Anna Scholl an der Klapmeyer-Orgel in St. Nicolai Altenbruch. Vergangenen Sonnabend spielte sie dort ihr erstes Konzert nach der monatelangen Corona-Pause. Foto: Cordes
Anna Scholl an der Klapmeyer-Orgel in St. Nicolai Altenbruch. Vergangenen Sonnabend spielte sie dort ihr erstes Konzert nach der monatelangen Corona-Pause. Foto: Cordes
Kulturgut

Orgelspielerin aus Altenbruch zieht mit Bach alle Register

29.06.2020

ALTENBRUCH. Erstes Konzert nach der Corona-Pause: Anna Scholl an der historischen Klapmeyer-Orgel in der Kirche St. Nicolai Altenbruch.

An einem mit gleich zwei berühmten historischen Orgeln gesegneten Ort wie Cuxhaven verheißt der beginnende Sommer in "normalen" Zeiten den Auftakt zu immer wieder spannenden und oft neuartigen Hörerlebnissen in Sachen Alter Musik. Doch die Zeiten sind, wir wissen es, momentan nicht "normal". Corona hat über Monate sämtlichen Konzertaktivitäten einen messerscharfen Strich durch die Rechnung gemacht. Um so gespannter durfte man auf den ersten gewagten Wiedereinstieg am vergangenen Sonnabend mit dem Konzert von Anna Scholl an der historischen Klapmeyer-Orgel in St. Nicolai Altenbruch sein.

Schwerpunkt Dirigieren: Bestnote und Auszeichnung

Die junge Kirchenmusikerin, der übrigens zu Beginn des Jahres die umjubelten Aufführungen von Händels "Alexander's Feast" in Altenbruch und Hamburg für ihr Master-Studium Kirchenmusik mit Schwerpunkt Dirigieren Bestnote und Auszeichnung beschert haben, bot an diesem Abend ein reines Bach-Programm, und zwar eines mit großen Herausforderungen an das spielerische Können der Interpretin und deren Gespür für spezielle Klangfarben.

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Monatelanger Corona-Abstinenz

Anna Scholl schien ihren Zuhörerinnen und Zuhörern nach monatelanger auferlegter Abstinenz von real zu erlebenden Konzerten den Reichtum des Altenbrucher Instruments mit geradezu auftrumpfendem Nachdruck vorführen zu wollen. Nach dem Motto: Hört genau hin, was Ihr missen musstet und nun wieder genießen könnt! Und Johann Sebastian Bachs Orgelwerke sind da wie kaum andere geeignet, eben dies unter Beweis zu stellen. Weil die Zahl "Drei", die Trinität, für Bach bekanntlich eine große Rolle spielt, hat es auch die Interpretin gereizt, in ihrem Konzert mit dieser Zahl zu spielen. Dreimal drei "Blöcke" mit jeweils drei Choralbearbeitungen aus den "18 Leipziger Chorälen" bilden den gewichtigen Schwerpunkt des Programms, eingerahmt von Praeludium und Fuge e-Moll BWV 548. Und genau diese Fuge greift mit ihren drei Themen die für Bach so bedeutende Zahl noch einmal auf und gibt der Trinität grandiose musikalische Gestalt.

Orgelkonzert der Bach-Werke

Wie sehr Musik und Raum zusammengehören und der Konzertbesucher die Musik im Grunde genommen nur mittendrin wahrhaft erleben kann, das zeigte dieses Orgelkonzert. Die gespielten Bach-Werke - eine Herausforderung für die Interpretin, zu einem nicht geringen Teil auch für das Hörer-Publikum. Denn mit seinen "Leipziger Chorälen" hat Johann Sebastian Bach der Nachwelt ein Oeuvre höchst kunstvoller und deutungsschwerer Provenienz hinterlassen. Anna Scholl hatte sich für die Choralbearbeitungen von "Komm, Heiliger Geist", "Allein Gott in der Höh' sei Ehr" und "Herr Jesu Christ, dich zu uns wend" entschieden. Musikalischer Stoff, der es einer Könnerin wie ihr erlaubt, alle Register zu ziehen und einen wahren Makrokosmos an Farben vor den Ohren ihrer Zuhörer auszubreiten.

Chance für Neuentdeckungen

Für Anna Scholl waren die vergangenen Monate, wie sie sagt, eine Zeit intensivster Werk-Erarbeitungen. Vermutlich hätte sie, wäre es anders gewesen, ein solches Programm wie das am vergangenen Sonnabend auch gar nicht spielen können. Zeiten wie jene bieten trotz aller so plötzlichen Veränderungen immer auch Chance für Neuentdeckungen an einem Instrument, das einem doch so ganz und gar vertraut scheint. Chancen, etwas Ungewöhnliches auszuprobieren, besondere Klangfarben zu setzen, um ein Werk im neuen, anderen Licht erscheinen zu lassen.

Corona-Regeln eingehalten

Dass es endlich wieder ein Konzert gab, haben die Zuhörerinnen und Zuhörer - natürlich den geforderten Einschränkungen folgend! - am Sonnabend in der St.-Nicolai-Kirche genossen. Und nicht nur sie - auch Anna Scholl hat es genossen, wieder ein Konzert an der historischen Klapmeyer-Orgel spielen zu können. Anhaltender Beifall der in den Kirchenbänken im gebührenden Abstand sitzenden Zuhörer dankte ihr dafür.

Von Ilse Cordes

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