Chinesische Großanleger wollen 100 Millionen Euro in Cuxhaven investieren
CUXHAVEN. Hinter der Cuxhavener Neuansiedlung "Titan Wind Energy" stecken chinesische Großinvestoren. Sie wollen in Cuxhaven 100 Millionen Euro in das frühere Ambau-Werk investieren. Was sie vorhaben und wann es losgeht, haben wir zusammengetragen.
Wann geht es denn endlich los bei Titan Wind? Diese Frage stellen sich Bürger und Politiker zunehmend, nachdem in den vergangenen zweieinhalb Jahren nach dem Erwerb des früheren Ambau-Betriebs nicht viel passiert ist. Der Chef von Titan Wind Energy Europe, Michael Buus Nielsen, wäre mit der Entwicklung am neuen Standort in Cuxhaven ebenfalls gern schon einen großen Schritt weiter.
Fokus auf chinesischem Markt
Die Verzögerungen bei Investitionsentscheidungen begründet er unter anderem mit den Folgen der Corona-Pandemie, die die Abstimmung mit den Investoren des chinesischen Mutterkonzerns sehr erschwerten. "Wir machen derzeit das, was möglich ist", ergänzt Pressesprecherin Wiebke Neumann. Aktuell hätten die Eigner aufgrund einer Investition von rund 1,3 Milliarden Euro den Fokus mehr auf dem chinesischen Markt.
Buus Nielsen lebt in Aalborg in Dänemark, hat sich spezialisiert auf Stahlverarbeitung im Bereich der Windenergie und hat von den chinesischen Geldgebern den Auftrag bekommen, neben der dänischen (in Varde, ehemals Vestas) jetzt auch eine Dependance in Deutschland aufzubauen. Das ehemalige Turmwerk von Ambau mit den Hallen, den Lagerplätzen, dem Zugang zur Elbe und den umfangreichen Erweiterungsflächen bieten dafür die idealen Voraussetzungen, ist sich Buus Nielsen sicher.
Spätestens in zwei Jahren, wenn der Hochlauf beim Bau von Windparks in Nord-und Ostsee beginnt, will das Werk in Cuxhaven lieferfähig sein. Dann sollen von hier aus die ersten großen Gründungsrohre für die Offshore-Windenergieanlagen der Megaklasse, sogenannte Monopiles, verschifft werden. Was sich so einfach anhört, sei eine ingenieurtechnische und logistische Herausforderung, unterstreicht der Däne. Das liege vor allem an den gewaltigen Abmessungen und gewichten der Monopiles.
Ambau-Hallen aufgerüstet
Weit über 100 Millionen Euro will der 2005 gegründete chinesische Konzern bis dahin in den Ausbau des Cuxhavener Werks investieren. Dafür sollen zunächst die vorhandenen Hallen ertüchtigt und mit den benötigten Blechwalzen und Schweißapparaten ausgestattet werden, mit denen Stahlplatten von zehn Zentimenter Stärke und mehr zu Rohrsegmenten verarbeitet werden können. Die einzelnen Schüsse werden anschließend in den Hallen am Hafenzubringer zusammengeschweißt bis zu einer Rohrlänge von 90 Meter. Wenn die Monopiles noch länger sind, werden sie außerhalb der Halle komplettiert. In der zweiten Halle werden die Monopiles anschließend gesandstrahlt, konserviert und beschichtet. Noch bessere Voraussetzungen für den Bau der gigantischen Rohre mit einem Endgewicht von bis zu 2000 Tonnen und mehr bietet die große blaue Halle mit einer Länge von 240 Meter und einer Höhe von rund 50 Meter, die die Offshore-Pioniere von BARD 2009 für den Bau von Tripoden-Fundamenten gebaut hatten.
Bis die Hallen für die neue Aufgabe umgerüstet sind, hält das Unternehmen seine 36 Mitarbeiter (30 von Ambau übernommen) mit Dienstleitungsaufträgen bei Stimmung. Wenn entsprechende Aufträge vorhanden sind und die Produktion aufgenommen wird, liegt der Personalbedarf nach Schätzungen von Buus Nielsen bei gut 300 Mitarbeitern.
Mit einer vergleichbar starken Mannschaft produziert der Konkurrent Dillinger Hütte im Werk von Steelwind in Nordenham bereits heute die weltweit größten Monopiles mit einem Gesamtgewicht von rund 2000 Tonnen und einer Länge von 100 Meter, die die Turbinen der neuen Genaration tragen können. Die Nordenhamer arbeiten bereits seit 2009 in diesem Spezialbereich der Offshore-Branche.
Fundamente für Windparks
Monopiles sind inzwischen mit einem Marktanteil von über 80 Prozent die bevorzugte Gründungsvariante bei Windparks nicht nur in der Nord- und Ostsee. In Zukunft will Titan Wind in diesem Bereich kräftig mitmischen und daneben auch bis zu 5000 Tonnen schwere Fundamente für schwimmende Windparks in Sektionen bauen.
Die Voraussetzungen dafür bewertet der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung Marc Itgen als außerordentlich positiv. "Titan hat mit dem Standort in Cuxhaven eine sehr gute Ausgangsposition", schätzt Itgen. Zusätzlich könnte das Unternehmen beim Recycling von On-und Offshore-Anlagen in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Um dafür die notwendigen Verfahrenstechniken zu entwickeln, haben Titan Wind und 15 weitere Unternehmen aus Cuxhaven einen Förderantrag beim Bundesministerium für Forschung und Entwicklung gestellt. Für die Verladung der Monopils setzt Buus Nielsen auf riesige Raupenkräne. Der betriebseigene Stichhafen mit Portalkran und einer Hubleistung von 600 Tonnen Hubleistung seien dafür zu kleine dimensioniert.
Noch liegen große Teile des insgesamt 62 Hektar umfassenden Betriebsgeländes brach. Das werden sich aber schnell ändern, wenn das geplante Geschäft Fahrt aufgenommen hat. Dann könnte es sogar schnell eng werden im Deutschen Offshore Industrie Zentrum (DOIZ), weshalb insbesondere Blue Water BREB, das heute Flächen von Titan Wind nutzt, an einen schnellen Bau der Liegeplätze 5,6 und 7 interessiert ist.