"Auch die 'Mein Schiff 3' hat gezeigt, was technisch geht und dass wir ein Standort mit Herz sind", sagt der Vorsitzende der Tourismuswirtschaftsgemeinschaft Norbert Plambeck. Foto: Sassen
"Auch die 'Mein Schiff 3' hat gezeigt, was technisch geht und dass wir ein Standort mit Herz sind", sagt der Vorsitzende der Tourismuswirtschaftsgemeinschaft Norbert Plambeck. Foto: Sassen
Interview mit TWG-Chef Norbert Plambeck

Plambeck: "Wir wollen Cuxhavener Gäste am Steubenhöft empfangen"

06.03.2022

CUXHAVEN. Er propagiert seit Jahren die Chancen Cuxhavens als Anlaufpunkt für Kreuzfahrtschiffe. Der Cuxhavener Unternehmer Norbert Plambeck kann inzwischen einen ersten Erfolg verbuchen. Über die weiteren Perspektiven sprach er im Interview mit unserem Medienhaus. 

Hallo, Herr Plambeck, Sie setzen sich seit Jahren für die Positionierung Cuxhavens als Anlaufhafen für Kreuzfahrtschiffe ein. Warum ist Ihnen das Thema so wichtig? Was versprechen Sie sich davon, insbesondere für die touristische Aufwertung des Alten Fischereihafens?

Die vielen Gäste erreichen Cuxhaven bislang nur über die Straße und mit der Bahn. Unsere beste Verkehrsanbindung ist aber die Bundeswasserstraße Elbe. Hier sind wir direkt mit der Welt verbunden. Das "Tor zur Welt" und der Alte Fischereihafen liegen gleich nebenan.

Wegen des Massentourismus zur See ist das Thema inzwischen nicht mehr nur positiv besetzt. Kritiker warnen davor, dass große Kreuzfahrtschiffe mit mehreren tausend Gästen nicht zu Cuxhaven passen würden. Wie bewerten Sie das im Hinblick auf die mit den Schiffen verbundenen Umweltprobleme?

Cuxhaven ist eine Hafenstadt und die meisten Gäste kommen wegen der Schiffe, welche sie hier unmittelbar erleben können, wie an keinem anderen Tourismusstandort an der Küste. Da liegt es doch nahe, Schiffe auch für den größten Cuxhavener Wirtschaftsbereich, den Tourismus zu nutzen. Ob wir nun Kreuzfahrtschiffe oder andere hier abfertigen, das macht für die Umwelt keinen Unterschied. Wir sehen aber gerade bei den Kreuzfahrtschiffen die größten Fortschritte, umweltfreundliche Antriebe einzusetzen. Und der Cuxhavener Tourismus kann erheblich davon profitieren.

An einigen Tagen im Sommer sind in den Kurgebieten die Auswüchse von Massentourismus bereits heute zu beobachten, besonders, was den Verkehr angeht. Ist die Grenze für einen umweltverträglichen Tourismus in Cuxhaven nicht bereits erreicht?

Wir rechnen im Jahresschnitt mit etwa 11 000 Gästen im AFH, da können auch gerne ein paar tausend von der Wasserseite kommen. Viele Anbieter im Stadtzentrum werden davon partizipieren und sie benötigen keine Parkplätze, verstopfen nicht die Straßen und lassen sich gut lenken. Gerade das Stadtzentrum kann bisher noch nicht die volle Wertschöpfung aus dem Tourismus schöpfen. Das könnte sich durch den Anlauf von Kreuzfahrtschiffen deutlich verbessern.

Mit den Schiffen der Hurtigruten "Fridtjof Nansen" und "Otto Sverdrup" ist es im vergangenen Jahr gelungen, Cuxhaven nach langer Pause wieder auf die Seekarte der Kreuzfahrer zu bringen. War das ein schwieriges Unterfangen? Wer hat Sie dabei unterstützt?

Nein, nicht schwierig, man muss es nur gut vorbereiten und beharrlich sein. Cuxhaven ist vermutlich der am besten gelegene deutsche Standort für Kreuzfahrschiffe. Die historischen Hapag-Hallen sind sehr attraktiv, wie wir jetzt in der Zusammenarbeit mit Hurtigruten beweisen. Anspruchsvolle Gäste gehen hier im Winter nachts von Bord und sind so begeistert, dass viele spontan ankündigen wiederzukommen. Wer hätte das gedacht?

