Kommissarsanwärterin Nathalie Krause und Oberkommissar Torben Kubik auf Patrouille. Sie starten ihre Tour mit dem Schlauchboot am Anleger in Stadersand. Foto: Beneke
Kommissarsanwärterin Nathalie Krause und Oberkommissar Torben Kubik auf Patrouille. Sie starten ihre Tour mit dem Schlauchboot am Anleger in Stadersand. Foto: Beneke
Flüsse und Häfen

Wasserschutzpolizei: Revier zwischen Hamburg, Cuxhaven und Bremerhaven

23.08.2020

KREIS CUXHAVEN. Sie sind verantwortlich für die Sicherheit auf den Flüssen und in den Häfen zwischen Hamburg, Cuxhaven und Bremerhaven: die Beamten der Stader Wasserschutzpolizeistation.

Vom Anleger in Stadersand aus sind die Ermittler mit Auto und Boot auf Streife. Eine Tour durch das Revier.

Von der Wache der Wasserschutzpolizei im weißen Altbau aus geht der Blick direkt auf die Schwingemündung. Am Fenster stehen Globus und Fernglas. Zwei Segelboote nehmen Kurs auf den Stader Stadthafen. Einige Ausflügler haben ihre Autos am Anleger abgestellt und schauen aufs Wasser. Hauptkommissar Ralf Delventhal und Oberkommissar Torben Kubik werden heute unterstützt von einer Praktikantin aus dem Polizeikommissariat Buxtehude. Kommissarsanwärterin Nathalie Krause hospitiert im Rahmen ihres Bachelor-Studiums an der Polizeiakademie bei der Wasserschutzpolizei. Eine eigene Ausbildung für Wasserschutzpolizisten gibt es in Niedersachsen nicht. Nach dem allgemeinen Polizei-Studium werden Aufbau-Lehrgänge mit Abschlussprüfungen angeboten.

Von morgens bis abends

Sieben Polizisten und eine Bürokraft zählen derzeit zum Team der Station, die montags bis freitags von 7 bis 22 Uhr und am Wochenende zu wechselnden Zeiten besetzt ist. Sie sind zuständig für alle Nebenflüsse der Elbe zwischen Hamburg und Cuxhaven, den Elbe-Weser-Schifffahrtsweg von Otterndorf bis Bremerhaven und sämtliche Häfen und Anleger am niedersächsischen Ufer. Die Stader kontrollieren vor allem Schiffe im Seehafen, für das Hauptfahrwasser der Elbe sind die Hamburger Kollegen zuständig. Die Stader Station ist an die Wasserschutzpolizeiinspektion Oldenburg angegliedert.

Torben Kubik und Nathalie Krause bereiten eine Schiffskontrolle im Stader Seehafen vor. Der Oberkommissar, der vor sechseinhalb Jahren nach ebenso langer Zeit im Streifendienst bei der Stader Polizeiinspektion zur Wasserschutzpolizei gewechselt ist, erklärt seiner Praktikantin im Schnelldurchgang die Grundlagen - von den verschiedenen Schifffahrtsstraßen über Schiffsklassen bis hin zu den Zuständigkeiten einzelner Bundes- und Landesbehörden. In der Hochphase der Corona-Pandemie habe die Stader Mannschaft die Schiffe nur anlassbezogen kontrolliert, sagt Stationsleiter Ralf Delventhal. Seit zwei Wochen finden wieder präventive Kontrollen statt.

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"Wir haben hier ein tolles Revier", sagt der Hauptkommissar. Die Nebenflüsse der Elbe mit ihren Häfen und die Elbinseln mit ihren Ankermöglichkeiten böten Ausflüglern viele Möglichkeiten. Unter der Woche sei der Sportbootverkehr überschaubar, höchstens abends zum Sonnenuntergang sei hin und wieder mehr los. Doch am Wochenende tobe auf den Gewässern und an den Liegeplätzen das Leben. Um die kleinen Flüsse und Häfen anlaufen zu können, verfügt die Stader Wasserschutzpolizei neben einem Küstenboot und mehreren Streifenwagen über ein Schlauchboot mit wenig Tiefgang.

Das robuste Schlauchboot mit dem 250-PS-Motor ist ursprünglich für Einsätze auf der Nordsee beschafft worden. Entsprechend rasant geht es zur Sache, bis zu 50 Knoten (rund 90 Stundenkilometer) werden in der Spitze erreicht. Bevor die Ermittler ihre Tour starten, haben sie am Computer in der Wache die Schiffskontrolldatei gecheckt. Dort tragen die verschiedenen Wasserschutzpolizeidienststellen im Land ein, wann sie welche Schiffe kontrolliert und welche Verstöße sie festgestellt haben.

Torben Kubik und Nathalie Krause haben ein Binnenschiff im Auge, das gleich im Stader Seehafen festmacht. Schon beim Ablegen begegnen sie einem Sportboot. Das Ehepaar aus Berlin ist gerade in die Schwinge abgebogen. Die Wasserschutzpolizisten lassen sich die Lichter, die schon auf den ersten Blick gut sichtbar sind, und das Signalhorn, das laut und klar ertönt, sowie den Führerschein zeigen. "Alles in Ordnung", sagt Torben Kubik und wünscht den Touristen noch einen schönen Tag.

