Sturmflut wird zum Naturschauspiel in Cuxhaven
CUXHAVEN. Die Nachwehen des Sturmtiefs fielen milder aus als prognostiziert. Aber dennoch hatte "Sabine" am Montag noch eine mittlere Sturmflut sowie Böen bis 90 Stundenkilometer im Gepäck.
Zahlreiche Seh-Leute - Urlauber und Cuxhavener gleichermaßen - zog es am frühen Nachmittag ans Meer - und sogar die Sonne richtete zeitweilig ihre Scheinwerfer auf das Naturspektakel. Als die Elbe an der Alten Liebe und im Fährhafen über die Kaimauern und in der Grimmershörnbucht bis an den Deichfuß schwappte, wurden Kameras und Handys gezückt.
An die 8,70 Meter über Pegelnull, also 2,20 Meter über dem Mittleren Tidehochwasser, lief das Wasser in Cuxhaven auf. Cuxhavens Schultheiß Jürgen Schubel sprach von einer mittleren Sturmflut, bei der das Wasser den Deichfuß erreicht habe. Niedersachsen Port und Wasser- und Schifffahrtsamt hätten die Fluttore jedoch rechtzeitig geschlossen: "Das hat reibungslos geklappt." Der Deichverband war mit Vorstand und Ausschuss - also rund 25 Personen - im Einsatz. "Wir haben das aber auch als guten Anlass zum Üben gesehen", meinte der Schultheiß. Den Verlauf des Sturms selbst bezeichnete er als sehr untypisch. Nachdem am Sonntag zunächst Südwindlagen herrschten und das Wasser sogar wegdrückten, drehte der Wind in der Nacht zu Montag ab Mitternacht nach West, wurde aber schwächer. Dennoch lief das Wasser Montagmittag so hoch auf. "Noch bis Mittwoch sind weitere Sturmfluten angekündigt", so Jürgen Schubel. Wie hoch sie ausfallen werden, hänge allerdings davon ab, wie weit das Wasser zurücklaufen kann.
Malte Hinck aus dem Schulamt des Landkreises Cuxhaven, sagte auf Nachfrage unseres Medienhauses, dass man morgens um 4.30 Uhr im Dreiergremium mit der Amtsleiterin entschieden habe, Schulbetrieb und Schülerverkehr im gesamten Landkreis ausfallen zu lassen. Schließlich seien für den Montagmittag noch heftige Sturmböen angesagt gewesen. Noch in der Nacht zuvor habe er mit dem Deutschen Wetterdienst telefoniert. Durchgehend positiv sei die Rückmeldung auf die Entscheidung ausgefallen. Und wie sieht die Prognose aus? Aufgrund der Wetterlage bei Redaktionsschluss ging man davon aus, dass der Unterricht am Dienstag stattfinden kann.
In Cuxhaven verzeichnete die Feuerwehr am Sturmsonntag acht Einsätze. Am Montag gab es wegen abgedeckter Dachpfannen lediglich noch einen Einsatz. "Wir sind glimpflich davongekommen", sagte Wachabteilungsleiter Volker Buthmann.
Der Zugverkehr wurde tüchtig durcheinandergewirbelt. Ab Sonntagabend fuhren keine Züge mehr auf den Strecken im Elbe-Weser-Raum. Am Montag gab es noch einzelne Beeinträchtigungen. Wie die Eisenbahnen- und Verkehrsbetriebe mitteilten, stürzte Sonntagabend gegen 21.30 Uhr ein Baum auf die Gleise bei Nordholz.
Auf der "Start"-Strecke zwischen Cuxhaven und Hamburg war noch am frühen Montagnachmittag ein Baum auf die Gleise zwischen Cadenberge und Wingst gestürzt. Dadurch kam es zu weiteren Verspätungen und Teilausfällen.
Fest an der Pier im Fährhafen vertäut blieb die MS "Helgoland" wegen der Wind- und Wetterlage Die Fahrbesatzung leistete allerdings an Bord sogenannte Sturmwache. Sehr frühzeitig hatte Kapitän Ewald Bebber aufgrund der Wettervorhersage entschieden, dass MS "Helgoland" am Sonntag in aller Frühe vor dem Sturm von Helgoland nach Cuxhaven fahren und am Montag die Schiffsverbindung zur Hochseeinsel wegen des Sturmtiefs einstellen würde. Auch am heutigen Dienstag finden keine Fahrten ab Cuxhaven nach Helgoland statt. "Bei solcher Wetterlage ist es schwer, im Hafen zu manövrieren. Dazu kommen noch die prognostizierten Wellenhöhen bis zu sieben Metern Höhe. Für Gäste sind solche Fahrten sehr unangenehm", so der Kapitän. Am Sonntagmorgen waren 415 Passagiere an Bord. Die Fahrt sei zwar mit bis zu zehn Windstärken eine Herausforderung gewesen, "aber die See war noch nicht so hoch aufgelaufen und dazu kam bei achterlicher See unser gutes Stabilisierungssystem." Übrigens: Den Satz "Cassen Eils wäre bei dem Wetter noch gefahren", mögen weder Bebber noch Busch mittlerweile noch hören. "Auch Cassen Eils ist umgedreht, hat Fahrten abgesagt oder junge Offiziere zurückgepfiffen, wenn sie zu waghalsig waren", meinte Kapitän Bebber, der von der Cuxhavener Kapitänslegende (1923 bis 2010) eingestellt wurde. Und wann fährt die MS "Helgoland" wieder? "Wir beobachten das Wettergeschehen genau und entscheiden danach."
In Bildern: Orkan "Sabine" über Cuxhaven und dem Cuxland