Einmündung Deichstraße/Alter Deichweg, hier im Mai 1957, als hier noch Zigarren und keine Kleidung verkauft wurden. Foto: Anton Siegl
Einmündung Deichstraße/Alter Deichweg, hier im Mai 1957, als hier noch Zigarren und keine Kleidung verkauft wurden. Foto: Anton Siegl
Neueröffnung

Second-Hand-Waren: "Tante Emma" kommt nach Cuxhaven

von Maren Reese-Winne | 31.12.2019

CUXHAVEN. Nach der Eröffnungsfeier am 21. Februar soll sich voraussichtlich am Tag darauf, einem Sonnabend, zum ersten Mal die Tür für den Verkauf öffnen.

In das traditionsreiche Geschäftshaus an der Ecke Deichstraße/Alter Deichweg zieht wieder Leben ein. Wenn es nach den Organisatoren des Christlichen Sozialwerks Cuxhaven geht, hängt dies nicht nur mit dem Angebot zusammen, das es dort zu kaufen gibt.

In den kommenden Wochen gibt es noch eine Menge zu tun, damit das Motto "modern, aber gemütlich - eben wie bei Tante Emma" - umgesetzt werden kann: Im früheren Leben dieser Geschäftsräume muss jemand ein großer Fan von Spiegeln gewesen sein, was für den Effekt sorgt, dass man sich ständig verfolgt und beobachtet fühlt und die Grenzen der Räume gar nicht so recht erkennen kann.

"Das ist uns anfangs auch so ergangen", sagen Ladenchefin Birgit Yarlett, Sven Wersien und Wolfgang Germroth als 1. und 2. Vorsitzende des Christlichen Sozialwerks und Koordinator Marco Ruhlkötter lächelnd angesichts der flächendeckend verspiegelten Rück- und Zwischenwände, ja, sogar Teilen der Decke.

Regale zum Mieten

Sie haben inzwischen ein Gefühl für die Räume gewonnen, die sie in "Freiraum, Kaufraum, Werkraum" eingeteilt haben; und die Spiegel kommen ja auch noch weg. Herz des Projekts "Tante Emma" ist der Verkauf "von Cuxhavenern für Cuxhavener" (Cuxhavenerinnen sowie Gäste natürlich auch). Interessierte mieten sich ein oder mehrere Regale oder Obstkisten. Das kostet pro Kiste wöchentlich sieben Euro und pro Regal 17 Euro. Die Mindestmietzeit beträgt vier Wochen; Verlängerungen für zwei oder vier Wochen sind möglich. Die Verkaufsflächen können dann mit Second-Hand-Waren oder Eigenkreationen bestückt, selber etikettiert und beliebig oft aufgefüllt oder neu dekoriert werden.

Auf Wunsch wird ein "Nachführservice" angeboten, das heißt, das Ladenpersonal übernimmt diese Aufgabe zusätzlich zum Verkauf, der zum Service gehört. Dafür wird bei Erfolg eine Verkaufsprovision erhoben, die wohl bei etwa 14,8 Prozent liegen wird.

Wer sperrigere Artikel zu verkaufen hat, kann die Obstkisten auch als Werbefläche mieten, um dort zum Beispiel Fotos oder Visitenkarten zu platzieren.

Es stehen etwa 60 Regaleinheiten und 90 Kisten zur Verfügung. Das Mobiliar hat "Tante Emma" aus einem Bremerhavener Geschäft erhalten; außerdem werden schon seit Monaten weitere geeignete Möbel gesammelt.

Dass es sich hier im Erdgeschoss um den "Kaufraum" handelt, in den möglichst noch eine Kaffee- und Tee-Ecke eingebaut werden soll, liegt auf der Hand.

Weitere Waren können einen Stock höher präsentiert werden, hier liegt aber auch der "Freiraum" mit einem Tagungsraum, der von Gruppen und Vereinen günstig angemietet werden kann, und kleineren Beratungszimmern; dieser Ansatz ist einer der Gründe dafür, dass "Tante Emma" aus dem Wettbewerb "Gute Nachbarschaft 2019" Landesmittel in Höhe von 150 000 Euro erhalten hat.

Marco Ruhlkötter absolviert extra noch in Hannover eine umfassende Fortbildung in Gemeinwesenarbeit. "Wir wollen Bürgerinnen und Bürger, die neue Ideen etwa für Gemeinwesen- und Nachbarschaftsarbeit haben, beim Start ihrer Initiativen unterstützen", erklärt er die Chancen.

Zusätzlich sollten Menschen in verschiedensten Lebenssituationen Hilfe erhalten: "Von außen ist nur zu sehen, dass jemand einen Laden betritt. Es fällt überhaupt nicht auf, wenn man zur Beratung kommt."

Unten ist noch Platz für den "Werkraum"; gedacht als Atelier und Werkstatt, um etwa Näh- und andere Kreativ- oder Handwerkskurse anzubieten.

Ein Wermutstropfen: Barrierefrei sind die Räume nicht. Nach oben und unten führt nur eine Wendeltreppe. Anders gehe es im Moment nicht, bedauern die Organisatoren. Zumindest die zwei WCs hätten aber im Erdgeschoss untergebracht werden können.

Ehrenamtliche gesucht

Neben Birgit Yarlett kann bereits zum 1. Januar eine weitere Arbeitskraft beginnen; eine weitere Teilzeitstelle hoffen sie noch schaffen zu können. Außerdem werden Ehrenamtliche gesucht, die Spaß an dem Konzept aus Verkauf und Begegnung finden und mithelfen könnten - "auch, wenn es nur einmal in der Woche ist", so Sven Wersien. Auch Sponsoren sind willkommen.

Entstanden ist das Christliche Sozialwerk aus der Flüchtlingshilfe des Christus-Centrums Cuxhaven. Hieraus ist ein vielfältiges Nachbarschaftsprojekt für den Stadtteil geworden, in dem nun auch das Ladengeschäft - gedacht natürlich für die ganze Stadt - liegt. Früher konnte hier Kleidung zum Beispiel bei "Hollander", im "Modehaus Schedler" oder bei "T & M Mode und mehr" geshoppt werden.

Auf einen Blick

"Tante Emma" liegt an einer "Laufachse" vom Hafen in die Stadt.

Geplante Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag Freitag 10 bis 18 Uhr (also mittwochs geschlossen); Sonnabend 10 bis 14 Uhr.

Die Regale oder Obstkisten werden mit Second-Hand-Artikeln aus Privatbesitz oder selbst gefertigten Waren bestückt. Vorgegebene Preisetiketten mit den Fachnummern werden bei "Tante Emma" ausgegeben.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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