Hohe Geschwindigkeit trotz Tempolimit

Bei strahlendem Sonnenschein nehmen die Ermittler von der Schwingemündung Kurs auf die Elbe gen Bützfleth. Unterwegs entdecken sie ein kleines Motorboot, das in hohem Tempo dicht am Abbenflether Strand auf und ab fährt. Dabei gilt in einem Umkreis von 500 Metern bei Badestellen ein Tempolimit von acht Stundenkilometern (knapp fünf Knoten). Torben Kubik winkt den Freizeitskipper zu sich ans Polizeiboot heran.

Der Mann gibt an, keinen Sportbootführerschein zu besitzen. Den benötigt er auch nicht, da sein Boot "Hilde" nur über einen 15-PS-Motor verfügt. Allerdings hat der junge Kehdinger auch von der Sicherheitsausrüstung wie Warnleuchten und Signalhorn, die er bei sich führen muss, offenbar noch nichts gehört. "Das wusste ich nicht", sagt er immer wieder. "Was ist ein Signalhorn?" Nathalie Krause notiert sich seine Personalien. Er kommt mit einer mündlichen Verwarnung davon, muss aber in den nächsten Tagen die fehlenden Ausrüstungsgegenstände bei der Polizei vorzeigen. "Und fahren Sie bitte langsam - gerade, wenn hier Badebetrieb ist", ruft Torben Kubik ihm noch zu.

Die Rechtslage ist kompliziert. Deshalb gibt sich der Oberkommissar versöhnlich. "Es gibt nicht das eine Handbuch, in das der Binnenschiffer schauen könnte, um herauszufinden, was für eine Ausrüstung er mitführen muss", sagt der Oberkommissar, der sich eine eigene Checkliste für die Kontrolle erstellt hat. Doch bei sicherheitsrelevantem Equipment müssten die Regeln zwingend eingehalten werden. "Binnenschiffer sind manchmal diskussionsfreudig", weiß der Polizist.

Froh über die Polizisten

Doch gerade die einheimischen Skipper in den Vereins- und Sportboothäfen seien froh, wenn die örtlichen Beamten mal nach dem Rechten sehen. Deshalb machen Nathalie Krause und Torben Kubik noch einen kleinen Abstecher in die Bützflether Süderelbe. Bei den Anlegern des Abbenflether Wassersportvereins arbeiten ein paar Eigner an ihren Booten. Sie winken den Polizisten freundlich zu. Eine Reaktion, die an Land eher die Ausnahme ist. Nathalie Krause, die das Schlauchboot steuert und damit eine ganz neue Erfahrung macht, gerät ins Schwärmen: "Das ist einmalig." Die Kommissarsanwärterin weiß noch nicht, in welchem Bereich sie in den kommenden Jahren arbeiten möchte: "Ich könnte mir durchaus vorstellen, zur Wasserschutzpolizei zu gehen."

Ungleich größer als der kleine Sportboothafen in der Bützflether Süderelbe ist der Stader Seehafen, nur wenige Kilometer entfernt. Er zählt zu den größten Häfen Niedersachsens. Hier kontrollieren Nathalie Krause und Torben Kubik das Gütermotorschiff Ares. Die Bootsmannschaft legt eine Metallleiter an, damit die Beamten von ihrem Schlauchboot übersteigen können. Erst wenn die noch leere Ares nach rund sechs Stunden voll beladen ist, liegt sie so tief im Wasser, dass die Polizisten auf einer Ebene wechseln könnten. Die überwiegend polnische Besatzung pendelt zwischen Bützfleth, Köln und Ludwigshafen, erzählt der Verantwortliche an Bord.

An einem Besprechungstisch auf der klimatisierten Kommando-Brücke zeigt er die geforderten Unterlagen. Sie sind vollständig und gültig. Torben Kubik ist zufrieden. "Er hat das richtige Patent, um hier zu fahren", erklärt der Oberkommissar seiner Praktikantin bei der Durchsicht der feinsäuberlich sortierten Aktenordner.

Das Gütermotorschiff macht einen ordentlichen Eindruck. Die Polizisten lassen sich die sicherheitsrelevante Ausrüstung vorführen: Glocke, Schallsignal, Rettungsringe, Rettungswesten, Fernglas, Seekarten. Alles da und funktionsfähig. Lediglich zwei rote Leuchten für Notfälle sind irgendwo unter Deck verschollen. Kein Grund, die Ares stillzulegen. Torben Kubik informiert per Telefon die Revierzentrale in Brunsbüttel über den Befund, wird ihn später in der Schiffskontrolldatei festhalten. Aber erst einmal klettert er mit seiner Kollegin wieder über die Metallleiter aufs Schlauchboot. Es geht über den Elbstrom zurück in Richtung Stadersand.

Von Daniel Beneke

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