In den Farben des Streckebbetreibers EVB präsentiert sich der Wasserstoffzug, der am gestrigen Nachmittag am Endhaltepunkt Cuxhaven wartete. Ein Prototyp, der 2018 auf der Strecke nach Bremerhaven eine Jungfernfahrt absolvierte, war noch azurblau gestrichen gewesen. Foto: Koppe
In den Farben des Streckebbetreibers EVB präsentiert sich der Wasserstoffzug, der am gestrigen Nachmittag am Endhaltepunkt Cuxhaven wartete. Ein Prototyp, der 2018 auf der Strecke nach Bremerhaven eine Jungfernfahrt absolvierte, war noch azurblau gestrichen gewesen. Foto: Koppe
Nahverkehr

Wasserstoff-Zug fährt jetzt fahrplanmäßig bis Cuxhaven

von Kai Koppe | 27.07.2022

CUXHAVEN. Mit dem "iLint" kann man emissionsfrei auf der Regionalbahn-Linie 33 pendeln. Die Zahl der Triebwagen soll bis Ende 2022 auf 14 steigen.

Das Thema Wasserstoff-Mobilität ist vor Ort im wahrsten Sinne des Wortes im Alltag angekommen: Seit Wochenbeginn verkehren Nahverkehrszüge mit Brennstoffzelle ganz regulär auf der im hiesigen Bahnhof endenden EVB-Strecke. Sie ersetzen schrittweise die bis dato verkehrenden Dieselloks und bringen den Namen Cuxhaven einmal mehr mit klimafreundlicher Technologie in Verbindung. Eigentlich sollten die ersten Wasserstoff-Züge schon im Juni den Betrieb auf der Regionalbahnstrecke 33 (von Buxtehude nach Bremervörde und weiter über Bremerhaven bis nach Cuxhaven) übernehmen. "Das hat sich verzögert", räumte ein Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) auf Nachfrage unserer Zeitung ein: Dirk Altwig teilte mit, dass der erste Zug mit dem emissionsfreien Antrieb seit Montag dieser Woche, 4.38 Uhr, im Taktverkehr rollt. 

Weltweit erste Flotte dieser Art 

Obwohl Pendler und andere Bahnreisende den neuen Zug bereits ganz regulär benutzen, befindet man sich nach Darstellung der Landesnahverkehrsgesellschaft bis auf Weiteres immer noch in einer Vorlaufphase. "Ende August wird der Betrieb offiziell eröffnet", kündigte Altwig an. Von diesem Zeitpunkt an soll die Strecke mit "dreimal zwei" (also insgesamt sechs) Wasserstoffzügen aus dem Hause des französischen Bahntechnikherstellers Alstom bespielt werden. "Wir sind stolz darauf, dass dann die erste Wasserstoff-Flotte der Welt in Niedersachsen unterwegs ist", betonte der LNVG-Sprecher, auf die Bedeutung des in dieser Woche in die Umsetzung gehenden Systemwechsels anspielend. Nach seinen Angaben soll der Fuhrpark bis zum Jahreswechsel weiter aufgestockt werden. Es sei davon auszugehen, dass der Wasserstoffbetrieb im Dreieck Buxtehude - Bremerhaven - Cuxhaven bis Ende Dezember auf die vorgesehene Größenordnung von "zwei mal sieben" (das heißt, 14 Züge) ausgeweitet werde, sagte Altwig. Mit dem Gas betankt werden die Triebwagen übrigens in Bremervörde. 

Die LNVG denkt schon weiter 

Derzeit gleicht die Umstellung auf einen klimaneutralen Antrieb immer noch einem Leuchtturmprojekt - so lange, bis in weiteren Teilen des Landes ebenfalls umweltfreundliche Züge auf die Strecke gebracht werden. Die LNVG hält nicht damit hinterm Berg, dass sie in Sachen Systemwechsel ernst macht: Man werde keine weiteren Diesel-Züge mehr einkaufen, hieß es dazu in dieser Woche aus Hannover. Nach eigenen Angaben prüft die für den schienengebundenen Nahverkehr zuständige Landestochter aktuell auch schon, welche Aggregate für das die Städte Oldenburg, Osnabrück und Bremen verbindende Teilnetz Weser-Ems in Betracht kommen. "Denkbar sind Züge mit Wasserstoff- oder Akku-Antrieb, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte LNVG-Sprecher Dirk Altwig am Mittwoch. Zurück zum heimischen Streckennetz: Premiere feierte der Wasserstoff-Antrieb hier keineswegs am vergangenen Montag. 

Jungfernfahrt liegt mehr als drei Jahre zurück

Im Testbetrieb fuhr ein mit einer Brennstoffzelle ausgerüsteter Wasserstoffzug des Typs "Coradia iLint" nämlich schon am 17. September 2018 bis nach Cuxhaven - rollte aber schon zwei Wochen darauf nur noch bis in die Seestadt Bremerhaven. Nach Angaben der für das operative Geschäft verantwortlichen Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVB) war die kurze Dauer des "iLint"-Gastspiels seinerzeit dem Umstand geschuldet gewesen,, dass Lokführerinnen und Lokführer nicht ohne Weiteres das Modell wechseln konnten. Sie mussten zunächst auf den neuen Zügen geschult werden. Erschwerend kam damals dazu, dass es sich bei den ersten beiden Triebwagen (mit knallblauer Werkslackierung) um sogenannte Vorserienfahrzeuge handelte.

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Kai Koppe

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kkoppe@no-spamcuxonline.de

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