Bernhard Jaeger hat die Erfindung in einem Internet-Auktionshaus entdeckt und gekauft. Jetzt will er sie wieder aufleben lassen. Foto: Mangels
Bernhard Jaeger hat die Erfindung in einem Internet-Auktionshaus entdeckt und gekauft. Jetzt will er sie wieder aufleben lassen. Foto: Mangels
"Das wird ein Renner"

Sammler will Cuxhavener Erfindung aus den 1950ern neu auf den Markt bringen

von Christian Mangels | 28.07.2020

CUXHAVEN. "Das wird ein Renner": Der Sammler Bernhard Jaeger will eine Cuxhavener Erfindung aus den 1950er-Jahren neu auf den Markt bringen.

Überraschungen sind die Würze eines intensiven Sammlerlebens. Und so war Bernhard Jaeger wie elektrisiert, als ihm eine große Besonderheit, eine Erfindung von vor einigen Jahrzehnten, in die Finger kam: die Cuxhavener Gezeitendose. Der Cuxhavener ist so begeistert von dem 50er-Jahre-Behältnis, dass er es neu auf den Markt bringen will - als Gag, Souvenir und Orientierungshilfe für Wattwanderer und Cuxhaven-Fans.

Bernhard Jaeger ist ein Sammler, wie er im Buche steht. Markenzeichen: Leidenschaft für alles Historische aus Norddeutschland mit speziellem Faible für alte Blechdosen. Rund 4000 alte Büchsen hat Jaeger in den vergangenen Jahrzehnten zusammengetragen. "Das fing mit Jacobs-Kaffee-Blechdosen an", erinnert sich der in Hamburg-Bergedorf geborene Bremer, der über Australien und Celle in seinen aktuellen Wohnort Cuxhaven kam. Sein neuestes Beutestück hat er in einem Internet-Auktionshaus gefunden: eine über 60 Jahre alte Dose aus Cuxhaven - rund, dekorativ, praktisch und sehr selten.

Wechsel von Ebbe und Flut

"Das ist eine sogenannte Gezeitentrommel. Sie zeigt den Wechsel von Ebbe und Flut an", erklärt Jaeger und hebt die bunte Dose in die Höhe. Auf der Vorderseite ist die Kugelbake abgebildet, die Rückseite zeigt die Insel Neuwerk. Der Clou aber sind die Hoch- und Niedrigwasserpfeile, mit deren Hilfe sich die Bade-, Wattlauf- und Gefahrenzeiten im Wattenmeer einstellen und ablesen lassen. Zur Ermittlung der Werte muss der Hochwasserpfeil auf die Zeit des betreffenden Hochwassers oder der Niedrigwasserpfeil auf die Zeit des Niedrigwassers gestellt werden. Ganz nebenbei erfüllt die Büchse auch den Zweck einer kleinen "Handtasche" - Lippenstift, Kleingeld oder Taschentücher passen wunderbar rein.

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Jaeger öffnet die Dose und eine kleine Broschüre purzelt heraus. "Das ist die Bedienungsanleitung", sagt der Dosensammler. Detailliert werden hier der Gebrauch und die Vorteile der Gezeitentrommel beschrieben. Ein Gedicht gibt's obendrauf: "Die Tiden bringen oft Gefahren, der Mensch kann sich davor bewahren. Doch muss er die Gezeiten kennen, er darf sich nicht im Watt verrennen."

Hersteller war Firma Lubeca

In welcher Auflage diese Dose in den 50er-Jahren produziert wurde - ob als Werbegeschenk oder Souvenir -, weiß Jaeger nicht. Hersteller war offenbar die Firma Lubeca (die sich 1967 mit dem Unternehmen Schmalbach zusammentat). "Ich will sie wieder auf den Markt bringen", sagt der Cuxhavener, der jetzt Partner für die Wiederbelebung der Gezeitentrommel sucht. "Das wäre ein ganz toller Renner", ist Jaeger überzeugt.

Erfunden hat die Gezeitentrommel - das zeigt ein Blick in die Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamtes - der Cuxhavener Hans Petersen. Er meldete die Gezeitendose im Dezember 1957 an und beantragte eine "Eintragung in die Rolle für Gebrauchsmuster". Die Trommel diene "zur Orientierung für den Verkehr am Strand und auf dem Watt des Nordseeheilbades Cuxhaven" sowie als "Behälter für kosmetische Artikel zur Haut- und Schönheitspflege", schrieb Petersen. Die genaue Beschreibung und die Baupläne kann man sich im Internet anschauen.

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Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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