Katie Lightfoot ist Fulbright-Stipendiatin aus Amerika und unterrichtet als Fremdsprachenassistentin an den BBS Cuxhaven englisch und deutsch. Die Elbmündung verbindet sie mit Hamburg, wo sie auch schon ein Jahr gelebt hat. Die Alte Liebe mag sie deshalb besonders gerne. Foto: Bohlmann-Drammeh
Katie Lightfoot ist Fulbright-Stipendiatin aus Amerika und unterrichtet als Fremdsprachenassistentin an den BBS Cuxhaven englisch und deutsch. Die Elbmündung verbindet sie mit Hamburg, wo sie auch schon ein Jahr gelebt hat. Die Alte Liebe mag sie deshalb besonders gerne. Foto: Bohlmann-Drammeh
Fulbright-Stipendiatin

Warum eine junge Amerikanerin in Cuxhaven leben will

09.10.2021

CUXHAVEN. Katie Lightfoot lebt für ein Jahr in Cuxhaven. Ein Fulbright-Stipendium hat die 24-jährige Amerikanerin an die Nordseeküste gebracht. Bis jetzt gefällt es ihr hier gut, sagt sie und erklärt ihre Liebe zur deutschen Sprache. 

Von Laura Bohlmann-Drammeh

Wenn Katie Lightfoot spricht, hört man nur am weich gesprochenen "ch" in "Sprache", dass Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Die junge Amerikanerin hat Deutsch von klein auf gelernt und jetzt zu ihrem Beruf gemacht: Sie ist Fremdsprachenassistentin geworden, studiert im Master Deutsche Literatur und Linguistik und ist dank eines Fulbright-Stipendiums für ein Jahr in Cuxhaven. Norddeutschland sagt sie mit leuchtenden Augen, ist ihre zweite Heimat. 

Norddeutsche Temperaturen

Katie Lightfoot sitzt am Café-Tisch in der Sonne und freut sich über die Oktober-Temperaturen an diesem Donnerstag. "Das Wetter hier ist so perfekt. Wenn ich eine Jacke anziehen kann, geht es mir gut", sagt sie mit einem breiten Grinsen. Die 24-jährige kommt aus Tuscaloosa in Alabama im Süden Amerikas. Dort herrschen aktuell Temperaturen von etwa 25 Grad sagt sie, im Sommer könne es schon mal 35 Grad warm werden. "Wenn ich nicht schwitzen muss, bin ich glücklich", sagt Lightfoot. Die Gefahr besteht jedenfalls in Norddeutschland weniger. 

Hamburg um die Ecke

Das Wetter war allerdings nicht der Grund, weshalb die junge Frau Niedersachsen als Wunschort für ihr Fulbright-Stipendium angegeben hat. "Ich habe von 2017 bis 2018 während meines Bachelorstudiums ein Jahr lang in Hamburg gelebt und mein Freund wohnt in Göttingen. Cuxhaven ist also perfekt", sagt Lightfoot. Zwei Stunden bis nach Hamburg seien für sie quasi ein Katzensprung und auch die drei Autostunden nach Göttingen sind - von amerikanischen Verhältnissen ausgehend - keine große Entfernung.

Vater Inspiration

Ihren Freund hat sie nach ihrem ersten Jahr in Hamburg kennen gelernt. "Der Austausch lief über den Deutsch-Amerikanischen-Club, wir waren im gleichen Programm und mein Freund hat an meiner Uni in Alabama studiert", erzählt sie. Seit 2019 sind sie ein Paar, Lightfoot ist während Corona ein paar Mal in Göttingen zu Besuch gewesen. 

Zweisprachig aufgewachsen

Zu Göttingen hat Lightfoot noch eine andere Verbindung. "Mein Vater hat dort auch mal als Professor gearbeitet", zeigt sie auf, wie klein die Welt sein kann. Ihr Vater ist es auch, der ihr die Liebe zur deutschen Sprache nahe gebracht hat. "Er ist Professor für Linguistik und hat Deutsch studiert," sagt Lightfoot. Die Eltern ziehen sie zweisprachig auf. "Meine Mutter hat englisch mit mir gesprochen, mein Vater deutsch. Und auch wenn ich als Kind immer nur auf englisch geantwortet habe, habe ich ein gutes Gehör für die Sprache entwickelt." Den ersten richtigen Sprachkurs auf Deutsch absolviert sie mit 16 Jahren. "Ich war für fünf Wochen in Berlin und habe einen A1-Kurs gemacht", erzählt Lightfoot. Danach sei ihre Motivation groß gewesen, sich auch beruflich mit Fremdsprachen beschäftigen zu wollen. 

Schüler unterrichten

Dass sie jetzt als Fremdsprachenassistentin Schüler unterrichtet, habe sie sich als Kind noch nicht vorstellen können. "Eigentlich wollte ich immer etwas ganz anderes als meine Eltern machen", sagt sie lachend. Ihre Mutter ist auch Lehrerin. Inzwischen ist sie aber mit Leidenschaft dabei. Das merkt man ihr an, wenn sie von ihrer Aufgabe an der BBS erzählt. Dort arbeitet sie im Deutsch- und Englischunterricht mit, gibt Kurse in "Deutsch als Fremdsprache" (DAF) oder unterrichtet in Förderkursen. "Dieser Moment, wenn ich gemeinsam mit den Schülern etwas herausfinde oder sie etwas verstehen, der macht die Arbeit so spannend", sagt Lightfoot.

Neuland betreten

In einem Klassenraum zu stehen ist für die 24-Jährige, die auch schon in den USA deutsch unterrichtet hat, trotzdem Neuland. "Wegen der Pandemie konnten bisher alle Kurse nur online stattfinden", erklärt sie. Der direkte Kontakt zu Schülern und Lehrern, den sie jetzt in Cuxhaven erlebt, sei deshalb sehr bereichernd. "Bis jetzt habe ich nur sehr nette, warmherzige Menschen kennen gelernt", schwärmt sie.

Überall zu Hause

Als bereichernd empfindet sie auch die Auseinandersetzung mit Sprache und Literatur. "Es klingt ein bisschen kitschig, aber durch Sprache bekommt man Macht und Selbstbestimmung", erklärt sie mit leuchtenden Augen. Deshalb will die 24-Jährige, wenn sie im nächsten Herbst zurück in den USA ist, zuerst ihren Master beenden und dann ihre Doktorarbeit schreiben. "Ob hier oder in Amerika steht noch nicht fest", sagt sie. 

Zuhause in Amerika und Deutschland

Zu Hause fühle sie sich an mehreren Orten. "Ich bin in Kalifornien geboren, in Alabama aufgewachsen, in Norddeutschland aber auch zu Hause", sagt sie. Besonders das Leben an der Nordseeküste hat es ihr angetan. "Die Elbmündung erinnert mich an Hamburg."

Den größten Unterschied zwischen ihrer amerikanischen Heimat und Deutschland hat sie auch auf der sprachlichen Ebene entdeckt: "In Deutschland sagen die Leute sehr direkt, was sie denken. In Amerika umschreiben wir mehr, worum es geht", berichtet die Expertin.

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