OB-Wahl: Santjer mit dem Rad in Richtung Rathaus
CUXHAVEN. Santjer möchte an der Martinskirche starten. Es ist Sonntag, und der Treffpunkt für die vorgesehene Radtour ist mit Bedacht gewählt.
Kirche und Kindertagesstätte liegen in Ritzebüttel direkt nebeneinander. Kirche und Kita sind in biografischer, aber auch in politischer Hinsicht zwei Fixpunkte im Leben des SPD-Landtagsabgeordneten, der sich in diesen Tagen um das Amt des nächsten Cuxhavener Oberbürgermeisters bewirbt.
"Die Martinskirche hat für mich eine besondere Bedeutung, weil hier mein berufliches Leben begonnen hat." Uwe Santjer lässt sein Rad ausrollen und kommt sofort auf den Punkt: In der Gemeinde habe er seinen Zivildienst absolviert. Die Gemeindeschwester zu begleiten - hinter die Wohnungstüren von Menschen, die der Pflege oder der Fürsorge bedurften, habe ihn maßgeblich geprägt. Ebenso die integrative Arbeit in seinem ursprünglichen Beruf als Erzieher.
Welche Stationen haben darüber hinaus "Spuren" hinterlassen im Leben des 53-jährigen Altenwalders? Antworten erhoffen wir uns von der vor uns liegenden Radtour, deren Verlauf nicht unbedingt von sportlichem Ehrgeiz bestimmt wird. Vielmehr wollen wir uns einen Vormittag lang vom SPD-OB-Kandidaten durch "sein" Cuxhaven führen lassen: Am Ritzebütteler Marktplatz vorbei durch Süderstein- und Wernerstraße in Richtung Bahnhof. "Im Dobben haben wir auch mal gewohnt, ganz zu Anfang", wirft Santjer ein, nachdem rechter Hand die "Siedlung"-Häuser vorbeifliegen. Der Bahnhofsvorplatz sei ein guter Ort für einen Zwischenstopp, findet der Kandidat ein paar Pedalumdrehungen später. "Der neue Bürgerbahnhof ist für mich ein Zeichen für die Kraft, die wir in Cuxhaven haben", betont Santjer. Ist das Empfangsgebäude nun ein Symbol für Ankunft oder für Aufbruch? Gemeinsam beginnen wir ein wenig zu philosophieren - und landen schließlich bei der Frage, ob es im Leben des Kandidaten Momente gegeben hat, in denen es ihn gejuckt hat, in die weite Welt hinauszuziehen. "Ja", antwortet Uwe Santjer und erzählt von einer Stelle in Madrid, deren Antritt die Geburt seiner ersten Tochter durchkreuzte. "Irgendwie bin ich doch Heimschläfer", ergänzt der Familienvater und kommt auf eine zweite Begebenheit zu sprechen: Eine Offerte der Landeskirche in Hannover schlug er aus, um seiner Geburtsstadt treu bleiben zu können.
Bezug zu Fisch und Hafen
Über die Frage, was Uwe Santjer unter dem Begriff "Heimat" versteht, sprechen wir schließlich an einer späteren Station unserer Tour. "Heimat hat für mich mit Geborgenheit zu tun, aber auch mit Verantwortung", sagt Santjer und spricht von einem Gefühl des Miteinanders. Kostproben sind an diesem Tag im Vorbeifahren zu erleben: Überall begegnen wir Leuten, die Santjer kennen, grüßen, mit dem Kandidaten ein paar Worte wechseln. Wie etwa Michael Ditzer: Der Vorsitzende der Fischwirtschaftlichen Vereinigung gewährt uns einen Blick in ein paar Kisten Rohware: Steinbutt, Seeteufel und Katfisch, ganz frisch eingetroffen. "Ich krieg ein bisschen Gänsehaut", sagt Santjer schließlich, als der Wind den Ton eines Schiffshorns zu uns hinüberweht. Dann erzählt er von seinem Vater, der zur See gefahren ist, spricht von Abschied und Wiedersehen im Alten Fischereihafen. "Deshalb ist das für mich ein besonderer Ort", sagt der OB-Kandidat - und macht keinen Hehl daraus, dass er die Entwicklungspläne für den Alten Fischereihafen begrüßt. Als "Herzkammer der Stadt" soll er fortan die Wirtschaftsfaktoren Fisch und Tourismus miteinander verbinden. Die Aufgabe eines Oberbürgermeisters sei dabei die Koordination des Zusammenspiels unterschiedlicher Interessenlagen, erläutert Santjer und spricht nun als potenzieller OB. Jener müsse "gemeinsam mit dem Investor überlegen, welche Entwicklungen wir uns als Stadt im AFH überhaupt vorstellen können".
Fußball: Schule des Lebens
Ein Schlenker durch die Bucht, dann geht es hinein nach Grimmershörn. An der "Kampfbahn" zieht Santjer unvermittelt die Bremse. "Hier haben Schlachten stattgefunden!", sagt der Kandidat augenzwinkernd. Bei Rot-Weiss hat er selbst nie gespielt, wohl aber beim BSV, in Lüdingworth, Groden und Altenwalde. Fußball war für den jungen Uwe Santjer eine Art Lebenselixier. Und auch heute noch kann er, der schon früh als Trainer aktiv war, sich für die Parallelen zwischen dem Spiel auf dem Rasen und der Welt jenseits des Platzes begeistern. "Du kannst eben nur mit mehreren zusammen etwas bewegen, und da muss jeder an seiner Position sein." Eine Philosophie, die der Kandidat auf die Arbeit an der Verwaltungsspitze übertragen möchte: Was im Rathaus zählt, ist, das Team hinter sich zu bekommen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wichtig ist, deren Motivation so anzuheben, dass die Beschäftigten wirklich Freude daran haben, für die Menschen in Cuxhaven zu arbeiten." Das Rathaus ist in Sicht gekommen - Ansporn genug, noch einmal fest in die Pedale zu treten? "Auf jeden Fall", versichert der Kandidat. Bis zum 26. Mai wird er sich keineswegs schonen, um möglichst viele Wähler zu überzeugen. "Was ist das Beste für Cuxhaven?", fragt Santjer und liefert die Antwort gleich mit: "Jemanden zu haben, der gute Kontakte in Hannover hat, der mit dem Landkreis gut zusammenarbeitet und der sich in der Stadt auskennt." Wer dieser Jemand aus seiner Sicht ist, liegt auf der Hand. Den Vormittag über sind wir an zahllosen Plakaten mit seinem Gesicht vorbeigeradelt. "... und Cuxhaven gewinnt", steht unter dem Porträt des Kandidaten.
Das Video von der Fahrrad-Tour gibt es hier.
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