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Wir dürfen nicht einfach tatenlos zusehen, dass sich Geschichte wiederholt", sagten Herbert Kihm, Ortsbürgermeister (l) und Manfred  Mittelstedt. Foto: Kramp
Wir dürfen nicht einfach tatenlos zusehen, dass sich Geschichte wiederholt", sagten Herbert Kihm, Ortsbürgermeister (l) und Manfred  Mittelstedt. Foto: Kramp
Geschichte

Sahlenburg: Erinnerung an Courage der Widerständler

von Wiebke Kramp | 22.07.2019 Zuletzt aktualisiert: 21.07.2022 21:04 Uhr

SAHLENBURG. Während einer Gedenkstunde  sprachen Manfred Mittelstedt und Ortsbürgermeister Herbert Kihm mahnende Worte.

So idyllisch wie dieser Ort am Waldrand heute wirkt, so schaurig, blutig und Schuld beladen ist seine Vergangenheit. Mit der Niederlegung eines Gestecks weißer Rosen gedachte der Verein für Gedenkkultur den Opfern der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft am Gedenkstein auf dem früheren Schießstand Sahlenburg.

Dort wurden die fünf Männer einer Widerstandsgruppe, die Helgoland in den letzten Kriegstagen retten wollte, am 21. April 1944 getötet. Und noch weitere zwölf Angehörige der Marine ließen nach aktuellen Recherchen Am Kegelfang ihr Leben. Als letzter ein erst 18-jähriger Matrose - und zwar am 3. Mai 1945 keine Woche vor dem Tag der Befreiung am 8. Mai. Sein Verbrechen: Er hatte gesagt, der Krieg wäre wohl nicht mehr zu gewinnen. Gedenkanlass war das Attentat vom 20. Juli 1944, das als bedeutendster Umsturzversuch des militärischen Widerstandes gilt. Eine Gruppe um Claus Graf Schenk von Stauffenberg wollte Adolf Hitler töten. Aber in der stillen Stunde am Gedenkstein ging es darum, alle Widerständler - etwa auch die Gruppe Weiße Rose oder die Freimaurer - zu ehren und allen Opfern zu gedenken. Manfred Mittelstedt vom Verein für Gedenkkultur und Sahlenburgs Ortsbürgermeister Holger Kihm hielten mahnende Ansprachen. "Wir dürfen nicht tatenlos zuschauen, dass sich Geschichte wiederholt", sagte Kihm unter anderem und wählte deutliche Worte gegen die Rückkehr rechten Gedankenguts und völkischer Phrasen. "Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird", zitierte er den jüdischen Juristen Fritz Bauer.

Mittelstedt erinnnerte namentlich an einige mutige Menschen aus verschiedenen Widerstandsbewegungen, die sich zwischen 1933 und 1945 mit Zivilcourage gewehrt hatten gegen die Nazi-Diktatur. Gleichwohl nahm er die Gedenkstunde zum Anlass, die Rolle des damaligen obersten Gerichtsherrn für die Region, Rolf Johannesson als "tüchtigen Vollstrecker der NS-Justiz" zu hinterfragen und zu verdeutlichen dass Johannesson niemals Bekenntnismut oder Reue gezeigt habe. Unterdessen glorifiziere die Bundesmarine ihren späteren Befehlshaber Johannesson und stricke damit mit weiterhin an dessen Lebenslüge.

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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