Cuxhavener Turmhersteller Ambau ist insolvent
CUXHAVEN. Lange Gesichter bei den Mitarbeitern von Ambau. Seit Mittwoch Mittag steht die Produktion im Cuxhavener Werk still. Tags darauf dann der Paukenschlag: Der geschäftsführende Gesellschafter Joachim Görlitz teilte in einer Betriebsversammlung vor der Belegschaft mit, dass Ambau zahlungsunfähig ist und beim Cuxhavener Amtsgericht Insolvenz angemeldet hat. Damit geht der Pionier der Cuxhavener Offshore-Basis einer ungewissen Zukunft entgegen.
Wie es für die rund 100 Mitarbeiter nun weitergeht, wird vor allem von den Gläubigern und der Arbeit des vom Gericht bestellten Bremer Insolvenzverwalters, dem Rechtsanwalt Dr. Gerrit Hölzle, abhängen. Der traf sich am Donnerstag mit Geschäftsführung und Belegschaft im Cuxhavener Werk, um sich einen ersten Überblick zu verschaffen.
Die Ausgangslage sei aber insgesamt nicht schlecht, es seien noch genügend Aufträge vorhanden, so Hölzle, weshalb der Betrieb am Montag erst einmal regulär wieder aufgenommen werden soll, sagte Hölzle auf Nachfrage. Auch die Mitarbeiter konnte der Insolvenzverwalter offenbar beruhigen. Sie würden ihren Lohn für die nächsten drei Monate zu 100 Prozent weiterbekommen, allerdings nicht mehr von der Ambau GmbH, sondern in Form von Insolvenzausfallgeld von der Agentur für Arbeit, finanziert aus einer Umlage der Arbeitgeber.
"Mein Eindruck war, dass wir für einigermaßen Beruhigung sorgen konnten. Ich denke nicht, dass die Leute nun scharenweise davonlaufen werden", berichtete Hölzle nach der Betriebsversammlung.
Von der drohenden Insolvenz betroffen ist neben dem Werk in Cuxhaven auch das Stammwerk von Ambau in Gräfenhainichen in der Nähe von Halle mit rund 200 Mitarbeitern. Dort hatte Joachim Görlitz nach der Wende seine unternehmerische Karriere im Stahlbau begonnen. Angefangen hatte alles mit unterschiedlichen Aufträgen, unter anderem mit dem Bau von Brücken. Mit der Spezialisierung auf den Bau von Turmsegmenten für Windenergieanlagen wurde der Betrieb immer größer. Bis Ambau vor etwa vier Jahren insgesamt 750 Mitarbeiter an fünf Standorten beschäftigte. Die Angaben zur Mitarbeiterzahl im Cuxhavener Werk schwanken zwischen 100 und 150, weil neben der Stammbelegschaft offenbar auch viel mit Leiharbeitnehmern gearbeitet wurde.
Nicht nur die Mitarbeiter wurden von der schlechten Nachricht am Mittwoch überrascht. Denn eigentlich hatte sich das Unternehmen gerade am Standort Cuxhaven positiv entwickelt. Hier hatte Görlitz das Geschäft mit den weißen Türmen und den gelben Transition Pieces (Zwischenstücken) konzentriert, nachdem er die Produktion 2016 in Bremen-Vegesack aufgelöst und nach Cuxhaven verlegt hatte.
Kapazitäten fast verdoppelt
Die räumlichen Kapazitäten wurden fast verdoppelt, als Görlitz auch die große blaue Halle erwarb, in der ehemals BARD und anschließend Cuxhaven Steel Construction (CSC) Fundamentstrukturen aus Stahl gebaut hatte. Während im Stammwerk auf der einen Straßenseite die dicken Bleche für die Turmsegmente gewalzt und verschweißt wurden, wanderten Konservierung, Lackierung, Montage und Innenausbau in die ehemalige CSC-Halle. Hier gab es in jüngster Zeit offenbar Probleme mit Betriebsabläufen. Von Mitarbeitern war zu hören, dass die Stückzahlen nicht erreicht wurden. Ambau verfügt neben den Werken auch über Lagerflächen sowie über den Stichhafen mit dem 500-Tonnen-Portalkran und eine Option auf weitere 21 Hektar in Richtung des Siemens Gamesa-Werkes, Flächen, die für eine Erweiterung reserviert waren.
Die hafennahen Flächen werden derzeit von der Reederei Breb für den Umschlag von Onshore-Anlagen genutzt, ein Bereich, der nach Einschätzung von Breb-Chef Arne Ehlers nicht betroffen sein dürfte.
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Getsch reagierte betroffen auf die Nachricht von der Insolvenz: "Das ist ein herber Rückschlag für unseren Standort. Im Moment tun mir vor allem die Mitarbeiter leid", sagte er.
SPD-Landtagsabgeordneter Uwe Santjer erinnerte an die Verantwortung der Bundesregierung, die mit ihrer unklaren Energiepolitik zur Auftragsdelle in der Offshore-Windbranche beigetragen habe. Er plädierte für sofortige Sonderausschreibungen für weitere Windparks auf See.
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