SPD im Cuxland: "Ohne Landarzt-Quote geht es nicht"
KREIS CUXHAVEN. Eine Quote für Landärzte muss her. Wenn man einen Teil der Studienplätze für Medizin für Bewerber frei hält, die sich verpflichten, nach dem Studium für einige Jahre in einer Landarzt-Praxis zu arbeiten, könnte das das drohende Praxis-Sterben lindern. Davon waren alle Teilnehmer der SPD-Podiumsdiskussion in Loxstedt überzeugt.
Die Lage ist ernst. Vor allem im südlichen Kreisgebiet. Nur drei von vier Landarzt-Stellen sind dort besetzt. Und die Situation wird sich weiter verschärfen: Jeder dritte Hausarzt im Cuxland ist älter als 63, Nachfolger sind rar, weil es immer weniger junge Mediziner aufs Land zieht.
Schuld an der Misere sei auch der Staat, der viel zu wenig Studienplätze für Medizin anbiete, betonte Philipp Kliem. "Die jungen Leute müssen nicht für die Medizin begeistert werden, sie kriegen einfach keinen Studienplatz", klagte der Mediziner, der zurückgekommen ist aufs Land und vor ein paar Jahren die Praxis seines Vaters in Loxstedt übernommen hat. Man habe das Problem erkannt und sei dabei, die Studienplätze aufzustocken, unterstrich Niedersachsens Sozialministerin Dr. Carola Reimann (SPD). So werde ihr Ministerium in den nächsten Jahren 200 neue Medizin-Studienplätze schaffen, 60 in Braunschweig, die übrigen in Oldenburg. Kliem fand das gut, aber nicht ausreichend. "Damit sind wir gerade mal auf dem Stand von 1989." Das genüge heute nicht, wo die Medizin weiblich geworden sei. Die jungen Ärztinnen wollten nicht mehr rund um die Uhr für die Praxis leben, sie wollen Kinder haben, Familie und Beruf vereinbaren.
Zudem kämen die Studienplätze zu spät, um das drohende Praxis-Sterben abzuwenden. Bis die Studienanfänger von heute Studium und Facharzt-Ausbildung hinter sich gebracht hätten und hoffentlich als Landdoktor an den Start gehen könnten, vergingen noch 15 Jahre. Das unterstrich auch Dr. Stephan Brune, Bezirksvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Stade, die für die Ärzteversorgung zuständig ist. Sein Appell: "Wir müssen möglichst viele Landärzte dazu bewegen, dass sie bis 70 und darüber hinaus weiterarbeiten."
Die größte Herausforderung, da waren sich auch alle einig, werde sein, die jungen Mediziner fürs Land zu begeistern. Das Land hat ein Stipendium-Programm aufgelegt, sagte Reimann, angehende Ärzte, die Praxen in der Fläche übernehmen wollten, bekämen Unterstützung beim Studium. Die Kassenärztliche Vereinigung gibt kräftig Zuschüsse, wenn Ärzte bereit sind, in unterversorgte Gebiete zu gehen.
Auch der Kreis, betonte Landrat Kai-Uwe Bielefeld, habe eine eigene Förderung aufgelegt. Aber Geld allein genügt nicht. Das wissen alle. So wird in der vom Land eingesetzten Enquetekommission, in der auch der Moderator der Debatte, der SPD-Landtagsabgeordnete Oliver Lottke, sitzt, über Modelle diskutiert, die Notdienste anders zu organisieren oder Landärzten auch die Möglichkeit zu geben, als Angestellte zu arbeiten. "Wir müssen Wege finden, um den Landarzt-Job attraktiver machen", war sich Lottke mit seiner Ministerin einig.
Von Inga Hansen
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