Weltumsegler in Corona-Zeiten: Ehepaar aus Kiel kümmerte sich um gestrandete Segler
CUXHAVEN. Dutzende deutsche Segler steckten während der Corona-Pandemie auf der ganzen Welt fest. Ein Kieler Ehepaar organisierte die aufwendigen Rückholaktionen. Dafür wurden sie nun in Cuxhaven ausgezeichnet.
Johannes Frost und Angelika Finke waren gerade von der mehrjährigen Weltreise mit ihrem Katamaran "Magic Cloud" zurückgekehrt und hatten ihr Haus in Kiel wieder aufgefixt, als die Corona-Pandemie Dutzende deutscher Segler in der Karibik, in Neuseeland, Australien und anderen Teilen der Welt in akute Schwierigkeiten brachte. Viele Länder und Inselstaaten hatten ihre Grenzen dichtgemacht, die Crews waren gefangen, die Weltreise auf unbestimmte Zeit infrage gestellt. Angst und Unsicherheit machten sich unter dem internationalen Seglervolk breit. Das war die Stunde von Kommunikator Frost.
Viele brachen ab
Etliche Crews entschieden sich, das Projekt abzubrechen und in die Heimat zu segeln, möglichst auf direktem Kurs, denn die meisten Häfen an der Strecke waren für Jachten gesperrt, der Landgang verboten und die Versorgung mit Wasser, Diesel und Lebensmitteln erschwert. Das Kieler Ehepaar wusste, was den Seglern bevorstand und zögerte nicht lange, als der Verein zur Förderung des Hochseesegelns Trans Ocean Februar 2020 einen Koordinator für ein Hilfsprojekt suchte. Johannes Frost sagte zu, das viel gelobte Projekt "Rolling Home" war geboren und der heute 64-jährige hängte sich voll rein.
Kommunikation geleitet
Von Februar bis Juni vergangenen Jahres leitete er die Kommunikation zwischen den Trans-Ocean-Seglern und einem mehrköpfigen Team von Spezialisten aus Psychologen, Meteorologen, Juristen, Technikern und Nautikern, das sich ehrenamtlich in den Dienst der guten Sache stellte, unterstützt vom Verein INTERMAR und dem Cruising Club der Schweiz.
Für dieses außergewöhnliche Engagement ehrte der Vorstand von Trans Ocean Johannes Frost jetzt mit der Verleihung des "Ocean Award", eines repräsentativen Wanderpreises, den der Verein seit sechs Jahren an Menschen oder Gruppen verleiht, die sich mit außergewöhnlichen Projekten um den Segelsport verdient gemacht haben.
Ein "würdiger Preisträger"
"Mit Johannes haben wir in diesem Jahr einen würdigen Preisträger gefunden", äußerte sich Trans-Ocean-Vorsitzender Egon Lutomsky, als er den silberglänzenden Teller am Mittwochabend im Hafen der Cuxhavener Seglervereinigung überreichte, mit Samthandschuhen.
Der Zwischenstopp der "Magic Cloud" in Cuxhaven bei einem Kurztrip in die Nordsee sowie die Corona-Lockerungen boten die Gelegenheit für die zünftige nachträgliche Preisverleihung im kleinen Kreis, an der auch TO-Vorstandsmitglied Bert Frisch und seine Frau Marlene aus Oberndorf teilnahmen.
Normalerweise wird der "Ocean Award" im Rahmen der Jahresfeier der Trans-Ocean-Segler im November in Cuxhaven verliehen, die 2020 coronabedingt gestrichen werden musste. Die Planungen für die diesjährige Veranstaltung seien schon angelaufen, verriet Lutomsky. Die Frage sei allerdings, ob die Hapag-Hallen bis dahin wieder frei seien oder man sich eine andere Halle suchen müsse.
In der Karibik
37 Jachten hatten seinerzeit um die Rückholhilfe des Weltumseglervereins gebeten. Viele von ihnen waren auf Inseln in der Karibik hängen geblieben und wussten nicht mehr weiter. "Es herrschte große Unsicherheit. Es war schwer, angesichts der sich ständig ändernden Coronabestimmungen der einzelnen Länder den Überblick zu behalten", erinnerte sich Johannes Frost. Der studierte Maschinenbauingenieur mit jahrelanger Vertriebs-Erfahrung im internationalen Werftengeschäft und einem ausgezeichneten Netzwerk holte sich kompetente Partner und organisierte über Kurzwelle oder Satellitentelefon die dienstägliche Callrunde, bei der allen Seglern Informationen über Routing, Wetter und die jeweiligen Einreisebestimmungen übermittelt wurden.
Hilfe bei Technik-Problemen
Etliche wurden bei Problemen mit dem Rigg, dem Motor oder der Ruderanlage von sogenannten Bootsmanagern individuell beraten. Einer schwangeren Mitseglerin konnte durch psychologische Beratung über eine schwere Krise auf hoher See hinweggeholfen werden, erzählt Frost. Ein deutscher Segler musste aus einer Rettungsinsel geborgen werden, nachdem seine Jacht - glücklicherweise unweit der Azoren - nach der Kollision mit einem Wal gesunken war. Frost und sein Team erhielten großes Lob und Anerkennung: Innerhalb von fünf Monaten hatten sie 30 Jachten auf dem Weg nach Deutschland und Europa begleitet. Häufiger Dank: "Wir wussten immer, da ist einer der im Notfall hilft."
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