Cuxhavener OB-Wahl: Zahrte auf der Zielgeraden?
OTTERNDORF. Wer macht das Rennen im Kampf um den Oberbürgermeistertitel? Beim Joggen bewies Harald Zahrte jedenfalls, dass er noch Puste hat.
Am 26. Mai entscheidet sich, wenn alles gut läuft, wer der neue Oberbürgermeister von Cuxhaven wird. Endspurt lautet also das Motto in Sachen Wahlkampf. Doch hat OB-Kandidat Harald Zahrte noch genug Puste, um am Ende als Erster ins Ziel zu laufen? Das wollte Redakteurin Jara Tiedemann herausfinden und hat sich mit ihm am See Achtern Diek zum Joggen getroffen.
Kalter Wind von vorne, immer mal wieder Nieselregen - es gibt eindeutig besseres Laufwetter. Der Gegenwind hält Zahrte - seit vielen Jahren passionierter Läufer - jedoch nicht ab. Heute hat der 62-Jährige nach seinem Fahrradsturz vor einigen Wochen das erste Mal wieder die Laufschuhe rausgeholt.
Frei nach dem Motto "Der frühe Vogel fängt den Wurm" joggt Zahrte meist dreimal die Woche mit seinem Nachbarn - und zwar um sechs Uhr morgens. Sport sei für ihn Ausgleich. "Man kann seinen Gedanken freien Lauf lassen und in sich hineinschauen. Dabei kommen mir oft die besten Ideen", verrät der OB-Kandidat. Wegen des Wahlkampfes fände er für den Laufsport aktuell aber nur wenig Zeit.
Heute ist die Ausnahme. Auch Joggen mit der Presse ist schließlich Wahlkampf. Die Route: Am See Achtern Diek entlang, Richtung Deich und zurück. Entspannte drei Kilometer. Normalerweise ist Zahrtes Distanz zehn Kilometer. Kaum einen Küstenmarathon hat er ausgelassen. Auch die 42,2 Kilometer hat Zahrte schon gewuppt.
"Wahlkampftechnisch befinden wir uns jetzt bei Kilometer 33, fast 34. Die letzten acht Kilometer schaffen wir jetzt auch noch." Aufgeben? Keine Option für Zahrte. "Die schwierigsten Kilometer bei einem Marathon liegen immer zwischen 25 und 30. Aber wenn man die geschafft hat, dann will man das Ziel auch erreichen - und möglichst als Erster", zeigt sich Zahrte kämpferisch.
Ob ihm das gelingen wird? Mit Uwe Santjer hat er schließlich einen starken Konkurrenten, der in Cuxhaven bereits etabliert ist. Zahrte selbst musste diesen Vorsprung erst einmal aufholen. Wie also schätzt der in Uelzen geborene Zahrte seine Chancen ein? "Das ist schwer zu sagen. Mein Bauchgefühl sagt fifty-fifty."
Kräfte einteilen
Wir sind am Deich angekommen. Zeit für eine kleine Verschnaufpause. Wer als Erster ins Ziel kommen will, muss seine Kräfte schließlich gut einteilen - um im richtigen Moment noch mal angreifen und den Gegner abhängen zu können.
Oder wird Zahrte vielleicht am Ende doch die Puste ausgehen? "Klar, der Wahlkampf ist anstrengend. Aber solange die Beine und die Lunge mitmachen, und das tun sie, werde ich alles geben", so Zahrte.
Für seine Amtszeit als möglicher Nachfolger von Ulrich Getsch hat er sich viel vorgenommen. "Mit mir bekommen die Bürgerinnen und Bürger einen kompetenten und zielorientierten Oberbürgermeister." Ziel müsse es sein, dass es den Bürgerinnen und Bürgern und der Stadt nach einer Wahlperiode besser gehe. Alles müsse sich, möglichst in allen Handlungsfeldern, gut entwickeln. Öffentliche Plätze, Einrichtungen, Umwelt, Kultur, Familienfreundlichkeit der Stadt - und natürlich Wirtschaft: "Der Unternehmer muss Lust haben, in einer Stadt zu unternehmen."
Wofür also steht Zahrte? "Für eine grundsätzlich liberale Haltung." Zahrte stehe aber auch für jemanden, der sehr interessiert daran sei, dass die Einrichtung, in der arbeite, funktioniere, betont der OB-Kandidat und vergleicht es mit einer Sportmannschaft: "Erfolg ist eine Teamleistung. Jeder Mannschaftsspieler muss seine volle Leistung bringen, damit nachher das Ergebnis stimmt."
Neue Wege gehen
Die Mitarbeiter im Rathaus, seine möglicherweise zukünftige "Mannschaft", schätze er als sehr motiviert ein. Doch "einfach nur in die Fußstapfen seines Vorgängers treten", das sei nicht sein Stil, kündigt Zahrte an, sollte er gewinnen. Zwar könne er nicht einschätzen, wie Getsch geführt hat, ihm sei es jedoch in jedem Fall wichtig, ein Ansprechpartner für sein Team zu sein. "Mit mir wird es jemanden geben, der sowohl zuhören als auch führen kann, sodass die Stadt sich weiterentwickeln kann." Die Verwaltung einer Stadt dürfe nicht statisch sein. "Es muss immer Veränderung geben, es muss sich etwas bewegen."
Weiter sei es ihm wichtig, für ehrenamtliche Organisationen, Vereine und die Freiwilligen Feuerwehren gute Bedingungen zu schaffen, damit diese weiterhin ihre Ehrenämter ausführen können. Für alles, was in puncto Umwelt passieren soll, hat Zahrte außerdem eine klare Voraussetzung. "Alle Maßnahmen, die wir heute tätigen, müssen enkeltauglich sein. Die Entscheidungen müssen also nicht nur für die nächste Generation, sondern auch - nach heutigen Maßstäben - für die übernächste Generation ein guter Schritt sein."
Für den Tourismus, "in Cuxhaven die wichtigste Wirtschaftsachse", möchte Zahrte gute Rahmenbedingen schaffen, "damit er sich in allen Bereichen gut und frei entwickeln kann."
Sprint auf den letzten Metern
Endspurt in der Joggingrunde mit Harald Zahrte. Wenige hundert Meter sind wir vom Parkplatz der Spiel- und Spaßscheune entfernt. Plötzlich und unerwartet gibt er noch mal Gas - und läuft so als Erster ins Ziel.
Zumindest dieses Rennen hat der 62-Jährige, trotz kurzer Pausen und Gegenwind, gewonnen. Wie es wohl am 26. Mai ausgehen wird? Die Bürgerinnen und Bürger haben es in der Hand.
Ein Video zum Thema finden Sie hier.
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