Andreas Wendowski-Schünemann mit einer Urne aus dem Bestand der städtischen Sammlung. Was in der Freiluftsaison zutage gefördert wurde, muss später dokumentiert und wissenschaftlich bewertet werden. Foto: Reese-Winne
Andreas Wendowski-Schünemann mit einer Urne aus dem Bestand der städtischen Sammlung. Was in der Freiluftsaison zutage gefördert wurde, muss später dokumentiert und wissenschaftlich bewertet werden. Foto: Reese-Winne
Personal

Welchen Weg soll die Cuxhavener Stadtarchäologie gehen?

von Maren Reese-Winne | 29.11.2018

CUXHAVEN. Er liebe seinen Beruf über alles, hat Stadtarchäologe Andreas Wendowski-Schünemann einmal betont. Gleichwohl rückt für ihn Ende 2019 die Pensionierung näher. Und dann?

Dezernatsleiterin Petra Wüst berichtet von derzeit laufenden, "völlig offenen" internen Beratungen. Mit einem Vorschlag werde die Verwaltung danach an die Politik herantreten. Zeitdruck bestehe dabei nicht: Im Stellenplan 2019/20, über den nächste Woche der Rat beschließt, sei die Stelle ohne "kw"-Vermerk ("künftig wegfallen") aufgeführt, so Petra Wüst.

In ihren Reihen sei noch nicht über die Zukunft der Stadtarchäologie gesprochen worden, bemerken die Vorsitzenden der beiden größten Ratsfraktionen CDU und SPD, Thiemo Röhler und Gunnar Wegener. Röhler, der auch Landtagsmitglied ist, verweist darauf, dass die Stelle für 2019 ja noch besetzt sei. Es sei zu prüfen, ob eine möglicherweise von der Verwaltung favorisierte "Auslagerung" der Aufgaben mitzutragen sei.

Gunnar Wegener könnte sich vorstellen, sich der Position des Personalrats anzuschließen, der sich für einen Erhalt der Stelle einsetze. Das könnte insgesamt für die Stadt günstiger sein als Pflichtaufgaben "einzukaufen". Der Landtagsabgeordnete Uwe Santjer (SPD) sieht die Stadtarchäologie als wichtige Schlüsselstelle für die Identifikation mit der Stadt.

Immer gezielter vorgehen

Der zurückliegende Sommer hat - wie jede Grabungssaison in den vergangenen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten -, wieder bewiesen, welch bedeutende Rolle Cuxhaven seit nachgewiesenermaßen 12 000 Jahren als Handels-, Wohn-, Verteidigungsplatz und womöglich auch als Kultstätte gespielt hat. Immer feiner werdende Prospektionsmethoden (vereinfacht gesagt: spezielle Luftaufnahmen) führen metergenau zu Stellen, an denen es sich lohnt, nachzuschauen; etwa in diesem Jahr in Duhnen. Dass der ohnehin als archäologisches Kleinod geltende Ringwall mit seinen 40 Metern Durchmesser von einer zehnmal so großen zweiten Wallanlage umgeben ist, in der sich regelmäßig Menschen - zu welchem Zweck auch immer - trafen, drängt weitere Forschungen geradezu auf.

Das gilt für all die weiteren interessanten Stätten: Den Galgenberg und die davor liegende Siedlung, das Schloss Ritzebüttel und den Turm auf Neuwerk, Altenwalde mit seiner hohen Bedeutung über Epochen hinweg mit florierenden Handelssiedlungen und Beziehungen weit in den Ostseeraum und nach Nord- und Südeuropa, mit der Silberschale, dem Kloster und der Franzenburg, Gudendorf/Köstersweg mit Gräberfeld und riesiger Siedlung, Berensch mit seinen bedeutsamen Funden, Holte-Spangen... dies sind nur einige wenige Beispiele.

Erste Schritte für Studierende

Vor allem, nachdem in der von Finanzsorgen gebeutelten Stadt Cuxhaven vor Jahren der Etat der Stadtarchäologie um die Hälfte gestrichen worden war, hat Andreas Wendowski-Schünemann wissenschaftliche Partnerschaften aufgebaut und kooperiert eng mit Universitäten und Behörden wie dem Institut für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven, mit denen er diverse Grabungskampagnen realisieren konnte.

Weil viele davon Lehrveranstaltungen waren, war dies für die Stadt auch noch kostengünstig. "Ja, es waren viele Studierende dabei, die erst an die Methoden herangeführt werden mussten, aber die Ergebnisse waren immer fantastisch und wir konnten an der aktuellen Forschung teilnehmen", freute sich Wendowski-Schünemann kürzlich bei dem von ihm gehaltenen Vortrag. Mehrfach waren diese Grabungen aber auch Gegenstand späterer Bachelor- oder Masterarbeiten.

Auch ohne Museum hat die Stadtarchäologie es über die Fachwelt hinaus ins öffentliche Bewusstsein geschafft, zum Beispiel durch Einladungen auf Ausgrabungsstätten, Schulklassenbesuche und die von Andreas Wendowski-Schünemann konzipierten und beschrifteten Lehrpfade in Berensch und Altenwalde.

Die Frage, ob nicht "ein paar Vitrinen" im Rathaus denkbar wären, verneinte der Fachmann: Zum Erhalt brauche es hochwertige Ausstattung; die Bürgerhalle sei für eine Dauerausstellung nicht geeignet.

Pflichtaufgabe Denkmalschutz

Öffentlich wenig bekannt ist, dass der Denkmalschutz eine Pflichtaufgabe der Kommunen ist. Wann immer in Cuxhaven Baugrundstücke ausgewiesen werden, muss der Grund auf den historischen Wert hin begutachtet werden. Das hat Einfluss auf den Verlauf von Genehmigungsverfahren. Die Stadtverwaltung - und mit ihr die Politik - müssen abwägen, was verloren ginge, wenn der bisherige kurze Weg zur Stadtarchäologie nach Wendowski-Schünemanns Pensionierung gekappt würde.

Hintergrund

Der Zipfel des Festlandes zwischen Elbe und Weser war wegen seiner strategischen Lage ein bevorzugter Siedlungs- und Befestigungsort mit ebenfalls religiöser oder kultischer Bedeutung. Der fast bis an die Wasserkante reichende Geestrücken bot den Menschen Schutz vor den damals noch unkontrollierten Fluten.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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