Wie könnte die Entwicklung weitergehen?

In guter Zusammenarbeit mit NPorts wird es uns gelingen, viele weitere Schiffe und damit auch Gäste von der Wasserseite zu gewinnen. Damit ist dann auch ein Schritt getan, um weitere andere Zielgruppen nach Cuxhaven zu locken, die uns bisher nicht "auf dem Schirm" haben.

Welche Voraussetzungen müssen für eine positive Entwicklung in Cuxhaven erfüllt sein? Welche technischen Anforderungen kommen von den Reedereien/Veranstaltern?

Wir müssen uns darauf einstellen, künftig auch internationale Gäste in Cuxhaven willkommen zu heißen. Englischsprachige Speisekarten und Ausschilderungen sind nur zwei kleine Beispiele. Technisch sind sicher die Sicherheitsanforderungen durch ISPS eine Herausforderung. Aber da vertrauen wir auf die dafür zuständigen Fachleute, auch bei NPorts, von denen wir ja bereits große Unterstützung erhalten.

Derzeit landen die Schiffe an der Neuen Seebäderbrücke an. Wäre das historische Terminal mit dem Steubenhöft und den Hapag-Hallen nicht der attraktivere Platz, zumal der Anleger nach dem Aus der Brunsbüttel-Fähre jetzt komplett unbelegt ist?

Das Steubenhöft bietet Platz für die größten Schiffe und hat mit den Hapag-Hallen die attraktivste "Eingangshalle" zur Stadt, welche Gäste sich nur wünschen können. Sie erleben die Historie pur, schöner geht es nicht. Wir üben jetzt an der Seebäderbrücke und hoffen, bald auch das Steubenhöft nutzen zu können.

Welche Voraussetzungen müssten denn am Steubenhöft mit dem teilweise vermieteten Galeriegebäude erfüllt sein, damit die Schiffe dort festmachen können?

Im Wesentlichen sind es die Sicherheitsbestimmungen, welche erfüllt sein müssen. Es wird bereits intensiv über Lösungen nachgedacht und sie scheinen auch möglich.

Haben Sie diesbezüglich bereits Gespräche mit dem Hafenbetreiber NPorts geführt?

Ja, wir stehen in engem Kontakt und arbeiten da Hand in Hand.

Andere Hafenstädte, wie Bremerhaven oder Hamburg, werben offensiv mit dem Etikett Kreuzfahrthafen. Sollte sich Cuxhaven diesbezüglich ebenfalls besser positionieren?

Wir sind dabei und werden mit den Anläufen durch Hurtigruten in der Branche bereits deutlich wahrgenommen. Auch die "Mein Schiff 3" hat gezeigt, was technisch geht und dass wir ein Standort mit Herz sind. Wir haben alle Chancen.

Arbeitet die Tourismuswirtschaftsgemeinschaft (TWG), der Sie als Vorsitzender vorstehen, diesbezüglich mit der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH zusammen?

Herr Raffel, der neue Kurdirektor, hat schon Gäste der Hurtigruten in den Hapag-Hallen begrüßt und zeigte sich begeistert. Wie bei anderen Themen werden wir sicher auch beim Thema Kreuzfahrt eng zusammenarbeiten.

Was erwarten Sie vom neuen Geschäftsführer, Kurdirektor Olaf Raffel, bezüglich einer möglichen Zusammenarbeit zwischen TWG und NHC?

Wir freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Da mache ich mir keine Sorgen. So wie ich Herrn Raffel kennen gelernt habe, wird er mit allen im Tourismus engagierten Organisationen gut zusammenarbeiten.

Wie sehen Sie die Zukunft im Tourismus für Cuxhaven? Wie wird ihrer Einschätzung nach das Areal zwischen Steubenhöft und AFH in 15 Jahren aussehen?

Ich sehe vor allem eine große Chance, die Tourismus- und Freizeitangebote zum Wohle der heute und in Zukunft hier lebenden Menschen zu entwickeln. Die Angebote, insbesondere im maritimen Zentrum der Stadt, werden einen positiven Einfluss auf den Lifestyle in der Stadt und damit auch auf die demografische Entwicklung der Bevölkerung haben. Wir werden eine jüngere Stadt, attraktiver, maritimer und authentischer sein.

Herr Plambeck, vielen Dank für das Gespräch.

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