Noch immer hat sich kein Käufer für den ab Oktober frei werdenden Real-Markt in der Konrad-Adenauer-Allee gefunden. Ein Branchen-Fachmann sieht bei zwei Lebensmittelhändlern gute Chancen für eine Übernahme, bei zwei weiteren dagegen keine. Archivfoto: May
Noch immer hat sich kein Käufer für den ab Oktober frei werdenden Real-Markt in der Konrad-Adenauer-Allee gefunden. Ein Branchen-Fachmann sieht bei zwei Lebensmittelhändlern gute Chancen für eine Übernahme, bei zwei weiteren dagegen keine. Archivfoto: May
Schließung naht

Real Cuxhaven: Zwei Lebensmittelhändler im Rennen um Übernahme?

01.06.2021

CUXHAVEN. In rund vier Monaten schließt der Real-Markt in der Konrad-Adenauer-Allee für immer seine Türen. Nahezu genauso lange ist es inzwischen her, dass das Aus für den Markt bekannt gegeben wurde. Ein neuer Käufer hat sich seitdem noch nicht gefunden, doch die Hoffnung lebt weiter.

Direkt zwischen Bahnhof, Altem Fischereihafen und Fußgängerzone gelegen, könnte der Standort des Real-Marktes wohl kaum besser sein. Und dennoch findet sich weiterhin kein Käufer für die Filiale. "Der Cuxhavener Markt wird zum 1. Oktober geschlossen, alle Versuche für eine Übernahme waren bislang vergeblich", sagt Real-Pressesprecher Markus Jablonski. Das entspricht auch dem aktuellen Stand von Iris Kern, Inhaberin der Cuxland-Apotheke im Gebäude des Marktes. "Wir Untermieter haben alle eine Kündigung zum 30. September erhalten und seitdem weder von Real noch dem Eigentümer des Gebäudes irgendeine Info erhalten." Daher habe sie sich bereits nach einem neuen Standort für ihre Apotheke umgesehen. "Wir ziehen ins Lotsenviertel."

Übernahme unwahrscheinlich

Auch dem Verdi-Gewerkschaftssekretär Tobias Uelschen ist selbst inoffiziell nichts von einem konkreten Interesse eines großen Lebensmittelhändlers bekannt. "Nach meinem Stand der Dinge wird der Markt Ende September schließen", so Uelschen. "Eine Übernahme durch Kaufland halte ich für unwahrscheinlich", sagt er. "Kaufland hat bislang immer mit offenen Karten gespielt und sein Interesse an infrage kommenden Märkten direkt bekundet, so wie in Bremerhaven." Der dortige Real-Markt wurde Mitte April zu einem Kaufland.

Bünting neuer Interessent?

Geringe Hoffnung hat Uelschen zudem bezüglich einer Übernahme durch Edeka. "Da es in der Abschnede bereits einen großen Marktkauf gibt, wäre das selbst gemachte Konkurrenz." Edeka und Kaufland wollten sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht dazu äußern.

Das möchten auch die Bünting-Gruppe (Famila, Combi) und Rewe nicht, beide sieht ein gut informierter Branchen-Insider (Name ist der Redaktion bekannt) aber weiter vorn im Rennen um eine mögliche Übernahme des Real-Marktes. "Mir ist bislang nur bekannt, dass Bünting primär Interesse an Real-Märkten im Raum Oldenburg hat, aber das muss nichts heißen." Bünting selbst teilt mit: "Bei der Analyse potenzieller neuer Standorte befassen wir uns auch mit einzelnen Real-Standorten innerhalb unseres Vertriebsgebietes." Zu diesem zählt auch Cuxhaven.

Verdi sieht Rewe im Rennen

Einen Rewe-Markt gibt es in der Stadt hingegen bislang nicht, doch das ist nicht der einzige Grund, weshalb der Fachmann den Lebensmittelhändler auf der Rechnung hat. "Es würde zum Rewe-Geschäftsgebahren passen, wenn sie erst direkt nach der Schließung des Real-Marktes zuschlagen."

Wenn eine Übernahme vor dem 1. Oktober - also während des laufenden Betriebes - zustande käme, würde dies gemäß § 613a des Bürgerlichen Gesetzbuches einen Betriebsübergang darstellen. Dort heißt es: "Geht ein Betrieb oder Betriebsteil durch Rechtsgeschäft auf einen anderen Inhaber über, so tritt dieser in die Rechte und Pflichten aus den im Zeitpunkt des Übergangs bestehenden Arbeitsverhältnissen ein." Und weiter: "Sind diese Rechte und Pflichten durch Rechtsnormen eines Tarifvertrags oder durch eine Betriebsvereinbarung geregelt, so werden sie Inhalt des Arbeitsverhältnisses zwischen dem neuen Inhaber und dem Arbeitnehmer und dürfen nicht vor Ablauf eines Jahres nach dem Zeitpunkt des Übergangs zum Nachteil des Arbeitnehmers geändert werden." Das ist aus Arbeitnehmersicht begrüßenswert, für den Käufer hingegen oft weniger lukrativ. "In dem Fall müsste der Käufer den Markt mit seinen Mitarbeitenden zu den bestehenden Tarifkonditionen übernehmen, wie er ihn vorgefunden hat", erläutert Uelschen.

Kein Kontakt zum Betriebsrat

Bei einem Kauf des Marktes nach der Schließung besitzt der Käufer deutlich größeren Handlungsspielraum und kann beispielsweise frei entscheiden, ob und welches Personal übernommen wird. Ein Rewe-Sprecher teilt auf Anfrage lediglich lapidar mit: "Branchengerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht."

Kein Kontakt zum Betriebsrat

Ähnlich verschlossen zeigen sich die Angestellten des Cuxhavener Real-Marktes. Anfragen unserer Zeitung liefen bislang ins Leere. Nach CN-Informationen schottet sich der Betriebsrat sogar gegenüber der Gewerkschaft weitgehend ab. "Wir haben leider keinen Kontakt zum Betriebsrat und waren auch noch bei keiner Mitgliederversammlung", ist aus dem Verdi-Umfeld zu hören. Daher sei auch unklar, wie es für das Personal ab dem 1. Oktober weitergehe. Im Einzelhandel sei es demnach häufiger der Fall, dass Angestellte aus Angst vor Restriktionen nicht mit Gewerkschaftsvertretern sprechen wollen.

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