Vorreiterprojekt: Stadt Cuxhaven führt umweltfreundlichen Müllwagen ein
CUXHAVEN. Mithilfe einer Fördersumme vollzieht die Stadt Cuxhaven in puncto Nachhaltigkeit den Sprung von der Theorie in die Praxis.
Ein Müllwagen, der im Stadtgebiet die in den braunen Tonnen gebunkerten Bioabfälle abholt, wird mit aus eben jenem Müll gewonnenen Wasserstoff angetrieben: Aus Cuxhavener Sicht ist das gewissermaßen der Clou - und Gegenstand eines Vorreiterprojektes, für dessen Verwirklichung in dieser Woche weitere Weichen gestellt wurden. Die Stadt erhielt einen Förderbescheid für die Anschaffung eines mit einer Brennstoffzelle betriebenen Sammelfahrzeugs. 695.000 Euro stellte Staatssekretär Enak Ferlemann in Aussicht, als er am Dienstag eine mit dem Nationalen Innovationsprogramms Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NIP II) verknüpfte Förderzusage überreichte. Die Summe ist alles andere als ein Pappenstiel und würde (wie Oberbürgermeister Uwe Santjer in seinem Grußwort anmerkte) ausreichen, um mehr als zwei herkömmliche Müllsammelfahrzeuge zu kaufen. Bei besagtem Wasserstoff-Lkw, der sich im laufenden Betrieb amortisieren soll, geht es allerdings um noch sehr viel mehr als um eine herkömmliche Fahrzeugbeschaffungsmaßnahme.
"Moderne Art der Kreislaufwirtschaft" I
m Grunde - und das wurden die Teilnehmer eines kleinen Festakts in der Fahrzeughalle des städtischen Bauhofs nicht müde zu betonen - handelt es sich um den Sprung von der Theorie in die Umsetzungsphase: Eine Kommune macht ernst in Sachen Nachhaltigkeit und setzt auch im eigenen Wirkungskreis auf den von Ferlemann als "das Öl der Zukunft" propagierten Energieträger Wasserstoff. Die Stadt habe den Mut, des es brauche, um so ein Thema tatsächlich anzupacken, betonte der Überbringer des vom Bundesverkehrsministerium ausgestellten Förderschecks. Synergien, die zwischen dem Modell der geplanten Biomüll-Vergärung und der Verwendung von "grünem" Wasserstoff als Treibstoff bezeichnete Ferlemann als "ganz moderne Art der Kreislaufwirtschaft". Dass besagte Fahrzeuge (mit einem Biomüll-Derivat betrieben) dazu dienen, die Wertschöpfungskette in Gang zu halten, indem sie weitere kompostierbare Abfälle zu transportieren, entbehrt auch aus Sicht von Horst Müller, Leiter des städtischen Regiebetriebes für Abfallwirtschaft, nicht eines ganz besonderen Charmes. Das ist allerdings nur eine positive Facette. Ein schlagkräftiges Argument, das dafür spricht, sukzessive auf Wasserstoffantriebe umzustellen, ist aus Müllers Sicht aber nicht zuletzt auch die CO2-Ersparnis, die mit dem Wechsel von Sprit auf Wasserstoff einhergeht.
Wasser anstelle von Abgasen
Um Null-Emissionsfahrzeuge handele es sich bei den Gefährten des (wie die geplante Vergärungsanlage) in Osterholz ansässigen Herstellers Faun. Denn anders als die konventionell angetriebenen Müllwagen, die im beim Leeren der Tonnen unvermeidlichen "Stop-and-Go"-Modus tonnenweise Kohlendioxid ausstoßen, produziere das geräuscharm fahrende Brennstoffzellen-Gefährt letztendlich nur reines Wasser. Was nach Science-Fiction klingt, soll in Cuxhaven schon bald Realität sein. "Wir gestalten die Zukunft jetzt und nicht morgen", bekräftigte OB Uwe Santjer am Dienstag und spielte damit auf die Vorreiterrolle des Cuxlandes in Sachen Nachhaltigkeit an. Immerhin - auch das war am Dienstag zu erfahren - hat sich der Landkreis als eine von nur drei Regionen in Deutschland profiliert, wo die Wasserstofftechnologie in der Praxis ausgestestet wird. Das einzige, was der Stadt nun noch fehlt, um in Sachen Wasserstoffnutzung ganz vorne mitzuspielen, ist eine Wasserstofftankstelle. Auch für solch eine Einrichtung gebe es Finanzierungsmittel, deutete Ferlemann in Richtung der durch Marc Itgen und Kai Sawischlewski vertretenen Wirtschaftsförderung an.
Förderprogramm
Über das Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie wurden bis 2019 fast 250 Mio. Euro bereitgestellt. Die Fortschreibung soll helfen, Brennstoffzellentechnik in der Praxis zu etablieren. Gefördert werden u. a. Busse und Nutzfahrzeuge.
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