"Windforce" in Bremerhaven: Windanlagen-Recycling als Chance
BREMERHAVEN. Der Abbau von Windkraftanlagen an Land (Onshore) und auf See (Offshore) wird in den kommenden Jahren ein wichtiges Thema werden.
Davon könnte auch Bremerhaven als Hafenstandort profitieren. Das wurde am Freitag während der 16. Fachkonferenz "Windforce" in der Stadthalle deutlich.
"Die Rückbauwelle wird kommen", sagt Annette Nüsslein, Vorstand des Vereins RDR Wind, der sich die Entwicklung von Standards für den sogenannten Rückbau von Windkraftanlagen auf die Fahnen geschrieben hat. Im Juli konnte RDR Wind einen ersten großen Erfolg vorlegen: die Industrienorm DIN SPEC 4866.
Auf See sind die meisten Anlagen für eine Lebenszeit von 20 bis 25 Jahren ausgelegt, sodass hier noch etwas Zeit sein dürfte. Anders sieht es an Land aus, wo insbesondere nach Auslaufen der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit einem massenhaften Abbau gerechnet wird - weil sich die Anlagen wirtschaftlich nicht mehr lohnen. "Das sollte aber grundsätzlich vermieden werden", meint Nüsslein, die einen Weiterbetrieb einem Rückbau vorziehen würde.
Noch Luft nach oben
Derzeit können nach Angaben von Nüsslein 80 bis 90 Prozent einer Windkraftanlage wiederverwertet werden. "Da ist noch Luft nach oben", sagt sie und blickt unter anderem auf das Problemfeld Rotorblätter, die aus faserverstärkten Kunststoffen bestehen, die derzeit nur sehr schwer recycelt werden können. "Wir wollen erreichen, dass Windenergieanlagen grün bleiben, auch wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben", betont Nüsslein. Es dürfe nicht dazu kommen, dass beispielsweise alte Rotoren nach Indien verschifft würden, nur um eigene Probleme mit der Entsorgung zu lösen.
Die Windbranche ist am Thema Rückbau und Recycling sehr interessiert. Deshalb unterzeichnete Heike Winkler, Geschäftsführerin des Branchenverbandes WAB, auch während der Windforce eine Kooperationsvereinbarung mit RDR Wind. "Wir wollen die Synergien nutzen", sagt Winkler. Sie sieht im Rückbau und Recycling eine weitere Chance für den Hafen Bremerhaven. "Aber jetzt heißt es, schnell zu sein und die Potenziale zu nutzen", betont Winkler.
Anlage im seeschifftiefen Wasser
Das sieht auch Robert Howe, Geschäftsführer der Hafengesellschaft Bremenports, so. "Im Bereich Rückbau, Recycling, Repowering, aber auch dem Aufbau weiterer Anlagen liegt ein Potenzial, das uns auf Jahre beschäftigen wird", ist er sich sicher. Deshalb sei der geplante Offshore-Terminal (OTB) sehr wichtig. "Wir haben derzeit keine Kaje, die die Lasten der riesigen Offshore-Komponenten und des schweren Geräts tragen könnte", betont er. Dazu seien auch die vorhandenen Flächen am CT Süd, auf der ABC-Halbinsel und im Labradorhafen nicht in der Lage. Zudem brauche man eine Anlage am seeschifftiefen Wasser.
"Deswegen sind wir weiter am Ball, um den OTB zu verwirklichen", sagt Howe. Derzeit gibt es zwar einen Planfeststellungsbeschluss, doch dieser wird vom Naturschutzverband BUND beklagt. 2021 werde sich das Oberverwaltungsgericht damit beschäftigen, so Howe. Er zeigt sich optimistisch, dass der OTB kommen wird. "Der Bedarf ist da und wir werden genau rechtzeitig am Markt sein", meint er.
Von Christoph Bohn