 Meter langen Trawler immer weiter in Richtung Strand.

Nun war guter Rat teuer. Harms ließ sich die Situation genau schildern und bekam Fotos und Videos geschickt. Am Computer in seinem Haus in Franzenburg analysierte er die Situation und entwickelte innerhalb weniger Stunden ein Konzept für die Bergung.

Seine Idee: Mit einer Reihe von aufblasbaren Hebesäcken sollte es gelingen, den leckgeschlagenen Rumpf um ein bis zwei Meter anzuheben und ihn dann mit Schlepperhilfe vom Riff herunter in tiefes Wasser zu ziehen. Zunächst aber mussten Öl und Treibstoffe abgepumpt und in Sicherheit gebracht werden.

"Mein Konzept kam dann aber doch nicht zum Einsatz", bedauert Harms. "Ich bin ziemlich sicher, dass es funktioniert hätte." Ein afrikanisches Bergungsunternehmen versuchte es ohne die Hebesäcke, stattdessen mit einem großen Bergungsschlepper, ähnlich der "Oceanic" der Bugsier-Reederei, die Harms lange Zeit in seiner Flotte hatte und weltweit einsetzte.

Das Problem: Aufgrund des großen Tiefgangs konnte der Schlepper nicht näher als 800 Meter an den Havaristen herankommen. Bei dieser Entfernung einen tonnenschweren Schleppdraht auf ein Schiff zu bringen, das dazu noch über keine funktionsfähigen Winden mehr verfügt, sei ein Abenteuer der besonderen Art, so Harms. Benötigte Schwimmkörper, die die Schleppleine an der Wasseroberfläche halten sollten, wurden mit Helikoptern eingeflogen. Die immerwährende Atlantikbrandung erschwerte die ohnehin kniffligen Arbeiten zusätzlich.

Bevor der Schleppdraht am Heck des gestrandeten Trawlers befestigt werden konnte, musste an Deck eine Vorrichtung aufgeschweißt werden, die die enorme Zugkraft des Hochseeschleppers von rund 100 Tonnen aufnehmen konnte. "Der normale Poller wäre sofort aus der Verankerung geflogen", weiß Harms aus Erfahrung. Per Internet hatte er den afrikanischen Bergern Anweisungen und eine Konstruktionszeichnung für das sogenannte Smitbreak geschickt.

Sein Plan ging auf, der Schlepper konnte mit voller Leistung ziehen. Ein Erfolg wurde der Bergungsversuch dennoch nicht. Zu hoch hatte die Brandung den Havaristen bereits auf das Riff gesetzt. Zunächst rührte er sich ein wenig, legte sich dann aber auf die Seite und ließ sich nicht mehr vom Riff ziehen, erzählt Harms. Ein Jammer, denn das Fischereischiff war zum Zeitpunkt des Unglücks gerade einmal sechs Jahre alt, in gutem Zustand und dazu mit 80 Tonnen Schwarzem Thunfisch beladen, für den die Japaner Höchstpreise zahlen.

Das alles ist inzwischen fast ein Jahr her. Harms steht aber mit seinem Neffen noch regelmäßig in Kontakt. Inzwischen ist die "Fokuseki Maru 7" nicht mehr zu retten. Jetzt geht es nur noch um die Frage, wie das Wrack zerlegt und die Teile abtransportiert werden können, wobei vermutlich Helikopter zum Einsatz kommen werden, meint Harms.

Aber nicht nur in Afrika ist Harms' Rat gefragt. Regelmäßig trifft er sich mit dem Chef des Havariekommandos Hans-Werner Monsees in Cuxhaven auf einen Kaffee.

Auch im Offshore Trainings Center (O.S.T.) am Fährhafen geht Harms ein und aus. Dort fährt er das schnelle Einsatzboot als Kapitän, mit dem Kursteilnehmer zum Kletter- und Abseiltraining zur Bake Golf in der Elbmündung gebracht werden. Harms sitzt dann am Ruder und steuert das schnelle Boot mit über 700 PS über die Elbe.

Beteiligt war der Cuxhavener auch 2010 als Berater beim Bau des größten deutschen Notschleppers, der "Nordic". Vom Helgen bis zur Fertigstellung hat er den Neubau begleitet. Zuständig war Harms insbesondere für die Schiffssicherheit.

Der Seefahrer ist im wahrsten Sinne des Wortes am Hafen aufgewachsen. Weil sein Vater Betriebsmeister am Seefischmarkt war und die Familie eine Wohnung über der Fischhalle I bewohnte, konnte er das Kommen und Gehen der Schiffe als Kind quasi vor der Haustür verfolgen. Eigentlich hatte er Krabbenfischer werden wollen, doch sein Vater bestand darauf, dass er die Schiffsjungenschule in Elsfleth besuchte. So machte Harms seinen Weg zunächst in der Frachtschifffahrt vom Matrosen bis zum Kapitän auf großer Fahrt.

Zu seiner Bestimmung sollte jedoch schon früh die Schleppschifffahrt werden. Zunächst fuhr Harms auf Schleppern der Reederei Hapag Lloyd vor allem auf der Außenweser vor Bremerhaven und später große Bohrinselversorger und Ankerziehschlepper, die in den Ölfeldern in der nördlichen Nordsee eingesetzt wurden. Harms blieb dem spannenden Geschäft treu als das Unternehmen von der Bugsier-Reederei übernommen wurde, für die er noch 14 Jahre als Nautischer Inspektor tätig war.

Auch wenn er zusammen mit seiner Frau gerne mit dem Wohnmobil auf Reisen geht - sein Lieblingsplatz ist immer noch der Cuxhavener Hafen, wo fast jeder den freundlichen Bartträger mit dem Elbsegler kennt.

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