So sieht die Planung für das "Terminal für verflüssigte Gase" in Stade-Bützfleth aus. Das zum Elbstrom durch eine Spundwand abgesicherte Hafenbecken (links) soll zwei Tankschiffe gleichzeitig aufnehmen können. Für den landseitigen Teil könnte eine Teil der bei der DOW vorhandenen Infrastruktur (rechts) genutzt werden. Grafik: Niedersachsen Ports
So sieht die Planung für das "Terminal für verflüssigte Gase" in Stade-Bützfleth aus. Das zum Elbstrom durch eine Spundwand abgesicherte Hafenbecken (links) soll zwei Tankschiffe gleichzeitig aufnehmen können. Für den landseitigen Teil könnte eine Teil der bei der DOW vorhandenen Infrastruktur (rechts) genutzt werden. Grafik: Niedersachsen Ports
Neben Wilhelmshaven und Brunsbüttel

Dritter Standort: NPorts plant Flüssiggas-Terminal in Stade

29.03.2022

CUXHAVEN/STADE. Verflüssigtes Erdgas (LNG) gilt als möglicher Lückenfüller, sollte Russland seine Gaslieferungen nach Europa einstellen.

Das Flüssigerdgas könnte aus den USA oder Katar importiert und per Tankschiff nach Deutschland gebracht werden. Noch fehlt hierzulande jedoch die Hafeninfrastruktur. Das soll sich unter anderem mit einem LNG-Terminal in Stade ändern. Die Pläne dafür liegen auf dem Tisch. Das Antragsverfahren für das Großprojekt soll noch vor Ostern starten. Die Stadt Stade stellt die planungsrechtlichen Weichen.

Derzeit sind rund 800 Millionen Euro für das Terminal auf dem Gelände des Chemiekonzerns Dow Chemical einkalkuliert, plus etwa 150 bis 200 Millionen Euro für die öffentlichen Hafenanlagen. Niedersachsen Ports will den Hafen in Nachbarschaft zur DOW bauen. Die planungsrechtlichen Voraussetzungen habe man in den vergangenen Monaten bereits geschaffen, erklärte Pressesprecherin Dörte Schmitz von NPorts in Oldenburg. Für die Umsetzung des Bauvorhabens ist die NPorts- Niederlassung in Cuxhaven verantwortlich, von wo aus auch der laufende Betrieb des Industriehafens in Stade gesteuert wird.

Vorausschauende Planung

Seit Jahren fährt Niedersachsen Ports die Strategie der vorausschauenden Planung, insbesondere mit Blick auf die notwendige Energiewende. "Wissend, dass Genehmigungsverfahren fachlich und zeitlich sehr aufwendig sind, werden die Planungen von uns frühzeitig durchgeführt. Das ermöglicht eine sofortige Handlungsfähigkeit, wenn der Bedarf da ist. Ähnlich verhält es sich mit der Instandhaltung von Hafenanlagen. Durch dieses Vorgehen sind die Häfen von Niedersachsen Ports heute in der Lage mit den plangenehmigten Liegeplätzen 5-7 in Cuxhaven, den Umschlagsanlagen Niedersachsenbrücke und UVG in Wilhelmshaven sowie mit dem Flüssiggas-Anleger in Stade auf die veränderten Anforderungen sofort reagieren und ein Angebot schaffen zu können, erklärt NPorts-Geschäftsführer Holger Banik.

Als Investor und späterer Betreiber für die landseitige Anlage des LNG-Terminals tritt die Hanseatic Energy Hub (HEH) auf, eine Kooperation des Gasinfrastrukturbetreibers Fluxys aus Belgien, mit der Partners Group aus der Schweiz und der hamburger Buss-Gruppe aus dem Bereich Hafen und Logistik. Laut geschäftsführenden Gesellschafter der HEH, Johann Killinger, will das Unternehmen die Antragsunterlagen für das milliardenschwere Projekt zu Ostern einreichen. Zunächst hieß es bis zum Sommer. Aufgrund der veränderten politischen Lage ist der Zeitdrucke gewachsen.

"Wir werden unsere Genehmigungsunterlagen Ostern einreichen. Damit werden wir Ende 2026 bereit sein, in der Spitzenlast rund zehn Prozent des deutschen Gasbedarfs zu decken", erklärte die Sprecherin des Unternehmens, Rebecca Ritter, am Montag auf Nachfrage.

Um mittelfristig LNG direkt importieren zu können, kündigte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) als Reaktion auf den Ukraine-Krieg an, jetzt schnell zwei LNG-Terminals in Deutschland zu bauen. Dabei nannte er zunächst Brunsbüttel und Wilhelmshaven als Standorte. Doch auch die Planungen für den Standort Stade sind ebenfalls bereits weit fortgeschritten und werden jetzt weiter forciert.

Olaf Lies für zwei Standorte

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat kürzlich festgestellt: "Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass beide niedersächsische Standorte (Wilhelmshaven und Stade) notwendig sind".

Auch Landrat Kai Seefried (CDU) ist von der Notwendigkeit eines LNG-Terminals in Stade überzeugt. "Das Stader Terminal kommt definitiv", wurde er kürzlich vom Stader Tageblatt zitiert.

Die Investoren hoffen nun auf ein beschleunigtes Verfahren, damit tatsächlich in absehbarer Zeit die Gaslieferungen aus Russland effektiv kompensiert werden können.

Insgesamt gibt es in den EU-Mitgliedsstaaten bislang 26 LNG-Terminals, deren Auslastung auch noch weiter hochgefahren werden könne. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwies kürzlich darauf, dass die Europäische Union (EU) eine zeitweise Unterbrechung der russischen Erdgaslieferungen durch den gesteigerten Import von Flüssiggas kompensieren könnte. Denn die Angst, der russische Präsident Wladimir Putin könnte Europa als Reaktion auf EU-Sanktionen wegen des Kriegs in der Ukraine den Gashahn abdrehen, wächst.

Was ist LNG?

LNG (Liquefied Natural Gas) ist die Bezeichnung für Flüssigerdgas. Um LNG zu erhalten, wird Erdgas von Schwefel, Stickstoff und Kohlendioxid gereinigt und auf Temperaturen von bis zu minus 162 Grad Celsius abgekühlt. Dadurch wird Erdgas verflüssigt. Dieser Prozess verringert das Volumen um das 600-fache. Dadurch können idealerweise per Schiff sehr große Mengen des verflüssigten Energieträgers transportiert und gelagert werden. Das Cuxhavener Helgolandschiff "Helgoland" wird mit LNG betankt, das zur Zeit noch per Lkw aus den Niederlanden versorgt wird.

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