Unternehmensverband Cuxhaven fühlt der Verwaltung auf den Zahn
CUXHAVEN/NORDHOLZ. Beim Wirtschaftsgespräch des UnternehmensVerbands Cuxhaven richteten die Mitglieder Fragen an die Strippenzieher aus dem Rat- und dem Kreishaus.
Es ging zwar um Standortmarketing und um Ansiedlungspolitik, aber eben nicht nur: Ein Strauß von die verschiedensten Ressorts betreffende Fragen brannte den Mitgliedern des UnternehmensVerbands Cuxhaven (UVC) auf den Nägeln; Antworten versprach das jüngste UVC-Wirtschaftsgespräch, bei dem am vergangenen Freitag drei Verwaltungsspitzen in die "Bütt" stiegen.
Cuxhavens Kämmerin Andrea Pospich, Wirtschaftsförderer Marc Itgen und Landrat Kai-Uwe Bielefeld ließen sich gut eineinhalb Stunden lang auf den Zahn fühlen - im Rahmen einer Podiumsdiskussion, die unter einem Porträt des Grafen Zeppelin über die Bühne ging: Die Offiziersmesse des Nordholzer Marinefliegerhorstes hatte der UVC zum Veranstaltungsort auserkoren.
Schuljahr gerade angelaufen
Dort brachte CN/NEZ-Redaktionsleiter Ulrich Rohde als Moderator des Abends nicht nur Mitgliederfragen aufs Tapet, die mit dem Wirkungskreis der Cuxhavener Stadtverwaltung zu tun hatten. Gefragt war im Rahmen des Wirtschaftsgesprächs auch die Kreisverwaltung - oder besser gesagt: Landrat Kai-Uwe Bielefeld, dem quasi hellseherische Fähigkeiten abgenötigt wurden, als es darum ging, welchen Lauf wohl das eben begonnene Schuljahr 2020/21 unter Corona-Vorzeichen nehmen werde. Bielefeld vertrat zumindest die Annahme, dass es (Infektionszahlen hin oder her) keinesfalls zu großflächigen Schulschließungen kommen werde, beschrieb unter dem Stichwort Infektionsketten die beim Kreis-Gesundheitsamt geleistete Sisyphusarbeit und sprach schließlich davon, dass der Landkreis als Schulträger 1000 Endgeräte bestellt habe, um dem erklärten Ziel, "unsere Schulen digital handlungsfähig zu machen", ein gutes Stück näher zu kommen.
"Letzte Meile kostet Geld"
Den Digitalisierungsaspekt nutzte Diskussionsleiter Rohde, um den Leiter der Cuxhavener Wirtschaftsförderung mit ins Boot zu holen; Marc Itgen gibt sich optimistisch, was Breitbandausbau und die Einführung des 5G-Standards im Mobilfunkbereich angeht. "Die letzte Meile kostet zweifellos Geld", räumte er mit Blick auf einen Anschluss der Stadt(rand)bereiche an die Datenautobahn ein. "Problem ist nicht die Anbindung, sondern die mangelnde Bandbreite", konterte UVC-Mitglied Reinhard Köster und bekam indirekt Schützenhilfe vom Landrat, der den Breitbandausbau in Deutschland als nach wie vor "stark entwicklungsfähig" einstuft.
"Wie stellt sich die Verwaltung zukunftsgerecht auf?", fragte Ulrich Rohde die Erste Stadträtin Pospich; dahinter stand die UVC-Mutmaßung, dass das Personal-Tableau im Cuxhavener Rathaus immer noch Einsparpotenziale bereithalte. Die Kämmerin dementierte, sprach von vielen hundert Stellen, die durch die Abgabe zentraler Ressorts an den Kreis sowie durch den 2016 geschlossenen Finanzhilfevertrag mit dem Land abgebaut worden seien.
Autobahn-Idee ist utopisch
"Inzwischen sind wir so weit ausgedünnt, dass es gar nicht weiter geht", sagte Pospich, die unter anderem auch zum Thema Saisonarbeitslosigkeit, zu Ansiedlungsflächen und zum Thema Neubaugebiete Stellung bezog. Zunächst ging es jedoch um den geplanten Ausbau der B73, bei dem die Stadt als Planer in die Bresche springt, um auf diesem Wege die Entwicklung der Gewerbeflächen bei Altenbruch zu forcieren. Autobahn-Träume stufte der Landrat als Illusion ein.
Beim Thema Verkehr angelangt, kreiste die Diskussion bald um die Frage, warum die Kfz-Zulassung derzeit mit langen Wartezeiten verbunden sei. Als Hausherr nahm Bielefeld die Mitarbeiter der Zulassungsstelle in Schutz, sprach von coronabedingten Beschränkungen, von einem Zuwachs bei Neuzulassungen (plus 25 Prozent), aber auch von fragwürdigem Kundenverhalten. "Die Kollegen arbeiten bis zum Anschlag", versicherte er.
Beim Service Luft nach oben
"Ist die Nordersteinstraße noch zu retten?", lautete eine provokant formulierte Frage, die Wirtschaftsförderer Itgen allerdings mit einem klaren "Ja" beantwortete. Allerdings müssten die dort ansässigen Geschäftsleute so etwas wie einen Schulterschluss hinkriegen, einheitlicher auftreten und teilweise auch an ihrem Servicebewusstsein arbeiten.
Das Zukunftsthema Wasserstoff, so ging Itgen auf eine weitere Frage ein, sei "alles andere als trivial"; sein Haus sei konzeptuell gut aufgestellt, müsse die erforderlichen "PS jetzt aber auch auf die Straße bringen". Der Landrat erwähnte den Wasserstoffzug als ein Beispiel, mit welchen die Materie für die Öffentlichkeit "anfassbar" gemacht werde; anschließend ging Bielefeld auf die Situation des Nordholzer Seeflughafens ein. "Linienflugverkehr wird es dort nicht geben", ist er überzeugt - und sieht die Potenziale eher in den Nischenbereichen. Seine Berechtigung habe der Flughafen aber allein als Standortfaktor; allein unter diesem Aspekt mache sich der jährlich geleistete Defizitausgleich von 300.000 Euro bezahlt.