Keine Zeit verlieren: Weckruf beim Cuxhavener Wasserstoffgipfel
CUXHAVEN. Cuxhaven will keine Zeit verlieren, wenn es darum geht, Windstrom-Überschüsse effizient zu nutzen.
Die derzeitige geopolitische Entwicklung macht deutlich: Nicht allein aus Klimaschutzgründen ist es sinnvoll, sich aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu emanzipieren. Dieser Aspekt klang auch beim jüngsten Wasserstoffgipfel in den Cuxhavener Hapag-Hallen an. Die Gastgeber der Veranstaltung (offizieller Titel: "Cuxhaven meets Wasserstoff") machten deutlich, warum die Stadt an der Elbmündung das Zeug hat, bei diesem Dreh- und Angelpunkt der Energiewende ganz vorne mitzuspielen.
In ihrem Einführungsvortrag beschrieben Chef-Wirtschaftsförderer Marc Itgen und sein Kollege Kai Sawischlewski den Standort von seinen Bedingungen her als geradezu prädestiniert dafür, um zum entscheidenden Bindeglied zwischen der Erzeugung von (Offshore)-Windstrom auf der einen, und zur Bevorratung mit regenerativer Energie auf der anderen Seite zu werden. Man habe die optimale Hafenstruktur mit Offshore- und Mehrzweckterminals, könne als Anlandepunkt für Wasserstoff (Periodenzeichen: "H") fungieren, wolle nach Möglichkeit aber auch selbst in die Wasserstoffproduktion einsteigen.
Speicherfunktion von Wasserstoff
Mit dem durch Elektrolyse von Wasser gewonnenen Gas könnte (wie Lutz Tesmer, Firma Faun, im Laufe des Nachmittags darstellte) Brennstoffzellenfahrzeuge gespeist werden. Aber auch jenseits des Themas Mobilität gilt Wasserstoff als das ideale Speichermedium für erneuerbare Energien. Im Norden der Republik würde sehr viel mehr davon erzeugt, "als wir vor Ort verbrauchen können", gab André Engbrecht (EWE Gasspeicher GmbH) zu bedenken.
So liegt es aus Sicht des Energieversorgers nahe, grünen Strom darauf zu verwenden, Wasserstoff zu erzeugen, diesen über Pipelines gen Süden zu verschicken oder gar in Kavernen, wie sie bislang zur Erdgas-Speicherung verwendet wurden, zu bunkern. Was das angehe, so Engbrecht, arbeite die EWE, die insgesamt über 38, teils riesengroße Kavernen verfügt, gerade an einem Test-Speicher in Rüdersdorf bei Berlin. Und: Im Leitungsnetz des Oldenburger Versorgers könnte ab 2050 kein Erdgas, sondern stattdessen Wasserstoff fließen.
Anfangen, statt nur zu reden
Bei der städtischen Agentur für Wirtschaftsförderung denkt man in kürzeren Zeiträumen: Angesichts der Rolle, die erneuerbare Energien schon bis 2030 bei der Stromversorgung spielen soll, ist es aus Sicht von Marc Itgen unerlässlich, das Thema Wasserstoff zu forcieren. "Faktisch liegt es damit auf der Hand, dass wir uns jetzt bewegen müssen", sagte der Wirtschaftsförderer. Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer, der beim zurückliegenden Wasserstoff-Meeting mehr als einhundert Gäste aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung begrüßen konnte, betonte seinerseits, dass nun Nägel mit Köpfen gemacht werden müssten. "Wir können noch ein paar Jahre darüber reden", so Santjer, "aber ich bin dafür, dass wir tatsächlich anfangen".
Nach seinen Worten hat man bereits viel zu viel Zeit verstreichen lassen: "In den letzten Jahren haben wir verpasst, unabhängig (von Öl und Erdgas, d. Red.) zu werden", sagte der OB, der in Anspielung auf britische Ambitionen einräumte, nichts dagegen zu haben, wenn sich die deutsche Küste in Zukunft nicht nur als "Saudi-Arabien der Windkraft", sondern auch als Eldorado der Wasserstoffgewinnung entpuppe. Dafür benötige man neben der politischen Weichenstellungen aber auch das Know-how der Privatwirtschaft, fuhr der Oberbürgermeister mit Blick auf die Referentenliste fort.